Kärntner Seniorin wegen Messerattacke auf Ehemann vor Gericht

Klagenfurt (APA) - Eine 77 Jahre alte Kärntnerin ist am Donnerstag in Klagenfurt vor Gericht gestanden. Sie gab zu, im Jänner mehrmals mit K...

Klagenfurt (APA) - Eine 77 Jahre alte Kärntnerin ist am Donnerstag in Klagenfurt vor Gericht gestanden. Sie gab zu, im Jänner mehrmals mit Küchenmessern auf ihnen über 80 Jahre alten Ehemann eingestochen und ihn verletzt zu haben. Die Erläuterungen einen psychiatrischen Sachverständigen zu der wahnhaften Störung der Frau waren den Geschworenen allerdings nicht aussagekräftig genug. Es wurde vertagt.

„Ich wollte, dass wir beide aus dem Leben scheiden. Ich wollte ihn nicht allein zurücklassen“, sagte die 77-Jährige in ihrer Befragung am Landesgericht. Richterin Sabine Roßmann fragte die Betroffene, wer ihr das Recht gegeben habe, diese Entscheidung für ihren Mann zu treffen. „Niemand. Es war ein Fehler.“ Es geht bei der Frau um eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Ein zweiter Psychiater soll sich nun den Fall ansehen.

Wie Staatsanwältin Sandra Agnoli ausführte, müsste sich die 77-Jährige wegen Mordversuchs verantworten, wäre sie bei der Tat zurechnungsfähig gewesen. Sie hatte sich auf die Tat vorbereitet, schrieb etwa einen Abschiedsbrief, in dem sie angebliche Provokationen von Nachbarsfamilien für den Angriff auf ihren Mann verantwortlich machte. Als er sich ins Bett gelegt hatte, stach sie mit einem Küchenmesser mit 15-Zentimeter-Klinge auf ihn ein. Er wehrte sich heftig, Blutergüsse an den Unterarmen zeugten davon. Nachdem er ihr das erste Messer abgenommen hatte, bewaffnete sie sich in der Küche ein zweites Mal und ging abermals auf ihn los. Wieder wehrte er sie ab, erlitt aber mehrere Schnittverletzungen am Hals und im Herzbereich. Die Rettung rief sie erst am nächsten Abend.

Der Gerichtspsychiater beschreib die 77-Jährige als „einfache, fleißige Frau“, die ihren Selbstwert stets aus ihrer Arbeit bezogen hatte. In den Wochen und Monaten vor der Tat war ihr Mann wegen einer Operation gehbehindert, sie selbst meinte, dement zu werden. Dazu kam eine wahnhafte Vorstellung, von manchen Nachbarn verlacht und provoziert zu werden. „Sie ist zunehmend verzweifelt“, sagte der Psychiater, kam in einen depressiven Zustand, der in Richtung Suizid deutete. „Ihr war die strafbare Handlung nicht bewusst, sie war auch nicht in der Lage, das zu reflektieren.“ Auch ein Kopftumor, den man der Frau vor Jahren entfernt hatte, könnte eine Rolle gespielt haben. Zum Tatzeitpunkt sei die Frau nicht zurechnungsfähig gewesen, attestierte der Gutachter.

Wegen der Nachbarn wollte sie mit ihrem Mann in ein Pflegeheim ziehen, sagte die Kärntnerin. Ihr Mann wollte aber lieber im Haus bleiben. Da habe sie den Entschluss gefasst, zuerst ihn und dann sich selbst zu töten. Der Ehemann wurde aber durch Glück nur leicht verletzt, sagte ein Gerichtsmediziner aus.

Der Ehemann und die übrigen Angehörigen verweigerten eine Aussage vor Gericht. Den Geschworenen reichten die Beweisergebnisse am Ende der Verhandlung nicht aus und sie stellten den Antrag, einen weiteren Psychiater hinzuzuziehen. Das erste Gutachten sei „nicht vollständig nachvollziehbar“. Es geht darum, inwieweit die seit Jahrzehnten bestehende Wahnvorstellung der Frau, die Nachbarn würden sie provozieren, für die Tat ursächlich war oder nicht doch die Pflegesituation. Der Richtersenat unter Vorsitz von Christian Liebhauser-Karl gab dem Antrag statt und vertagte den Prozess.


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