Kraft schwärmt vom Training: ,,Es ist ein ganz anderer Zug drinnen“

Morgen starten Stefan Kraft und Michael Hayböck in den Sommer-Grand-Prix. Die Skisprungbewerbe in Wisla (POL) sind die ersten mit Andi Felder als Cheftrainer. Aber nicht alle Neuerungen stoßen auf Gegenliebe.

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Seefeld — Erst erkundeten Stefan Kraft und Michael Hayböck mit dem E-Bike die Olympiaregion Seefeld, dann spazierten die beiden Skispringer im Erlebnispark am Spieljoch umher und sprachen dabei mit der TT: über Veränderungen durch das neue Trainerteam, den besonderen Reiz der Heim-WM und über die Erwartungen beim Sommer-Grand-Prix-Auftakt in Wisla morgen.

Im März hat Andreas Felder den Cheftrainerposten übernommen. Er hat seither Ihren Sprungstil verändert. Anstatt eines V bilden Sie ein H mit den Skiern in der Flugphase.

Michael Hayböck: (lacht laut auf).

Warum lachen Sie?

Hayböck: Weil wir es so noch nie offiziell genannt haben. Aber es ist auffällig, dass wir es trainieren. Die Norweger haben diesen Stil in Perfektion mit Erfolg im Winter gezeigt. Und wir können in der Flugphase am meisten Meter holen. Ein leichtes H ist aerodynamisch besser.

Stefan Kraft: Ich habe das vergangene Saison schon probiert. Aber etwas Eingeschliffenes rauszubekommen, ist sehr schwer.

Wie fühlt sich die Umstellung an?

Hayböck: Gut.

Kraft: Das Flugsystem ist dadurch stabiler.

Hayböck: Außerdem muss man sagen, seit das Trainerteam komplett neu aufgestellt ist, zieht das gesamte Team an einem Strang. Es wird vieles anders gehandhabt.

Was zum Beispiel?

Hayböck: Wir stehen gemeinsam auf und machen Morgensport. Das hat es noch nie gegeben. Es ist gewöhnungsbedürftig. Die größten Fans sind wir davon nicht. Ich bin da noch im Schlafmodus.

Kraft: Mich stresst das in der Früh. Aber beim Frühstück ist dann jeder gesprächiger. Von dem her ist es echt cool.

Felder hat den Trainerstab dezimiert, arbeitet nur noch mit zwei Co-Trainern.

Kraft: Das ist super. Wir trainieren in Salzburg mit Flo Schabereiter (Co-Trainer/Anm. d. Red.). Er gibt alles an Andi und Flo Liegl (zweiter Co-Trainer/Innsbruck) weiter. Das macht es einfach. Zuvor haben wir mit Alex Diess trainiert und wenn er bei den Wettkämpfen nicht dabei war, hat man alles erklären müssen.

Hayböck: Es ist wirklich unkompliziert, weil wir immer die gleichen drei dabei haben. Und Andi ist der, der kommuniziert. Du bekommst auch immer klare und nicht verschiedene Anweisungen.

Kraft: Mir hat die Zusammenarbeit mit Flo Liegl schon vor meiner Weltcupzeit getaugt. Er hat richtig Ahnung vom Skispringen und eigene Ideen, das ist ganz wichtig. Und Schabereiter achtet auf jede Übung, verbessert alles bis ins kleinste Detail, das ist echt cool. Es soll ja etwas weitergehen. Es ist jetzt ein ganz anderer Zug drinnen.

Was ist der größte Unterschied zwischen Felder und Ex-Cheftrainer Heinz Kuttin?

Kraft: Andi erzählt sehr viele Geschichten von früher. Es ist sehr witzig mit ihm!

Hayböck: Und redet nicht lange um den heißen Brei. Wenn ihm es etwas nicht gefällt oder gut gefällt: Dann sagt er es dir direkt ins Gesicht. Und es wird im Team alles sofort besprochen.

Kraft: Manchmal wirkt er ein wenig unorganisiert.

Hayböck: Aber er muss auch nicht alles machen, dafür haben wir ein Team.

Nach der Krisen-Saison 2018 mit Kuttin hatten Sie gesagt, intern Kritikpunkte anbringen zu wollen. Gehen die Veränderungen auch auf Ihr Konto?

Hayböck: Stefan und ich haben mit Heinz sehr gut zusammengearbeitet. Und es war dann eher so, dass wir uns angehorcht haben, was das neue Team für Vorstellungen hat. Die Philosophie von Andi hat uns gleich getaugt. Wir wollten nur organisatorische Dinge verändert haben.

Kraft: Und dann wurde der ganze Plan über den Haufen geschmissen. Es ist cool, dass wir da so viel Mitspracherecht haben. Wir wollten unbedingt einen Sommerkurs in Innsbruck haben.

Wegen der Heim-WM 2019?

Kraft: Klar. Die Familie ist da, die Freunde und da will man eine Medaille gewinnen.

Hayböck: Vor allem waren die vergangenen WMs immer an Orten, wo Langlauf im Mittelpunkt stand. Hier hat Skispringen einen höheren Stellenwert. Und wenn ich mir vorstelle, dass wir am Bergisel ein Mannschaftsspringen haben, dann ist das Gänsehautfeeling pur.

Kraft: Und wir waren jetzt mit unserer JumpandReach-Familie in Seefeld und da hat es erstmals so richtig gekribbelt. Eine Heim-WM hast du einmal im Leben. Etwas Geileres gibt es nicht.

Hayböck: Da fehlt es den ganzen Sommer nicht an Motivation.

Jetzt steht der Sommer-Grand-Prix in Polen an.

Kraft: Wir haben seit 16. April nur trainiert. Ein Wettkampf jetzt ist gut für den Ansporn. Außerdem sehen wir, wie wir von den Leistungen und dem Material stehen. Ich bin sicher noch nicht in Topform. Aber das macht nichts.

Hayböck: Ich sehe es genauso. Ich habe den Sommer-Grand-Prix letztes Jahr wegen meiner Materialtests etwas links liegen gelassen. Ich bin heuer schon ganz gut gehüpft und es ist interessant zu sehen, wo ich stehe.

Das Gespräch führte Susann Frank


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