ImPulsTanz - „Dance Clinic“: Eine Fehldiagnose, die langweilt

Wien (APA) - Das wünscht sich niemand: Man geht zum Arzt, und nach einer langwierigen, ermüdenden sowie alles andere als erhellenden Behandl...

Wien (APA) - Das wünscht sich niemand: Man geht zum Arzt, und nach einer langwierigen, ermüdenden sowie alles andere als erhellenden Behandlung ist man schlussendlich genauso schlau (oder krank) wie zuvor. Wer das ohne Gesundheitsrisiko durchspielen will, dem sei Choy Ka Fais „Dance Clinic“ im Rahmen des ImPulsTanz im Wiener Odeon ans Herz gelegt. Eine Fehldiagnose auf ganzer Linie, die einfach langweilt.

Wobei das Grundsetting des aus Singapur stammenden und seit einiger Zeit in Berlin ansässigen Choreografen ja durchaus Charme hat: Als „Doctor Choy“ begrüßt er weiß gewandet und mit Headset ausgestattet das Publikum, stets ein feines Lächeln auf den Lippen, freundlich und aufmerksam. Mit kunterbunten Grafiken und Visuals wird dann erläutert, wie Tanz und Technologie einander befeuern können. „Stellen Sie sich so eine Zukunft vor.“ Spätestens jetzt fühlt man sich in einem Verkaufsgespräch gefangen.

Und als solches sind die folgenden gut eineinhalb Stunden wohl konzipiert - beziehungsweise als missglückte Persiflage darauf. In unnötiger Detailliertheit wird die künstliche Intelligenz „Ember Jello“ vorgestellt, die Choreografen bei ihren Problemen helfen soll. Gemessen werden dabei die Gehirnwellen, unterteilt in Zonen wie „Aktivität“, „Erinnerung/Gedächtnisleistung“ oder „Entspannung“. Schon folgt eine kleine Demonstration, darf Jereh Leung als Patient vor der riesigen Leinwand zu seinen eigenen Messdaten herumhopsen.

Die dadurch mögliche Interaktion und vor allem der sich einstellende Witz, absurde Anweisungen und Hilfestellungen zu erhalten, werden in der „Dance Clinic“ allerdings nur marginal ausformuliert. Vielmehr ist durch einen ständig im Hintergrund summenden Fahrstuhlsound bald Schläfrigkeit der einzige Aktivposten im unter den schwülen Bedingungen im Odeon leidenden Publikum. Kurze Abhilfe verschafft Florentina Holzinger als Patientin Z, bringt der österreichische Shootingstar doch reichlich trockenen Ausdruck mit, als sie über die Grenzen von Kunst und Pornografie in ihrer Arbeit lamentiert.

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Natürlich ist das Satire, natürlich wird hier überspitzt, zugeschnitten, abgekürzt und vieles ins Gegenteil verdreht. Eine kurze Sequenz aus Holzingers „Schönheitsabend“ bringt immerhin Abwechslung in den großteils tanzfreien Abend. Auch Darlane Litaay als „final case study“ darf sich glücklicherweise in Bewegung versetzen. Einzig: Seine Darbietung bleibt wie der Rest maximal bemüht, während die immer wieder die Leinwand einnehmenden Animationen, eine Kartografie zu moderndem Tanz oder Transformationen unterschiedlicher Stile schon wenige Sekunde nach dem Erscheinen wieder aus dem Gedächtnis entschwinden.

Statt der pseudowissenschaftlichen Ermattung könnten sich Besucher aber auch die ebenfalls im Odeon zu sehende Ausstellung „The Wind that Cuts the Body“ von Choy zu Gemüte führen. In einem Raum sind dafür ein halbes Dutzend Bildschirme aufgestellt worden, auf denen (sowie einer großen Leinwand) Aufnahmen zu sehen sind, die sich um den Butoh-Meister Hijikata Tatsumi drehen. Choy begab sich auf die Spuren des exzentrischen Künstlers, führte Interviews und nahm durch eine Schamanin Kontakt zu ihm auf. Esoterisch, klar, aber immerhin unterhaltsamer als ein Klinikaufenthalt.

(S E R V I C E - Choy Ka Fai: „Dance Clinic“, mit Choy Ka Fai, Jereh Leung, Florentina Holzinger und Darlane Litaay. Odeon, Taborstraße 10, 1020 Wien. Weitere Aufführung am 21. Juli um 21 Uhr. Ausstellung „The Wind that Cuts the Body“, bis inklusive 12. August zu den Vorstellungen im Odeon geöffnet. Weitere Infos und Tickets unter www.impulstanz.com)

(Pressebilder zu Performance sowie Ausstellung stehen unter www.impulstanz.com/presspictures zum Download bereit.)


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