Ein sexy Image und weg mit Sektsteuer

Für Schlumberger-Chef Arno Lippert ist die Sektsteuer „Schwachsinn“. Diese soll bis spätestens April 2019 weg, auch mit einem Angebot an die Regierung.

© Markus Graser

Innsbruck –Mit Jahreswechsel hat Lippert bei Österreichs größtem Sekthersteller (neben Schlumberger noch die Sektmarken Hochriegl, Gold­eck sowie einige Spirituosenfirmen) die Führung vom Tiroler Eduard Kranebitter (wechselte in den Aufsichtsrat) übernommen. Der Deutsche war vor seinem Wechsel nach Wien in führenden Positionen bei Dr. Oetker, Henkell, Radeberger und dem Tabakriesen BAT tätig.

Lippert sieht große Aufgaben und Chancen für Schlumberger, das von der Underberg-Gruppe vor vier Jahren an die Sastre-Holding des deutsch-schwedischen Unternehmers Frederik Paulsen verkauft wurde. Dieser zimmere eine international führende Gruppe bei Wein, Sekt und Spirituosen, und Schlumberger könne hier eine tragende Rolle übernehmen, so Lippert bei einem Tirol-Besuch gegenüber der TT.

Mit Hochdruck läuft die laut den Plänen bis 2022 geplante Übersiedlung von Wien nach Müllendorf ins Burgenland, wo man ein 122.000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft hat. Von dort werde man nur eine halbe Stunde von Bratislava und der geplanten neuen Seidenstraße nach Russland und China entfernt sein. Für Österreich wolle man eine 24-Stunden-Zustellung einrichten. In Summe sollen 70 Mio. Euro investiert werden. „Das ist viel für ein Unternehmen, das im Jahr 182 Millionen umsetzt und 6 Millionen Gewinn macht“, so Lippert.

Insgesamt 40 Mio. Flaschen Schaumwein werden jährlich in Österreich getrunken, davon 24 Mio. Flaschen Sekt, fast 15 Mio. Flaschen Prosecco und Frizzante sowie 1,2 Mio. Flaschen Champagner. Seit Einführung der Sektsteuer vor einigen Jahren sei der Sekt-Verkauf um ein Viertel eingebrochen – zugunsten italienischer Schaumweine. Die Steuer bringe nur wenige Millionen, sei aber eine Import-Förderung zu Lasten der heimischen Erzeuger und Weinbauern. „Viel mehr ins eigene Knie zu schießen, geht schon fast nicht mehr.“ Nachdem unter Rot-Schwarz (Kanzler Faymann sprach von „Reichen-Sprudel“) die Zusatz-Steuer kam, solle sie unter Schwarz-Blau rasch wieder fallen, hofft Lippert auf ein Aus bis spätestens April 2019. ÖVP und FPÖ hätten die Abschaffung signalisiert. Die Sektbranche lockt mit einem Zuckerl: Sektsteuer (75 Cent) und die anfallende Mehrwertsteuer (15 Cent) machten 90 Cent aus, man werde dann den Konsumenten aber zusammen mit dem Handel eine Verbilligung um 1 Euro je Flasche offerieren.

Für Schlumberger ist Sekt die „Königsklasse unter den Weinen“, was von Konsumenten und auch der Gastronomie nicht immer so gelebt werde. „Hauptsache, es sprudelt“, ist Lippert viel zu wenig. Sekt solle auch in Konkurrenz zu Prosecco „hip und sexy“ werden. Es gehe um ein flotteres Image und gleichzeitig um Topangebote mit Jahrgangs-, Winzer-, Traubensorte- und Lageangabe auf den Flaschen. (va)


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