Die gesamte Geschichte Kitzbühels zieht um

Das fast 750 Jahre umfassende Stadtarchiv übersiedelt bis nächste Woche vom alten Stadtspital in das ehemalige Gesundheitsamt.

© Obermoser

Von Harald Angerer

Kitzbühel –Die Geschichte Kitzbühels in den Händen – das hat üblicherweise nur Wido Sieberer. Er ist der Leiter des Kitzbüheler Stadtarchivs. Derzeit geht das Archiv allerdings auf Reise und da braucht Sieberer Hilfe. Mit sechs Helfern übersiedelt er das Archiv vom alten Stadtspital in das ehemalige Gesundheitsamt. Dieses wurde wegen der Übersiedlung der Bezirkshauptmannschaft frei und im ehemaligen Archiv gab’s Probleme mit der Statik.

Seit den 1970er-Jahren ist das Stadtarchiv im alten Stadtspital untergebracht. „Eigentlich war es eine provisorische Lösung, aber die halten bei uns meist länger“, sagt Sieberer. Doch nun musste man handeln. „Die Räumlichkeiten waren nicht für ein Archiv ausgerichtet und so gab es immer mehr Probleme mit der Statik“, schildert der Stadtarchivar. Im Herbst stürzte dann sogar ein Regal um.

Das Archiv der Stadt ist besonders umfangreich. Seit der Stadterhebung vor knapp 750 Jahren sind alle wesentlichen Urkunden und vieles mehr erhalten. Auch ehemalige Urkunden, Akten und Handschriften des Landesgerichts Kitzbühel aus dem Lamberg-Archiv sind dort gelagert. Als den größten Schatz bezeichnet Sieberer aber die Stadterhebungsurkunde, die noch im Original erhalten ist. „Wir hatten in Kitzbühel das Glück, dass dem Archiv nie etwas passiert ist. Deshalb ist die Sammlung sehr vollständig“, freut sich Sieberer. Für ihn ist auch eine Urkunde aus 1297 eine ganz besondere. In der überträgt Bayernkönig Ludwig der Stadt Kitzbühel den Schattberg. Ein wichtiger Grundstein, wie Sieberer betont, auf dem wohl auch das Skigebiet Kitzbühel begründet ist. Das Material summiert sich derzeit auf etwa 360 Laufmeter in Regalen, dazu kommen zehn Plan- und Karteischränke. Hinzu kommt noch die Bibliothek mit weiteren 150 Laufmetern.

„Es gibt bei uns aber keine Schätze in dem Sinn. Aber es ist ein unglaublicher, immaterieller Wert, der in unserem Stadtarchiv schlummert“, betont Sieberer. Es gebe wohl keinen Kitzbüheler in der Geschichte, der nicht in irgendeiner Form im Archiv zu finden ist.

Die Fläche, auf der das Archiv nun untergebracht ist, bleibt nach der Übersiedlung zwar gleich groß. Sie ließe sich aber viel effektiver nützen. „Damit kommen wir sicher die nächsten 30 Jahre aus“, blickt er in die Zukunft. Die für ihn als Archivar eine schwierige wird. Die Digitalisierung ist eine große Herausforderung. Schon seit Jahren werden auch digitale Daten archiviert und der Trend wird immer größer. Bestimmte, für Kitzbühel relevante Zeugnisse wie Fotos, Zeitungen oder Zeitungsartikel werden teilweise nur noch digital aufbewahrt. Vor allem sei es schwierig, die Daten auch für nächste Generationen zu erhalten – vor allem, dass sie nach wie vor lesbar bleiben.


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