Unterinntalbahn: Bayern rufen zur Demo, Tiroler setzen auf Politik

Protest-Radtour nach Erl gegen das dritte und vierte Gleis in Bayern. Viele zweifeln an positiver Umfrage der Bahn zum Unterinntalbahn-Ausbau.

Von Wolfgang Otter

Kufstein, Rosenheim –Noch sind auf bayerischer Seite nicht alle Informationsabende zu den verschiedenen Trassen zum weiteren Bahnausbau im Inntal zwischen Langkampfen und Rosenheim abgeschlossen, schon blasen die Gegner zur Kundgebung. Dabei formiert sich der Widerstand gleichermaßen in Bayern und Tirol.

In Langkampfen wehrt sich eine Bürgerinitiative und in Kufstein „steht der Ortsteil Morsbach kopf“, wie Ortsvorsteher Josef Wagner berichtet. Überall lautet die Forderung gleich: Wenn schon Bahnausbau, dann unter die Erde mit den Gleisen. Was aber gerade in Langkampfen und Kufstein bei der derzeitigen Planung nicht immer der Fall ist.

Besonders Morsbach würde bei einer der vorgestellten Trassen ein sehr langes Stück zusätzlicher oberirdischer Gleise abbekommen. Dort setzt man derzeit aber noch auf die Politik. Josef Wagner übergab mit BM Martin Krumschnabel an Landeshauptmann Günther Platter beim Verkehrsgipfel der Euregio Inntal eine Resolution. Platter mahnte auch ein, dass die Bahnprojektanten auf die Forderungen der Leute eingehen müssten.

So geduldig wie in Tirol ist man in Bayern nicht mehr. Das Bürgerforum Inntal steigt auf das Fahrrad und fährt mit den Kundgebungsteilnehmern am Samstag (ab 9.35 Uhr) von Neubeuern Richtung Tirol, gegen 13 Uhr will der Bürgerforum-Obmann Martin Schmid in Erl eine Jausenpause einlegen, bevor es wieder retour geht. Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Schützt das Inntal, keine unsinnigen Bahntrassen“.

„Wir wollen auch den Lkw-Verkehr aus dem Inntal weghaben“, sagt Schmid, „aber wir haben keinen Landeshauptmann, der vor uns eine Blockabfertigung macht, die beginnt leider erst in Kiefersfelden“, bedauert er. Auch seine Bürgerinitiative sei für eine Korridormaut, damit der Lkw-Verkehr nicht die billigste Route, in dem Fall über den Brenner, sucht. Aber der Bahnausbau sei unsinnig, „weil dadurch wird der Lkw-Verkehr nicht weniger“, meint Schmid.

In Bayern gebe es auch viel zu wenige Möglichkeiten, die Güter auf die Schiene zu verladen. „Es wurden sogar Verladestationen zugesperrt. Zur Verlagerung der Lkw auf die Schiene fehlt der Wille. Daher hätten wir Gleise, die nichts bringen. Da brausen vielleicht ein paar ICE drüber, damit man schneller in Rom ist. Für den Güterverkehr brauche ich keine Strecke für 230 Stundenkilometer“, erklärt Schmid. Die Befürchtung ist auch, dass auf bayerischer Seite das dritte und vierte Gleis vor allem oberirdisch verlaufen könnte.

In Tirol habe man übrigens laut Schmid um keine Genehmigung für die Kundgebung angesucht. „Die Tiroler haben eine gute Gastronomie, da treffen wir uns nur auf eine Jause“, sagt Schmid schmunzelnd. Auf bayerischer Seite sei die Demo-Radfahrt aber genehmigt.

Seitens der BVS-Bundesvereinigung gegen Schienenlärm e.V. kommen zudem starke Zweifel an der von Deutscher Bahn (DB) und Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) in Auftrag gegebenen Umfrage auf. „Befragt wurden zufällig ausgewählte Erwachsene aus dem Großraum Rosenheim-Kiefersfelden, d.h. vor allem nicht unmittelbar Betroffene“, meint der 2. Vorsitzende Ludwig Steininger zur TT.

Die Forsa-Umfrage fiel äußerst gut für die Bahnprojektanten aus – die TT berichtete. So seien demnach auf Tiroler Seite des Planungsbereichs Langkampfen bis zur Staatsgrenze 94 % für den Bahnausbau, in Bayern immerhin noch 75 % (Sample 207 Befragte in Tirol, 1294 in Bayern).

Martin Schmid hält es für bedenklich, dass „behauptet wird, die Mehrheit sei für eine neue Bahnstrecke, aber die Frage explizit lautete, ob man für einen ,Ausbau‘ der Eisenbahnstrecke sei. Es wurde weder gefragt, ob man für den Neubau einer Bahnstrecke ist, noch ob man für ein drittes und viertes Gleis ist. Die von den Bürgerinitiativen gesammelten 15.000 Unterschriften gegen ein drittes und viertes Gleis sprechen für sich“, erklärt Schmid.

Auch in Kufstein ist die Umfrage umstritten. „Ich finde sie nicht fair“, sagt Wagner. Wenn, dann müsse man schon über alles informieren und abfragen – also auch wie die Leute zu den oberirdischen Abschnitten stehen. Das werden nun der Ortsausschuss und die Bürgerinitiativen übernehmen. Und falls alles nichts hilft, „werden wir auch auf die Straße gehen“, verspricht Wagner.


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