Internationale Pressestimmen zur Europa-Reise von US-Präsident Trump

Washington (APA/dpa/AFP) - Zur Europa-Reise von US-Präsident Donald Trump schreiben die Zeitungen am Mittwoch:...

Washington (APA/dpa/AFP) - Zur Europa-Reise von US-Präsident Donald Trump schreiben die Zeitungen am Mittwoch:

„de Volkskrant“ (Amsterdam):

„Am alarmierendsten war, dass Trump die Europäische Union an erster Stelle nannte, als er die Reihe von ‚Feinden‘ aufzählte, mit denen die USA zu kämpfen haben. Nun scheinen auf Trumps Worte nicht immer auch Taten zu folgen. Er bezeichnete die NATO als ‚überholt‘, aber in der Praxis unterstützen die USA das Bündnis noch immer. Auch die Sanktionen gegen Russland werden (dem Kongress sei Dank) aufrechterhalten. Aber für Europa stellt Trump eine wirkliche Gefahr dar: Er ermutigt populistische Strömungen, die darauf aus sind, die EU zu unterminieren.“

„La Repubblica“ (Rom):

„Was passiert, wenn der König nicht mehr an sein Königreich glaubt? Wir stehen vor der Abschwörung: Der Herrscher attackiert seinen historischen Verbündeten und wählt ihn als neuen Gegner. Kurz darauf macht er einen Freundschaftspakt mit dem historischen Feind, aber vor allem kippt er die Geschichte und wechselt die politische Geografie. (...) Die atlantische Allianz ist am Ende, der Westen ist nur noch eine rein geografische Bezeichnung, nicht mehr eine moralische und historische Interpretation. Natürlich verzichtet der König nicht auf den Thron und die Krone. (...) Es ist ein unbekanntes Amerika, das Trump entwirft, um eine zweites Mandat zu bekommen: egoistisch, eifersüchtig, isolationistisch, muskelbepackt, vergesslich. Es hat die Nachkriegsgeschichte vergessen, die gegenseitigen Verpflichtungen, die nicht alle in Geld übersetzbar sind, sondern in eine moralische und politische Verbindung.“

„Financial Times“ (London):

„Trump hat sein Land und sein Amt gleich mehrfach schwerwiegend untergraben. Sein Auftritt in Helsinki hat absolut klargemacht, dass der US-Präsident sein eigenes politisches Überleben und seine persönliche Eitelkeit über jeden Glauben an die Rechtsstaatlichkeit stellt. Nur wenige Tage zuvor hatte der stellvertretende US-Justizminister Rod Rosenstein zwölf russische Geheimdienstagenten wegen Einmischung in die Wahlen im Jahr 2016 angeklagt und dabei korrekterweise betont, dass diese Anklage kein parteistrategisches Thema sein sollte. Trump versteht diesen wichtigen Punkt jedoch nicht. Alles wird seinen eigenen parteiischen Interessen untergeordnet - einschließlich der Wahrheit, der Rechtsstaatlichkeit und der Würde der USA.“

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„Jyllands-Posten“ (Aarhus):

„Es gibt immer einen Grund zur Sorge, wenn ein totalitärer Anführer zu zufrieden wirkt - und Putins Mimik in der finnischen Hauptstadt erinnerte an die von Pu, dem Bären nach einem Griff ins Honigglas. (...) Man kann seit langem beobachten, dass Trump, der nie Politiker war, sondern damit prahlt, Unternehmer zu sein, von totalitären Typen angezogen wird und sich schwer tut mit demokratisch gewählten, konsens-suchenden Anführern. (...) Auf der Pressekonferenz bekam Trump von Putin einen Fußball überreicht. Der Amerikaner sah erfreut aus. Warum eigentlich?“

„De Tijd“ (Brüssel):

„Die größte Gefahr für Trump geht von der Untersuchung zu einer möglichen russischen Einmischung in die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2016 aus. Das könnte ihn zu Fall bringen. Politisch hingegen besteht für ihn keine solche Bedrohung. Bei den Demokraten sind die Uneinigkeit und die Kluft zwischen den verschiedenen Fraktionen so groß, dass es keinen starken Herausforderer zu geben scheint. Und bei den Republikanern ist die Zwietracht möglicherweise noch größer. Ein vollwertiger Gegenkandidat fehlt auch dort, sonst hätte Trump 2016 die Vorwahlen nicht so glatt gewonnen. Natürlich sind zwei Jahre (bis zur nächsten Präsidentschaftswahl) noch eine lange Zeit und es könnte ein überraschender Kandidat auftauchen, so wie das 2016 ja auch mit Trump geschah. Doch solange sich in Washington die Politik nicht gründlich ändert und die politische Klasse kein neues Gleichgewicht findet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Trump noch eine weitere Amtsperiode hinzufügen kann.“

„Dernieres Nouvelles d‘Alsace“ (DNA/Straßburg):

„Bei Donald Trump darf man nicht nach Logik oder Kohärenz suchen, die Mühe ist vergebens. Seit seiner Wahl fährt er nur auf Sicht, abhängig von seinen Launen, Interessen oder dem, was er über eine Situation zu wissen glaubt. Das ist bedauerlicherweise nicht neu, es entspricht seinem tiefsten Wesen. Sein pathetischer Rückzieher gestern Abend beim Thema der russischen Einmischung in den letzten amerikanischen Wahlkampf ist da nur ein deprimierender Beweis für die Leere seiner Präsidentschaft.

