Allianz Österreich will mit Verschlankung und Kostenbremse zu Top 3

Wien (APA) - Die Allianz Österreich will mit einer neuen Mittelfrist-Strategie klar auf profitables Wachstum setzen, die Gruppe verschlanken...

Wien (APA) - Die Allianz Österreich will mit einer neuen Mittelfrist-Strategie klar auf profitables Wachstum setzen, die Gruppe verschlanken sowie bei Sach- und Personalkosten sparen - unter Ausnutzung der natürlichen Fluktuation. Die Marktanteile sollen „ganz klar zweistellig werden“, sagte CEO Rémi Vrignaud im APA-Interview. Wachsen wolle man organisch, aber auch durch Zukäufe.

Am Weg in Richtung Top 3 der Branche wolle man mit den Hausaufgaben beginnen. Dazu zähle es, die Produkte, aber auch die Strukturen und Abläufe einfacher zu machen. Der Kunde wolle einfach, klar und schnell bedient werden. Im Vertrieb wolle man von den jetzigen 9 Landesdirektionen auf 5 Regionaldirektionen umstellen. Im Vertrieb stütze man sich auf aktuell circa 200 Agenturen und 90 Kundencenter.

Auf neue Bedürfnisse der Kunden stelle man sich ein. Den Weg der Kontaktnahme sollten diese selbst wählen, aber schneller zu einem Angebot kommen, egal ob über Internet, Berater, Vermittler, Makler oder via Direktabschluss. Es werde immer mehr Hybrid-Kunden geben, die mehrere Wege nutzen. Das Online-Kundenportal entwickle sich gut, über die Hälfte der Kunden mit ambulantem Heiltarif würden ihre Allianz-Gesundheits-App auch verwenden. Um die Zufriedenheit zu kennen, wolle die Allianz alle Leistungen durch die Kunden einem 5-Sterne-Rating unterziehen lassen. Die bisherige Kommunikation in Papier mit den Versicherungsnehmern solle primär elektronisch erfolgen, außer es sei ausdrücklich etwas anderes vereinbart; die jetzigen gesetzlichen Regelungen sollten entsprechend „umgedreht“ werden, der Konsumentenschutz aber nicht zu kurz kommen.

Die Personalkosten will Vrignaud „sehr sanft“ reduzieren und dabei sehr stark die natürliche Fluktuation nutzen, die er mit 6 bis 8 Prozent pro Jahr bezifferte. Auf der Agenda der nächsten Jahre stehe eine Verbesserung der Profitabilität, zugleich wolle man aber auch wachsen. Organisch wolle man durch ein Schließen weißer Flecken zulegen und etwa den in städtischen Räumen halb so hohen Marktanteil steigern. In Wien sei man hier auf einem guten Weg, um stärkere Akzente zu setzen - etwa im Sachgeschäft bei Privat- und Gewerbekunden. Für die Zielgruppe der Kleinbetriebe, das „Mikrogewerbe“, wolle die Allianz im ersten Quartal 2019 „ein sehr innovatives Produkt“ lancieren, kündigte der Generaldirektor an: „Davon verspreche ich mir sehr viel.“ Österreich sei hier der Pilot für die gesamte Gruppe.

Für anorganisches Wachstum - also Zukäufe - sehe man sich externe Bestände und Portfolios an, etwa auch von Maklern oder Agenturen. „Ab dem Jahr 2020 könnte es in größere Akquisitionen gehen“, sagte Vrignaud. Entscheidend sei dabei eher die Integrationsfähigkeit als der Kaufpreis. Auch mögliche Kooperationen sehe man sich an, etwa mit Banken oder Retailern: „Wir sind interessiert und suchen jede Form der sinnvollen Kooperation mit Banken, Finanzdienstleistern, Retailern.“ Das wolle man aber nur nach entsprechender Vorbereitung fixieren.

