Maas schließt Entschädigung für „Colonia Dignidad“-Opfer nicht aus

Berlin/Santiago de Chile (APA/dpa) - Deutschlands Außenminister Heiko Maas hat individuelle Entschädigungszahlungen an die Opfer der deutsch...

Berlin/Santiago de Chile (APA/dpa) - Deutschlands Außenminister Heiko Maas hat individuelle Entschädigungszahlungen an die Opfer der deutsch-chilenischen Sekte „Colonia Dignidad“ nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Bisher gebe es diesbezüglich eine „große Zurückhaltung“ der Bundesregierung, so Maas am Mittwoch bei einem Treffen mit seinem chilenischen Kollegen Roberto Ampuero in Berlin. „Aber natürlich ist das nicht das letzte Wort.“

Ein Ende Juni vorgelegtes Hilfskonzept der Bundesregierung für die Sektenopfer sieht noch keine individuelle Entschädigung vor und ist deswegen im Bundestag auf massive Kritik gestoßen. Der SPD-Politiker betonte nach dem Treffen, dass es sich dabei nur um einen Entwurf handle und der Bundestag bei der abschließenden Entscheidung „eine ganz wesentliche Rolle spielen“ werde.

Die „Colonia Dignidad“ war 1961 rund 350 Kilometer südlich von Santiago de Chile von deutschen Auswanderern gegründet worden. In den folgenden Jahrzehnten kam es auf dem hermetisch abgeriegelten Areal zu systematischem Kindesmissbrauch. Der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte schon 1966 aus der örtlichen Presse von „KZ-ähnlichen“ Methoden erfahren. Während der chilenischen Militärdiktatur wurden dort zudem Regimegegner gefoltert und ermordet.

Maas sagte, dass die Entscheidung über eine individuelle Entschädigung unter anderem wegen der schwierigen Abgrenzung der Opfergruppe kompliziert sei. Der Bundestag hatte die Regierung vor einem Jahr in einem fraktionsübergreifenden Antrag aufgefordert, Vorschläge zur Entschädigung zu machen. Das Hilfskonzept von Ende Juni sieht aber nur einen Hilfsfonds für die Unterstützung der „Opfergemeinschaft“ vor. Dazu zählen Beratungs-, Betreuungs- und Ausbildungsangebote. „Individualmaßnahmen, insbesondere Geldzahlungen an Einzelpersonen, sind dagegen nicht vorgesehen“, heißt es in dem Papier.


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