Deutsche Experten warnen for E-Bike-Unfallrisiko für Senioren

Berlin (APA) - Das weitgehend anstrengungslose Fahren mit dem E-Bike birgt eine erhebliche Unfallgefahr für Senioren in sich. Betagte Elektr...

Berlin (APA) - Das weitgehend anstrengungslose Fahren mit dem E-Bike birgt eine erhebliche Unfallgefahr für Senioren in sich. Betagte Elektroradler unterschätzten oft die Geschwindigkeit der motorisierten Fahrräder und seien deshalb häufiger in schwere Unfälle verwickelt. Aber auch scheinbar leichte Stürze können zu gefährlichen Kopfverletzungen führen, warnte jetzt Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN).

In Deutschland wurden vergangenes Jahr mehr als 700.000 E-Bikes verkauft - um rund 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit stieg auch die Zahl der Unfälle: Nach Angaben des deutschen Statistischen Bundesamtes sind 2017 bis September 55 Pedelec-Fahrer ums Leben gekommen, die meisten Opfer waren älter als 65 Jahre.

„Senioren bauen körperlich ab und rüsten technisch auf. Gerade ältere Menschen unterschätzen die 25 km/h, die ein Pedelec erreicht“, wurde Stefan Knecht, Chefarzt der Klinik für Neurologie, St. Mauritius Therapieklinik, Meerbusch und Pressesprecher der DGKN zitiert. „Und wer körperlich nicht mehr ganz fit ist, traut sich dank motorisierter Unterstützung eher schwierige und anstrengende Strecken zu - das kann zu Kontrollverlust und Stürzen führen.“

Kommt es zu einem Unfall, müssten auch bei einem leichten Sturz auf den Kopf eine Gehirnerschütterung und vor allem eine schwere Kopfverletzung wie ein Schädelbruch oder eine Hirnblutung ausgeschlossen werden. „Bewusstlosigkeit, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Sehstörungen sind klassische Symptome einer Gehirnerschütterung“, erklärte Knecht. „Aber auch wenn der Betroffene keine dieser Beschwerden feststellt, kann eine Hirnverletzung vorliegen.“ Knecht rät, im Zweifel immer einen Arzt aufzusuchen. „Der Arzt kann einschätzen, wie schwer eine Gehirnerschütterung ist und mit einer Bilduntersuchung wie einer Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) kann er eine schwere Gehirnverletzung ausschließen.“

Die Autoren einer amerikanischen Studie aus dem Jahr 2017 forderten sogar, bei Patienten über 65 Jahren nach einem Sturz auf den Kopf grundsätzlich ein CT-Scan durchzuführen - auch dann, wenn der Patient nicht das Bewusstsein verloren hat und stabil scheint. Grund dafür seien strukturelle Veränderungen im alternden Gehirn: Die Blutgefäße sind weniger elastisch und damit anfälliger für Verletzungen. Infolge der Alterung des Gehirns lassen sich Symptome ohne Bildgebung auch oft schlecht auf ihre Wertigkeit einschätzen. Gehirnblutungen werden auch durch die von Senioren oft benötigte medikamentöse „Blutverdünnung“ per Gerinnungshemmung begünstigt.


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