Namen möglicher Bankpartner wollte Vrignaud nicht sagen. In der Region der Zehn arbeitet die Allianz außerhalb Österreichs mit der UniCredit zusammen, hierzulande hat die BAWAG zwar mit der Post die Partnerschaft gekündigt, kooperiert aber über die BAWAG P.S.K. Versicherung mit der Generali. Da sich die Assekuranz-Mitbewerber ändern, müsse man sich Entwicklungen wie FinTechs und InsurTechs öffnen, verwies Vrignaud etwa auf die Direktbank N26 des Allianz-Konzerns oder Assekuranzaktivitäten von Amazon. Die deutsche Ergo-Digitaltochter Nexible werde ab Herbst auch in Österreich aktiv sein. „Auf dieser gesamten Klaviatur muss man mitspielen.“

„Für unsere geplanten Zukunftsinvestments müssen wir den konventionellen Boden der Versicherungsindustrie verlassen“, meinte Vrignaud. Denn das Umfeld sei durch die Niedrigzinsen „weiterhin herausfordernd“. Aus diesem Grund investiert der Allianz-Konzern seit einiger Zeit verstärkt in Infrastruktur, etwa Gaspipelines, Stromleitungen oder Straßenprojekte. Mit den Margen in der Sparte Leben sei er zufrieden, sagte Vrignaud, „wir können hier über lange Zeit - mehrere Jahrzehnte - unseren Verpflichtungen nachkommen“. Weil die hochrentierlichen Veranlagungen nach und nach abreifen, gehe man verstärkt in Alternative Investments.

Bei den Kunden wolle die Allianz weiter sehr stark biometrische Risiken absichern und die „Fixkosten Plus“ forcieren; dieses Produkt bietet über die allgemeine Gesamtverzinsung von 2,25 Prozent hinaus noch einen zusätzlichen Renditevorteil von circa 0,3 Prozentpunkten. Die Betriebliche Altersvorsorge (BAV) laufe sehr gut. Die Fondspolizzen wolle die Allianz „attraktivieren“, man diskutiere hier über kurz- und längerfristige Akzente. Die Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge (PZV) mit dem derzeitigen Veranlagungs-Korsett eines hohen Mindestanteils an Aktien sollte für Investments etwa in Real Estate oder Infrastruktur geöffnet werden. Mit dem neuen Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP), der davor in der Assekuranz tätig war, sei die Branche „mit sinnvollen Vorschlägen im Austausch und im Dialog“.

2017 ist die Allianz Elementar um 3,6 Prozent auf 1,044 Mrd. Euro verrechnete Bruttoprämien angewachsen. Die abgrenzte Prämie im Eigenbehalt legte auf 767,4 Mio. Euro zu, die Schadenquote sank auf 67 Prozent. Bei der Combined Ratio - Kosten und Schäden gemessen an den Einnahmen - liege man zur Zeit um die 92 Prozent, sagte Vrignaud, „wir sind in der richtigen Richtung unterwegs“. Zulegen konnte man 2017 in der Kfz-Haftpflicht, der sonstigen Auto, der Unfall- und der Krankenversicherung. Die Buchwerte der Kapitalanlagen sanken leicht auf 2,045 Mrd., der Zeitwert betrug 2,434 Mrd. Euro; die stillen Reserven betrug 389 Mio. bzw. 19 Prozent der Buchwerte. Die Kapitalverzinsung sank auf 2,0 (3,4) Prozent. Für 2017 wurden an Dividende 85 Mio. Euro ausgeschüttet, nach 55 Mio. fürs Jahr davor.

Bei der Allianz Leben stiegen die Nettoprämien 2017 leicht auf 390,9 Mio. Euro. Die LV-Vertragszahl im Bestand sank um 1,5 Prozent (bei Fondspolizzen um vier, bei Indexpolizzen um 20 und bei der PZV um 7 Prozent). In der klassischen LV wuchs der Vertragsbestand um 0,2 Prozent und auch die Versicherungssumme (+1,6 Prozent). Die Kapitalanlagen zum Zeitwert blieben bei 5,806 Mrd. Euro, der Buchwert der Kapitalanlagen stieg auf 5,074 Mrd. Euro. Die stillen Reserven erreichten 731,3 Mio. Euro bzw. 14,4 Prozent der Kapitalanlagen-Buchwerte.

~ WEB http://www.allianz.at ~ APA092 2018-07-20/09:30


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