Wiener Biotech-Pionier Hans Loibner nicht mehr Chef von Apeiron

Wien (APA) - Ein Fachmann, der die internationale Biotech-Szene wie wenige Andere kennt und in Österreich jahrzehntelang mitgeformt hat, hat...

Wien (APA) - Ein Fachmann, der die internationale Biotech-Szene wie wenige Andere kennt und in Österreich jahrzehntelang mitgeformt hat, hat seine Funktion als Vorstandsvorsitzender der Wiener Apeiron Biologics AG übergeben: Hans Loibner. „Ich bin nach rund 13 Jahren Aufbau und Führung, wie ich meine, einigermaßen erfolgreich, im Alter von fast 71 Jahren rausgegangen“, sagte er am Donnerstag gegenüber der APA.

Loibner war jahrzehntelang in der Pharma- und Biotechnologie-Industrie tätig. 1977 bis 1999 war er in führender Position auf diesem Gebiet bei Sandoz/Novartis aktiv. Dann führte er bis 2004 das Wiener Biotech-Unternehmen Igeneon. Ab September 2005 leitete er dann die mit dem Molekularbiologen Josef Penninger gegründete Apeiron Biologics AG.

Loibners Hauptinteresse galt immer der Krebs-Immuntherapie. Sein größter Erfolg war im Mai 2017 die Zulassung des von Apeiron entwickelten monoklonalen Antikörpers Dinutuxumab beta - für die Therapie von Patienten mit Neuroblastom-Erkrankung. „Das ist ein großer Erfolg für uns. Wir sind in der EU in den vergangenen zehn Jahren eines von einer Handvoll von kleinen Biotech-Unternehmen, die so etwas geschafft haben. Noch dazu handelt es sich um ein Projekt, das als Kooperation der akademischen Seite mit den Experten des St. Anna Kinderspitals in Wien mit uns als Biotech-Unternehmen entwickelt worden ist“, sagte Loibner.

Neuroblastomerkrankungen sind die dritthäufigste bösartige Tumorerkrankung bei Kindern. An Neuroblastomen erkrankte Kinder ohne Metastasen haben im Allgemeinen gute Heilungschancen (70 bis 90 Prozent). Sind bereits Metastasen vorhanden und tritt der Tumor sehr aggressiv auf, dann ist er wesentlich schwieriger zu behandeln, die langfristige Überlebenschance ist deutlich geringer (30 bis 50 Prozent). Die Entwicklung der neuen Therapieform geschah in einem internationalen Netzwerk inklusive der SIOPEN Neuroblastom-Studiengruppe und einer deutschen Gruppe an der Universitätsklinik Greifswald in Deutschland.

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Im Jahr 2011 erwarb Apeiron die kommerziellen Rechte an dem Projekt und brachte es bis zur Zulassung des Medikaments. „Bei einem Rückfall bei einer Neuroblastomerkrankung, welche auf eine medikamentöse Therapie sonst nicht anspricht, zeigten sich bei Verwendung von Dinutuximab im Vergleich zu Patientengruppen, die früher behandelt wurden (historischer Vergleich; Anm.) Ansprechraten von bis zu 50 Prozent und ein deutlich erhöhtes Gesamtüberleben der Patienten“, sagte Loibner.

In Zukunft wird der Experte Apeiron als Konsulent beraten. Sein Nachfolger als Chef des Unternehmens ist Peter Llewellyn-Davies, der seit Oktober vergangenen Jahres bereits im Vorstand tätig war. Der gebürtige Engländer mit britisch/deutscher Staatsbürgerschaft verfügt über eine mehr als 25-jährige internationale Erfahrung in Führungspositionen in der Wirtschaft, speziell in der Biotechnologie, zuletzt bei börsennotierten Krebs- und Immuntherapie-Unternehmen wie Medigene AG und Wilex AG (heute Heidelberg Pharma AG).

Apeiron hat mehrere Entwicklungsprojekte in seiner Pipeline. Dazu gehört eine zellbasierte Immuntherapie gegen bösartige Tumorerkrankungen, bei der in von Patienten gewonnenen Immunzellen das cbl-b-Gen „abgedreht“ und die Abwehrzellen dadurch aktiviert werden sollen. Eine Studie der Phase II zur Behandlung von Pankreaskarzinomen soll in nächster Zukunft starten.


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