Tatsächlich ist Donald Trump ins Straucheln gekommen. Das Ausmaß der Empörung nach der Pressekonferenz in Helsinki - in deren Verlauf er Partei für (den russischen Präsidenten) Wladimir Putin und gegen CIA und FBI ergriff - hat ihn überrascht und ins Wanken gebracht. Das Wort ‚Verrat‘ ist gefallen, und der schon latente Verdacht geheimer Absprachen hat sich plötzlich verstärkt. Trump hat die Gefahr gespürt.“

„Hospodarske noviny“ (Prag):

„Die Ukrainer regen sich auf, dass Donald Trump in Helsinki keinen Druck auf Wladimir Putin wegen der Annexion der Krim und des Kriegs im Donbass ausgeübt hat. Die US-Amerikaner sind entsetzt, dass sich ihr Präsident mit den Russen gegen die eigenen Geheimdienste und das FBI verbündet hat. Und die Europäer wundern sich, dass über Europa und besonders Mitteleuropa auf dem Gipfeltreffen nicht gesprochen wurde, zumindest laut den öffentlichen Äußerungen. Da Trump und Putin Machtpolitik und persönliche Deals lieben, kann man davon ausgehen, dass die in der Großmachtpolitik schwache Europäische Union ihren Ambitionen schlicht keine Hindernisse in den Weg legt. Von daher konnten die beiden Europa bei ihrem Gespräch auslassen.“

„Sme“ (Bratislava):

„Beim Gipfeltreffen in Helsinki haben wir den US-Präsidenten (Donald Trump) dabei gesehen, wie er bereitwillig gute Beziehungen zu Russland gegen gute Beziehungen innerhalb der NATO und zur Europäischen Union eintauschte. Und wie er (des russischen Präsidenten Wladimir) Putins Version der Geschehnisse unterstützte, wie das mit der Beeinflussung der US-Wahlen 2016 war. Mit seinen Angriffen gegen seine einheimische Opposition zeigte er, dass er bereit ist, sich mit dem traditionellen Feind - oder Konkurrenten, wenn Sie wollen - zu verbünden, um dafür mehr Kontrolle auf der innenpolitischen Bühne zu erlangen und nicht nur die Demokraten als Partei, sondern gleich auch die demokratischen Institutionen selbst niederzudrücken.“

„Pravda“ (Bratislava):

„Warum Trump einem ehemaligen Agenten des (sowjetischen Geheimdienstes) KGB mehr vertraut als den eigenen Geheimdiensten (wie der ‚Guardian‘ schreibt), lässt sich nur vermuten, weil niemand weiß, was die beiden Staatsoberhäupter unter vier Augen geredet haben. Trumps Entgegenkommen lässt sich vielleicht auch damit erklären, dass Putin kompromittierende Informationen besitzt, deren Veröffentlichung Trump schaden könnten. Die Vorstellung, dass den ‚Führer der demokratischen Welt‘ ein Autokrat am Kragen hält, weckt Entsetzen. Aber noch schlimmer ist die Feststellung, dass sich Europa nicht mehr auf seinen traditionellen Verbündeten verlassen kann, weil der nur mehr auf sich selbst fixiert ist.“

„24 Tschassa“ (Sofia):

„Für Russland war die Krim-Frage abgeschlossen, da es alle internationalen Normen eingehalten habe, indem es ein Referendum ausgeschrieben habe. Auch Trump gab sich keine Mühe zu dem Thema vor dem Hintergrund seiner früheren Äußerung, dass wenn sie dort Russisch sprechen, es kein Problem gebe. Wir werden mit Russland Konkurrenten auf dem europäischen Markt sein, erläuterte Trump, der die Haltung Deutschlands zu Nord Stream 2 nicht akzeptiert. Der einzige Weltlenker, der auf dem Treffen erwähnt wurde, war der chinesische. Für Trump ist China ein Handelsrivale, für Putin - ein politischer. (...) Psychologisch trafen zwei Präsidenten mit unterschiedlichen Charakteren und Temperamenten und mit unterschiedlichen Erwartungen und Visionen für die Welt aufeinander.“


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