Die Grammatik soll schuld sein: Empörung über Trump-Sager

Der US-Präsident will sich bei seinem Auftritt mit Russlands Staatschef Putin versprochen haben. Der Empörung tut dies keinen Abbruch.

Trumps Treffen mit Putin in Helsinki schlägt hohe Wellen.
© Reuters

Von Daniel Jahn, AFP

Washington – Es soll ein bloßer Versprecher gewesen sein. Mit dieser banalen Erklärung versucht Donald Trump am Dienstag, die Riesenwogen der Empörung in den USA über seinen gemeinsamen Auftritt mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin in Helsinki zu glätten. Er habe sagen wollen, er sehe „keinen Grund“, „warum es nicht Russland sein sollte“, das hinter den Hackerangriffen während des US-Wahlkampfs 2016 steckte – doch das „nicht“ sei ihm versehentlich entfallen.

Der US-Präsident beschreibt sich also als Opfer einer grammatikalischen Schlingfalle, um sich aus der peinlichen Lage zu befreien, durch die er sich mit seiner Helsinki-Darbietung gebracht hat. Die „doppelte Verneinung“ sei die korrekte Konstruktion für den Satz, den er an der Seite Wladimir Putins gesprochen hatte, sagt Trump am Tag nach seiner Rückkehr in einem Statement im Weißen Haus.

Die Entschuldigung klingt fadenscheinig. Und sie wird die massive Kritik, dass Trump sich Putin geradezu unterworfen habe, kaum eindämmen können. Denn selbst wenn es stimmen sollte, dass sich der US-Präsident versprochen hat – in der Pressekonferenz hatte er seine Zweifel an den Schlussfolgerungen der eigenen Geheimdienste überdeutlich gemacht.

Auf die Frage eines US-Reporters in Helsinki wollte sich Trump nicht festlegen, ob die eigenen Dienste oder der russische Präsident recht hat – und die Beteuerungen des russischen Präsidenten, Russland habe mit den Cyberattacken auf die US-Demokraten im Wahlkampf nichts zu tun, bewertete er als „extrem stark und kraftvoll“.

Nun aber beteuert Trump: „Ich akzeptiere die Schlussfolgerung unserer Geheimdienstgemeinde, dass die Einmischung Russlands in unsere Wahl von 2016 stattgefunden hat.“ Es muss Trump viel Überwindung gekostet haben, diese Erklärung abzugeben – denn vor Kritik zurückzustecken ist normalerweise nicht seine Art.

Trump auf dünnem Eis

Doch die Lage ist für den US-Präsidenten brenzlig geworden. Die Wellen der Entrüstung schlagen ihm nicht nur von den üblichen Verdächtigen entgegen – also den oppositionellen Demokraten, den linksliberalen Medien und dem Häuflein seiner Dauerkritiker in der eigenen Republikanischen Partei.

Auch in Kreisen, die Trump normalerweise treue Gefolgschaft leisten, brodelt der Unmut darüber, dass er Putin nicht wegen der mutmaßlichen russischen Cyberattacken und der expansiven russischen Außenpolitik unmissverständlich zur Rede gestellt hat.

So lassen sogar mehrere Moderatoren und Kommentatoren von Trumps Lieblingssender Fox News ihrem Frust über den Präsident freien Lauf. Moderator Bret Baier nennt die Helsinki-Darbietung „stellenweise fast surreal“. Seine Kollegin Abby Huntsman, Tochter eines Ex-Botschafters in Moskau, kommentiert im Kurzbotschaftendienst Twitter: „Keine Verhandlung ist es wert, dass man die eigenen Leute und das eigene Land unter den Bus wirft.“

Besonders drastisch aber ist die von Trumps parteiinternem Widersacher John McCain vorgebrachte Anklage. Der schwer krebskranke Senator prangert einen „Tiefpunkt in der Geschichte der amerikanischen Präsidentschaft“ an. Noch nie habe sich ein US-Präsident derart „vor einem Tyrannen selbst erniedrigt“.

Folgeschäden für Trump noch unklar

Auch nach seinem jetzigen Verteidigungsversuch muss Trump also damit rechnen, dass die Wellen der Empörung weiter hochschlagen. Wie tief die Folgeschäden für seine Präsidentschaft sein werden, ist aber noch nicht zu sehen. Zwar kritisieren auch die Republikanerchefs in Repräsentantenhauses und Senat, Paul Ryan und Mitch McConnell, seinen Helsinki-Auftritt.

„Der Präsident muss verstehen, dass Russland nicht unser Verbündeter ist“, erklärt Ryan. Doch Ryans Einfluss ist geschwunden, da er bei den Kongresswahlen im November nicht mehr antritt. Und ohnehin kann Trump hoffen, dass der gemeinsame Kampf zur Verteidigung der Mehrheit im Kongress ihm hilft, die eigenen Reihen wieder weitgehend zu schließen.


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