Kritik der israelischen Opposition an Orban-Besuch

Tel Aviv (APA/dpa) - Israels Opposition hat den Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban am Mittwoch scharf kritisiert. Yair ...

Tel Aviv (APA/dpa) - Israels Opposition hat den Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban am Mittwoch scharf kritisiert. Yair Lapid von der Mitte-Rechts-Partei Yesh Atid schrieb auf Twitter: „Nachdem er mit der Vereinbarung mit Polen das Andenken der Holocaust-Opfer besudelt hat, wird (Israels Regierungschef Benjamin) Netanyahu heute dem ungarischen Ministerpräsidenten seine Ehre erweisen.“

Orban habe „den antisemitischen Herrscher gelobt, der den Nazis bei der Vernichtung der ungarischen Juden geholfen hat“, kritisierte Lapid, Sohn eines Holocaust-Überlebenden aus Ungarn. Orban hatte im vergangenen Jahr mit Lob für den ungarischen rechtsautoritären Führer und Hitler-Verbündeten Miklos Horthy (1868-1957) für Irritationen gesorgt. Er bezeichnete diesen als „außergewöhnlichen Staatsmann“.

Orban wurde am Mittwochabend zu seinem ersten Besuch in Israel erwartet. Am Donnerstag trifft er Netanyahu und den israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin. Am Freitag besucht er die Klagemauer in Jerusalem. Bei einem außerdem angekündigten Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem wurde mit Protesten gerechnet. Yad Vashem hatte in diesem Monat eine Einigung Israels und Polens zu dem umstritten Holocaust-Gesetz scharf kritisiert.

Netanyahu hatte Ungarn vergangenes Jahr im Juli besucht. Der israelische Regierungschef hat Orban in der Vergangenheit klar unterstützt - wofür er sowohl von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Ungarn als auch der israelischen Opposition kritisiert wurde. So wurde etwa die Regierungskampagne gegen den liberalen US-Milliardär George Soros als antisemitisch kritisiert.

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Die linksliberale israelische Abgeordnete Tamar Sandberg schrieb zu Orbans Besuch auf Twitter: „Wer Anführer lobpreist, die mit den Nazis kollaboriert haben, wer in seinem Land Menschenrechtsorganisationen und die Opposition verfolgt - ist hier nicht willkommen.“


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