Insider: Chinesischer Bieter kommt bei 50Hertz wohl nicht zum Zug

Frankfurt/Berlin (APA/Reuters) - Der Einstieg des chinesischen Staatskonzerns SGCC beim deutschen Netzbetreiber 50Hertz wird wohl auch im zw...

Frankfurt/Berlin (APA/Reuters) - Der Einstieg des chinesischen Staatskonzerns SGCC beim deutschen Netzbetreiber 50Hertz wird wohl auch im zweiten Versuch scheitern. Der zum Verkauf stehende Anteil von 20 Prozent könnte mit Hilfe der deutschen Staatsbank KfW erst einmal in deutsche Hände kommen, erfuhr Reuters am Donnerstag von mehreren Insidern.

„Der geht wohl an die KfW“, sagte einer von ihnen. Das deutsche Wirtschaftsministerium sprach von Spekulationen, an denen man sich nicht beteilige. 50Hertz betreibt rund 10.000 Kilometer Stromnetz im Norden und Osten Deutschlands, über das über 18 Millionen Menschen versorgt werden. Die Übertragungsleitungen sind von hoher Bedeutung für den Transport von Windkraft-Strom.

Um den Einstieg bei 50Hertz bemüht sich seit längerem der chinesische Konzern State Grid Corporation of China (SGCC). Hauptaktionär der deutschen Netzbetreibers ist die belgische Elia-Gruppe, die derzeit 80 Prozent hält. Elia hat bis in die letzten Juli-Tage ein Vorkaufsrecht auf die letzten 20 Prozent, die noch beim australischen Infrastrukturunternehmen IFM liegen. IFM hatte bereits vor wenigen Monaten einen Anteil von 20 Prozent an Elia verkauft. Auch den wollte SGCC kaufen. Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier sieht den Einstieg eines Investors aus einem Nicht-EU-Land in die als sensibel betrachtete Netzinfrastruktur in Deutschland skeptisch. Er hatte daher den Verkauf an Elia unterstützt.

SGCC hatte in der letzten Woche nach eigenen Angaben ein letztes Angebot von nicht ganz einer Milliarde Euro für die verbleibenden 20 Prozent an 50Hertz abgegeben. Andere private Bieter soll es in der letzten Verkaufsrunde nicht gegeben haben. Daher soll den Insidern zufolge nun die deutsche Staatsbank KfW auf Geheiß der Bundesregierung im Rahmen eines sogenannten Zuweisungsgeschäft bei dem Netzbetreiber einsteigen. Geschehen soll dies, indem Elia sein Vorkaufsrecht auf die 20 Prozent formell wahrnimmt und den Anteil dann an die KfW verkauft. Nach Angaben eines Insiders ist das Geschäft inzwischen praktisch in „trockenen Tüchern“.

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„Deutschland betrachtet 50Hertz als Teil seiner sensiblen Infrastruktur und hat die chinesische Seite gebeten, das zu verstehen“, erklärte einer der Insider. Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Altmaier hatten erst kürzlich bei den deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen betont, dass Deutschland im Grundsatz Investoren aus dem Ausland willkommen heiße. Allerdings beansprucht die Regierung das Recht, in Bereichen, die für die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Deutschland wichtig sind, Einspruch gegen die Beteiligung von Investoren aus Drittländern zu erheben und sie damit zu stoppen.

Im März dieses Jahres hatte der belgische Mehrheitsaktionär Elia für die erste Hälfte der IFM-Beteiligung an 50Hertz sein Vorkaufsrecht für einen Betrag von 976 Mio. Euro ausgeübt. Damit war schon damals der Einstieg der chinesischen Konzerns State Grid verhindert worden. Altmaier hatte aber vor wenigen Wochen auf einer Diskussionsveranstaltung erklärt, er wisse nicht, ob dies ein zweites Mal verhindert werden könne.

Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind, wiesen darauf hin, dass es der hochverschuldeten Elia an Finanzkraft fehle, um auch die restlichen 20 Prozent zu übernehmen. Wenn daher nun die KfW bei 50Hertz einsteige, dann nur, um diese Beteiligung später an einen anderen Investor weiterzugeben.

IFM und Elia hatten 50Hertz im Jahre 2010 für 810 Mio. Euro vom schwedischen Energiekonzern Vattenfall gekauft. Für den bisherigen australischen Großaktionär IFM Investors hat sich damit der Verkauf seiner zwei Aktienpakete von jeweils 20 Prozent finanziell mehr als gelohnt. 50Hertz hatte 2016 einen Umsatz von knapp 1,3 Mrd. Euro bei einem Konzerngewinn von 128 Mio. Euro erzielt.

~ WEB https://www.kfw.de/kfw.de.html ~ APA368 2018-07-19/15:34


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