Schächten - In der Praxis nur Judentum betroffen

Wien (APA) - Die in Österreich erneut aufgeflammte Debatte über das Schächten von Tieren betrifft in der Praxis nur das Judentum. Schlachthö...

Wien (APA) - Die in Österreich erneut aufgeflammte Debatte über das Schächten von Tieren betrifft in der Praxis nur das Judentum. Schlachthöfe, die zertifiziertes Halal-Fleisch für Muslime herstellen, betäuben die Tiere vor dem Schlachten, erklärte die Geschäftsführerin der Bundesinnung Lebensmittelgewerbe in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Anka Lorencz, der APA. Wirtschaftsfaktor sei koscheres Fleisch keiner.

Die Aufregung um die geplante Richtlinien zum Schächten in Niederösterreich sieht die Branchenvertreterin gelassen: „Sachlich gesehen ist das kein Thema“, sagte Lorencz. Mehr Sachlichkeit wünsche sie sich auch in der politischen Debatte. Das Schächten bei Juden und die Herstellung von Halal-Fleisch für Muslime seien nämlich „zwei ganz verschiedene Sachen“. Letzteres benötige gar keine Ausnahmeregelungen laut Tierschutzgesetz.

Eine orthodoxe Auslegung der religiösen Gebote gibt es in der Praxis nur im Judentum. Dabei kommt das sogenannte post-cut Stunning zum Einsatz: Fast zeitgleich mit dem Setzen des Schnittes wird das Tier via Bolzenschuss betäubt. Dies muss in Österreich als Sonderschlachtung in Anwesenheit eines Amtstierarztes durchgeführt werden. Zum Einsatz kommt auch eine Schächttrommel, die vermutlich nur ein Betrieb in Niederösterreich besitzen dürfte.

Muslime betrifft die im Tierschutzgesetz vorgesehene Ausnahmeregelung für „rituelles Schlachten“ in der Praxis nicht. Sämtliche Betriebe würden Schlachtungen nach gängigen Regeln durchführen, bestätigte Günther Ahmed Rusznak, dessen Islamic Information Documentation and Certification GmbH (IIDC) größter Zertifizierer von Halal-Fleisch in Österreich ist. Fast einziger Unterschied: Ein Imam spricht während des Vorganges ein Dankgebet.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Was laut Rusznak bei den Schlachtungen für Halal-Fleisch wichtig ist: „Die Tiere dürfen nicht an der Betäubung sterben.“ Durchgeführt wird ein Schnitt entlang der Wirbelsäule, wodurch das Tier entblutet, was ebenfalls gängiger Praxis beim Schlachten entspricht. Worüber man laut WKÖ-Vertreterin Lorencz allerdings keine Kontrolle hat, sind etwaige illegale und privat durchgeführte Schlachtungen an hohen islamischen Feiertagen.


Kommentieren