Vorsichtige Annäherung am Reuttener Schlosskopf

Der höchste Teil Ehrenbergs bleibt für Besucher weiter geschlossen. Die Verantwortlichen des Burgenvereins scheinen nun doch bereit, eine Abgeltung an die Grundbesitzerin zu leisten. Die Verhandlungen laufen wieder.

© Helmut Mittermayr

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Die Zugänge sind weiterhin vernagelt, die Akteure sind es nicht mehr. In die festgefahrene Situation am Reuttener Schlosskopf ist Bewegung gekommen. Wohl weil der Burgenverein seinen prinzipiellen Standpunkt aufgegeben hat, keine wie immer geartete Abgeltung an die Grundbesitzerin für die Benutzung von mehr als einem Hektar bezahlen zu wollen. Elisabeth Kustatscher hatte, nachdem sie und vormals ihr Vater die Flächen 20 Jahre lang gratis zur Verfügung gestellt hatten, nun eine Abgeltung von 1000 Euro im Monat verlangt. Das hatte der Burgenverein in Verhandlungen, die sich seit drei Jahren zogen, bisher rundweg abgelehnt. Kustatscher gehören sowohl die Fläche als auch die historischen Gemäuer. Im Juni, nach einem scharfen Anwaltsbrief der Burgenvereinsseite, verschlossen sie und ihr Mann Peter Nessler die Zugänge zum Schlosskopf. Damit ist derzeit die Benützung von mehr als einem Drittel des Ehrenberg-Ensembles verwehrt.

Auf Burgenvereinsseite, die Gemeinde Reutte und TVB widerspiegeln, wurde intensiv diskutiert. Soll das Areal (im Zorn) aufgegeben oder doch gezahlt werden? Die Bandbreite reicht von „sich nicht erpressen lassen wollen“, was potente Mitglieder weiterhin massiv vertreten, bis „die Zeiten haben sich geändert“.

Ein Handschlag zwischen den beiden Verstorbenen Bürgermeister Helmut Wiesenegg und Leo Kustatscher hatte einst gereicht, um die Gratisbenutzung des Areals zu ermöglichen. Seither sind 700.000 Euro Steuergeld von Gemeinde, Land, Bund und EU in die Adaptierung des Schlosskopfs geflossen – ohne dass ein verbindlicher Vertrag vorliegen würde.

Burgenvereinsobmann Dietmar Koler, ehemaliger Vizebürgermeister der Marktgemeinde Reutte, bestätigt, dass die Verhandlungen wieder aufgenommen wurden. Es sei ein zartes Pflänzchen, das er nicht gefährden möchte, indem er über Details spricht. Auf Nachhaken der

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räumt Koler aber einen Paradigmenwechsel ein: „Ja, eine Form der Abgeltung wird es geben.“ Dies wurde auch schon an die „Gegenseite“ klar kommuniziert, wie Rechtsanwalt Christian Pichler, der Kustatscher vertritt, bestätigt. Pichler konnte seine Mandantschaft bewegen, die Gespräche wieder aufzunehmen.

Nun geht es um die Details des Vertrages. Und hier ist noch längst nicht alles in trockenen Tüchern. So sagt auch Elisabeth Kustatscher vice versa, dass sie es mit einem „schwierigen“ Gegenüber zu tun habe und sie nicht garantieren könne, dass man sich schlussendlich findet. Ihr Wille sei aber prinzipiell vorhanden. Kustatscher: „Aber immer noch versucht der Burgenverein, uns über den Tisch zu ziehen.“ So nennt sie ein Detail des gerade vom Burgenverein übermittelten neuen Vertragsentwurfes, um dies zu veranschaulichen: „Wir sollen den Schlosskopf auf 30 Jahre zur Verfügung stellen, was ja für alle Sinn macht, glaube ich. Die Gegenseite will hingegen eine nur für sie allein geltende Klausel, um halbjährlich aus dem Vertrag aussteigen zu können. So tut man nicht. Das ist völlig inakzeptabel.“ Auch der Vorschlag, die Pacht in Sicherungsmaßnahmen gegenzuverrechnen, wird als absurd abgetan. Interesse an jährlich Tausenden Besuchern der Anlage habe schließlich nur der Verein, nicht der Grundbesitzer. Weitere „Gespräche“ zwischen den Anwälten Christian Pichler und Vize-BM Michael Steskal, der Marktgemeinde und Burgenverein vertritt, sind also gesichert.

Dietmar Koler legt Wert auf die Feststellung, dass der Burgenverein keinerlei Gewinne macht und der Überling in die Erhaltung und Weiterentwicklung Ehrenbergs gesteckt wird. Auch die Ehrenamtlichkeit der Vereinsmitglieder ist ihm wichtig: „Die Vorstände und ich bekommen keinen Cent für unsere Tätigkeiten.“ Das ganze Ehrenberg-Ensemble habe sich in 20 Jahren unglaublich gut entwickelt, und nun wollen auch andere an diesem Erfolg teilhaben. Das müsse man zur Kenntnis nehmen und akzeptieren (lernen). Die Anlage würde in zehn Jahren jedenfalls verfallen, wenn man nichts mehr tue, ist sich Koler sicher. Die aktuellen Frostschäden an der Außenmauer – der „offizielle“ Anlass der Sperre wegen Steinschlaggefahr – seien beredtes Beispiel dafür. „Ich könnte es nicht verantworten, den Schlosskopf aufzugeben“, will Koler innerhalb des Vereins und mit der Grundbesitzerin um Konsens werben.


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