Die Bühne als „Lebenselixier“: Schauspielerin Loni von Friedl wird 75

München/Wien (APA) - „Geduld, Mut und Fleiß.“ Das sei ihr Credo, schreibt Loni von Friedl auf ihrer Website, und setzt drei Rufzeichen dahin...

München/Wien (APA) - „Geduld, Mut und Fleiß.“ Das sei ihr Credo, schreibt Loni von Friedl auf ihrer Website, und setzt drei Rufzeichen dahinter. Die drei Tugenden halfen von Friedl scheinbar, nach knapp 70 Jahren Arbeit für Theater und Film immer noch eine Leidenschaft für das Business zu empfinden. Am Dienstag feiert die Schauspielerin ihren 75. Geburtstag.

Wie sie ihren persönlichen Jubeltag begeht, weiß die Schauspielerin nicht so genau. „Vielleicht mache ich, je nach Seelen-Wetterlage eine kleine Reise?“, sagte sie gegenüber der APA. Ein größeres Fest werde sie erst wieder zu ihrem 80er schmeißen. Derzeit lebt sie in München und Schleswig Holstein und schreibt täglich, laut Friedl sei es eine Art der Therapie und Kommunikation mit ihren Innenleben. „Seitdem mein Mann Jürgen Schmidt 2004 verstarb, ist mir das nicht nur Hilfe, sondern auch Bedürfnis“, merkte die Schauspielerin an.

Loni von Friedl, mit bürgerlichen Namen Leontine Anna-Maria Friedl von Liebentreu, wurde am 24. Juli 1943 in Wien geboren. Ihr Vater, Fritz Friedl von Liebentreu, wirkte als Kameramann unter anderem an Leni Riefenstahls NS-Propagandafilm „Olympia - Fest der Völker“ mit. Durch ihn lernte von Friedl früh Englisch, ein Vorteil, der sich schon in jungen Jahren auszahlte. Bereits mit sechs Jahren stand von Friedl mit ihrem Bruder Fritz, der später ebenfalls Schauspieler wurde, für den Kinderfilm „The mysterious Poacher“ vor der Kamera.

Nach der Schule begann sie mit einer Tanzausbildung, gefolgt von Schauspielunterricht. 1958 wurde die damals 15-Jährige jüngstes Ensemblemitglied im Wiener Burgtheater - eine Position, die sie bis 1965 innehatte. Schon während dieser Zeit waren Filme ihre Leidenschaft: Regelmäßig nahm sich von Friedl mehrere Monate Urlaub, um zu drehen. 1960 spielte sie in „Der Schulfreund“ die Tochter von Heinz Rühmann, 1968 folgte „Django - Ein Sarg voll Blut“ und „Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu“.

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Am Set des Letzteren traf die Wienerin den Schauspieler Götz George. Von Friedl und der spätere „Schimanski“-Darsteller heirateten 1966 und bekamen eine Tochter, Tanja George. Die Ehe ging nach zehn Jahren in die Brüche. Die Ex-Partner hatten jahrelang keinen Kontakt - auch auf Wunsch der Schauspielerin. „Abgelegte Schuhe, die nicht mehr tragbar waren, muss man ja auch nicht wieder anziehen“, sagte von Friedl.

Nach der Scheidung zog sie mit der gemeinsamen Tochter nach Hamburg. Es folgte ein Engagement am Thalia Theater. 1976 spielte von Friedl die Heilige Johanna in dem gleichnamigen Stück von George Bernard Shaw - eine ihrer interessantesten Rollen, wie die Schauspielerin selbst sagte.

Auch wenn der große Durchbruch im internationalen Filmgeschäft ausblieb, empfand sich Loni von Friedl als „Glückskind“. So sagte sie selber rückblickend, es sei Glück, „dass ich immer zu den richtigen Zeitpunkten in meinem Leben wesentlichen Menschen wie Paula Wessely begegnet bin, die mir weitergeholfen haben“. Einer dieser ausschlaggebenden Menschen war ihre große Liebe, der Schauspieler Jürgen Schmidt.

Das Paar arbeitete oft Seite an Seite und war unter anderem in einer Folge der „Schwarzwaldklinik“ und der Serie „Waldhaus“ (1987) zu sehen. Als Schmidt 2004 an Leukämie starb, war das ein tiefer Einschnitt in von Friedls Leben. „Ich brauchte sehr, sehr viel Zeit, um das zu verarbeiten und sehr viel Kraft, um das überhaupt zu überleben“, so die Bühnenkünstlerin.

Nach sechsjähriger Rampenlicht-Pause trat von Friedl 2007 als Bette Davis in „Solo für Bette“ in Hamburg auf. Wieder auf der Bühne zu stehen, sei nach dem Schicksalsschlag gleichzeitig die Wiederkehr ins Leben gewesen, so von Friedl: „Das ist ein Lebenselixier. Ich kann alles hineinstecken in dieses Theaterstück. Meine Wut, meine Trauer, meinen Schmerz, alles, was ich in meinem Leben erlebt habe.“

2013 wirkte die Schauspielerin an ihrem bis dato letzten Film „Monsoon Baby“ mit. Für weitere Projekte - sie schrieb in den vergangenen Jahren an einer Filmidee - würden ihr die richtigen Connections und auch der Biss fehlen, erklärte von Friedl. Das macht aber nichts: „Alles zu seiner Zeit.“ Wesentlich ist für die Schauspielgröße, dass sie „gesund, fit zu Fuß und im Kopf“ ist sowie „meine innere Balance und Helligkeit erhalten kann“.

(S E R V I C E - www.von-friedl.de)

(B I L D A V I S O - Ein Bild von Loni von Friedl ist im AOM abrufbar.)


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