Glyphosat-Ausstieg könnte Weizenernten mindern

Berlin/Wien (APA/AFP) - Weizenernten könnten nach dem geplanten Glyphosat-Ausstieg geringer ausfallen. Zu diesem Schluss kommt das deutsche,...

Berlin/Wien (APA/AFP) - Weizenernten könnten nach dem geplanten Glyphosat-Ausstieg geringer ausfallen. Zu diesem Schluss kommt das deutsche, bundeseigene Julius-Kühn-Institut auf Basis von Schätzungen, über die die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die „Neue Onsabrücker Zeitung“ am Donnerstag berichtete. Die Weizenernte würde ohne Glyphosat um rund 5 Prozent geringer ausfallen.

In Deutschland würde die Weizenernte ohne Glyphosat demnach um gut eine Million Tonnen geringer ausfallen. Dieser Wert ging aus einer Antwort der deutschen Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP hervor.

Berechnungen in einem Bericht des Interessenverbandes der europäischen Pflanzenschutzindustrie gingen gar von bis zu 22 Prozent weniger Weizen aus, zitierte die Zeitung aus der Regierungsantwort. Das wären in Deutschland fast 5,5 Millionen Tonnen weniger Weizenertrag.

Auf Landwirte kämen bei einem Glyphosat-Ausstieg gegebenenfalls Mehrkosten für alternative Unkrautbekämpfung zu. Das Institut spricht von bis zu 100 Euro je Hektar.

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„Diese Berechnungen zeigen, dass der Verzicht auf Glyphosat unter bestimmten Bedingungen ohne zusätzliche Kosten für den Betrieb möglich ist“, hieß es vom deutschen Landwirtschaftsministerium. Das Umweltministerium gehe davon aus, dass „bei einer angepassten nachhaltigen Bewirtschaftungsweise, die die biologische Vielfalt erhält, mittelfristig Kosteneinsparungen“ möglich seien.

Die deutsche Bundesregierung will den Glyphosat-Einsatz deutlich einschränken. Ziel ist der Komplettausstieg. Die FDP kritisierte die Ausstiegspläne.

Für Österreich hat die Bundesregierung noch vor ihrem offiziellen Antritt im Dezember ein Verbot von Glyphosat angekündigt. Beim Ausstieg will sich Österreich an EU-Ländern wie Frankreich oder Italien orientieren, die ebenfalls bereits angekündigt haben, die Nutzung von Glyphosat zu verbieten, sobald Alternativen gefunden sind. Das Unkrautvernichtungsmittel ist seit 2002 in der EU genehmigt und wird regelmäßig auf Risiken für Gesundheit und Umwelt untersucht. In Österreich erfolgt die Bewertung durch die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Erst im Vorjahr 2017 wurde die Zulassung für Glyphosat in der EU auf Vorschlag der EU-Kommission um fünf Jahre verlängert. „Zulassungen müssen in Europa den allerhöchsten Standards genügen und Pflanzenschutzmittel müssen verantwortungsvoll verwendet werden. Angstmache und billige Polemik sind da fehl am Platz“, sagte damals die nunmehrige Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), als sie noch EU-Abgeordnete war.


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