Cytomegalievirus-Infektion besser behandelbar

Wien/Wuppertal (APA) - In Europa werden jährlich rund 16.000 Organtransplantationen durchgeführt. Bei einem hohen Anteil der Kranken - 20 bi...

Wien/Wuppertal (APA) - In Europa werden jährlich rund 16.000 Organtransplantationen durchgeführt. Bei einem hohen Anteil der Kranken - 20 bis 35 Prozent - kommt es durch die notwendige Immunsuppression zu einer potenziell gefährlichen Cytomegalievirus-Infektion bzw. zur Reaktivierung des latent vorhandenen Virus. Ein neues Arzneimittel soll die Gefahr vor allem bei Patienten nach Stammzelltransplantationen reduzieren.

30 bis 90 Prozent der Menschen weltweit sind mit dem Cytomegalievirus, das zu den Herpesviren gehört, infiziert. Das Immunsystem unterdrückt aber die Vermehrung der Krankheitserreger nach der Erstinfektion. Schwere Immunschwäche lässt sie aber wieder aktiv werden. Besonders häufig ist das bei Patienten nach Transplantationen. Darm-, Lungen-, Leber-, Netzhaut- oder Gehirnentzündungen können die Folge sein. Darüber hinaus können auch noch bakterielle Infektionen oder Pilzerkrankungen hinzukommen. Das bedeutet ein hohes Risiko für die Betroffenen mit stark verringerten Abwehrkräften infolge der immunsupprimierenden Therapie. Fast alle Personen nach einer Organtransplantation weisen zumindest vorübergehend Anzeichen einer reaktivierten Cytomegalieinfektion auf.

Prophylaktisch oder bei Anzeichen einer auftauchenden Cytomegalieerkrankung werden bisher Wirkstoffe wie Ganciclovir oder Valganciclovir eingesetzt. Sie weisen aber eine toxische Wirkung auf das blutbildende System (Knochenmark) und bzw. oder auf die Nieren auf. Das ist natürlich gerade bei Transplantationspatienten extrem kontraproduktiv. Ganz besonders gilt das für Kranke nach Knochenmarktransplantationen, bei denen die übertragenen Blutstammzellen ein neues blutbildendes System etablieren sollen.

Die Situation dürfte sich jetzt aber deutlich bessern. Das Spin-Off-Unternehmen des deutschen Pharmakonzerns Bayer „AiCuris“ und der US-Pharmakonzern MSD haben mit Letermovir ein neues und spezifisch gegen Cytomegalie wirkendes Virostatikum entwickelt. Während Ganciclovir das Polymerase-Enzym der Erreger blockiert, handelt es sich bei dem Wirkstoff um einen DNA-Terminase-Inhibitor. Durch die Blockade dieses Enzyms kommt es bei der Produktion neuer Cytomegalieviren in infizierten Zellen entweder zur Bildung zu langer oder zu kurzer Erbgutstücke, die nicht in neue Viruspartikel verpackt werden können, wie die Österreichische Ärztezeitung und die deutsche Ärztezeitung vor kurzem berichteten.

Die für die Zulassung ausschlaggebende randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Phase-III-Studie (Wirksamkeit) wurde in 67 Transplantationszentren in 20 Ländern durchgeführt. Bei den Probanden handelte es sich um rund 570 Patienten nach Stammzelltransplantation. Rund 370 bekamen ab dem neunten Tag nach der Infusion der Stammzellen bis einschließlich der 14. Woche einmal täglich eine Dosis (480 oder 240 Milligramm) des neuen Medikaments. Die Patienten durften bis zur Transplantation kein Anzeichen einer CMV-Infektion aufweisen.

Die Ergebnisse waren ausgesprochen gut: Der Anteil an Patienten mit signifikanter CMV-Infektion bis Woche 24 nach der Stammzelltransplantation war bei den mit Letermovir behandelten Patienten (122 von 325; 37,5 Prozent) signifikant geringer als bei Patienten der Placebogruppe (103 von 170; 60,6 Prozent). Die Gesamtsterblichkeit lag 48 Wochen nach der Stammzelltransplantation unter Letermovir bei 20,9 Prozent, in der Placebogruppe bei 25,5 Prozent. Dieser Unterschied war aber statistisch nicht signifikant, was an der Zahl der in die Studie aufgenommenen Patienten liegen.


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