Salzburger Festspiele - Jan Lauwers „Poppea“ als Renaissancegemälde

Salzburg (APA) - Als Markus Hinterhäuser vor Monaten jemanden gesucht hat, der bei den Salzburger Festspielen Claudio Monteverdis „L‘incoron...

Salzburg (APA) - Als Markus Hinterhäuser vor Monaten jemanden gesucht hat, der bei den Salzburger Festspielen Claudio Monteverdis „L‘incoronazione di Poppea“ auf die Bühne bringt, folgte er einer Intuition. Er rief den belgischen Theatermacher Jan Lauwers an, wohl wissend, dass dieser noch nie Oper gemacht hat - und erhielt eine Zusage. Am Dienstag gab Lauwers in Salzburg Einblicke in die Proben.

Er habe viel zu tun, er müsse eine Auswahl treffen. Oper sei dabei am wenigsten attraktiv für ihn gewesen, berichtete Lauwers. Doch bei Monteverdis „Poppea“ sei das anders. Diese Oper reizt ihn. Lauwers sieht so etwas wie eine Seelenverwandtschaft zwischen dem Komponisten und ihm. „Die Art, wie Monteverdi über Musik und Oper dachte, ist meiner Arbeit mit der Needcompany sehr ähnlich“, erklärte der Künstler, der bei der „Poppea“ für Regie, Bühne und Choreografie verantwortlich zeichnet. Monteverdi habe Oper nicht als Reproduktionsmaschinerie gesehen, sondern den Musikern und Sängern viel Freiheit gelassen. Das komme seiner Einstellung sehr nahe.

Auf diesen freien Zugang legt Lauwers großen Wert. Musiker, Sänger und Tänzer seien auf der Bühne gleichberechtigt, sie sollten sich als Solisten verstehen. „Ich sage einem Sänger nicht, wo er stehen soll“, beschrieb der Regisseur seine Arbeit. Er wolle Möglichkeiten anbieten, in denen sich die Künstler selbst entscheiden könnten. Das sei im sehr rigiden System der Opernwelt ungewöhnlich und verunsichere. „Ich versuche diese andere Arbeitsatmosphäre zu schaffen.“ Lauwers verbindet Musik, Gesang, Tanz und Malerei. Sein Anspruch ist es, die „Oper dem Diktat der Stadttheaterdirektoren zu entreißen und zum Gesamtkunstwerk zu machen.“

Sein Bühnenbild werde wie ein Renaissancegemälde wirken, erzählte der Künstler. Nackte Körper der Renaissance oder des Barock sind übereinandergelagert. „Die Sänger gehen auf den Körpern. Es könnte ein Schlachtfeld sein oder die Sixtinische Kapelle.“ Auch die Musik Monteverdis sei wunderschön und gleichzeitig grausam, sieht Lauwers darin auch eine Waffe gegen die Vulgarität der Gesellschaft. Monteverdi sei aktueller denn je, ist der Regisseur überzeugt.

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Für ihn ist „Poppea“ eine dunkle, düstere Oper. Humor kann er darin nicht entdecken. Höchstens Zynismus oder Sarkasmus. Er versuche, in den Proben diese düsteren Seiten der Charaktere gemeinsam herauszuarbeiten. Er sei von den Proben tief beeindruckt, lobte Lauwers die Arbeit der Sänger und Tänzer.

(S E R V I C E: „L‘incoronazione di Poppea“ von Claudio Monteverdi, Regie, Bühne und Choreografie: Jan Lauwers, Musikalische Leitung: William Christie, Kostüme: Lemm&Barkey, Poppea: Sonya Yoncheva, Nerone: Kate Lindsey, Ottavia: Stéphanie d‘Oustrac, Ottone: Carlo Vistoli, Seneca: Renato Dolcini, Virtú/Drusilla: Ana Quintans, Nutrice/Famigliare I: Marcel Beekman, Arnalta: Dominique Visse, Amore/Valletto: Lea Desandre, Fortuna/Damigella: Tamara Banjesevic, Pallade/Venere: Claire Debono, Lucano/Soldato I/Tribuno: Alessandro Fisher, Liberto/Soldato II/Tribuno: David Webb, Littore/Console I/Famigliare II: Padraic Rowan, Mercurio/Console II/Famigliare III: Virgile Ancely; Needcompany, Solotänzerin: Sarah Lutz, Performer des BODHI PROJECT und der SEAD Salzburg Experimental Academy of Dance; Premiere am 12. August im „Haus für Mozart“. Weitere Vorstellungen: 15., 18., 20., 22. und 28. August. www.salzburgerfestspiele.at)


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