„Rock of Ages“: Dünne Musicalsuppe in Amstetten

Amstetten (APA) - Mit der österreichischen Erstaufführung des Jukebox-Musicals „Rock of Ages“ will der Musical Sommer Amstetten an die große...

Amstetten (APA) - Mit der österreichischen Erstaufführung des Jukebox-Musicals „Rock of Ages“ will der Musical Sommer Amstetten an die großen Erfolge der letzten 28 Jahre anschließen. Die Premiere am Mittwochabend wurde zwar bejubelt, doch scheint die Musicalsuppe diesmal doch sehr dünn geraten zu sein.

Ein „Abend musikalischer Exzesse und Dekadenz“ wurde vorweg angekündigt und der Gemeinplatz von „Sex, Drugs und Rock‘n‘Roll“ bemüht. Das ist zwar ein griffiges Klischee, bezeichnet aber eher das Lebensgefühl der Sixties und Seventies. Das Musical hingegen hat die 1980er-Jahre als zeitlichen Hintergrund - da war die Rockmusik längst auf dem Weg zur globalen Kommerzialisierung. Musikalisch spannend war Rock zu dieser Zeit nicht, gegen den funkigen Pop von Michael Jackson, Prince oder Falco hörten sich die Rock-Hadern der Achtziger schon damals ziemlich alt an. Aber zugegeben, das mag Geschmacksache sein.

Um mit den Positiva zu beginnen: Amstetten ist immer noch ein Garant für hohe Professionalität. Sasha Di Capri und die großartige Barbara Obermeier streben als lange verhindertes Traumpaar dem Happy End zu, Kaliber wie Ana Milva Gomes oder Cedric Lee Bradley sind in vergleichsweise kleinen Rollen zu sehen, Simon Stockinger brilliert als verklemmter, sich emanzipierender Sohn eines korrupten Schweizer Sanierers. Die Musiker rund um Christian Frank sind ausgezeichnet, auch wenn Gitarrist Rens Nieuwland leider nicht mehr mit von der Partie ist. Die Kostüme (Diego Andres Rojas Ortiz) sind gelungen, wenngleich auch eher im Siebziger-Style gehalten, das Bühnenbild von Sam Madwar ist düster wie in der Grottenbahn.

Womit die Manko-Zone erreicht wäre. Die Choreografie (Jerome Knols) ist gut, aber längst nicht so schmissig wie in den letzten Produktionen, auch sind offenbar weniger Tänzer im Einsatz. Die Akustik wirkt nicht immer ganz ausgewogen, es wird prinzipiell ziemlich laut. Wer sich einen Tinnitus anzüchten will, möge auf Gehörschutz getrost verzichten.

Bleibt die grundsätzliche Frage, was der hanebüchenen Geschichte eigentlich Erfolgspotenzial verleiht. Gegen diese matte Pseudo-Story ist jeder Groschenroman Weltliteratur. Und wie war das mit Sex and Drugs and Rock‘n‘Roll? Sex findet am Herrenklo oder in der Strip-Show statt, Drugs kommen abgesehen von Alkohol erst gar nicht vor, und der Rock‘n‘Roll - naja.

Die Protagonisten stellen zumeist proletoide Kotzbrocken mit Vokuhila-Outfit und charmelosem Macho-Gehabe dar. Man greift sich in den Schritt, kratzt sich am Hintern und findet das geil - Helden von vorgestern. Zum 30-Jahre-Jubiläum im nächsten Jahr darf es gerne wieder etwas Anspruchsvolleres werden.

(S E R V I C E - Musical Sommer Amstetten: Chris d‘Arienzo/Ethan Popp, „Rock of Ages“. Regie: Alex Balga, musikalische Leitung: Christian Frank, u.a. mit Sasha Di Capri, Alex Melcher, Barbara Obermeier, Mischa Mang, Simon Stockinger, Cedric Lee Bradley, Ana Milva Gomes. Weitere Vorstellungen bis 11. August. Tickets: Tel. 07472/601454, Information und Download von Pressefotos: www.musicalsommeramstetten.at)


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