Bald Gentechnik in heimischen Supermärkten?

„Neue Gentechnik“ sehen Kritiker in neuen Verfahren, die das Erbgut von Pflanzen verändern. Das EU-Gericht entscheidet nun über die Zulassung.

© Getty Images/iStockphoto

Luxemburg –Der Europäische Gerichtshof (EuGH) wird nächste Woche, am 25. Juli, entscheiden, wo Gentechnik anfängt bzw. ab wann die Veränderung des Erbgutes bei Pflanzen Gentechnik ist. Neueste Methoden beim Mutagenese-Verfahren sollen Pflanzen resistenter gegen Unkrautvernichter machen. Kritiker sehen in der gezielten Mutation des Erbguts von Pflanzen die „Neue Gentechnik“. Der Generalanwalt, dessen Einschätzungen die EuGH-Richter in zwei von drei Fällen folgen, erklärte, dass die GVO-Richtlinie in dem Fall nicht gilt.

Würde der EuGH kommende Woche in diese Richtung entscheiden, dann wären derart erzeugte Lebensmittel ohne spezielle Prüfung und Kennzeichnung im Supermarkt zu finden, da sie rechtlich keine gentechnisch veränderten Organismen (GVO) wären. Dagegen haben sich Anfang Juni mehr als 30 NGOs, Lebensmittelhandel und Hersteller aus Österreich und Deutschland ausgesprochen. Besonders für Österreich ist die Entscheidung von großer Bedeutung. Hierzulande ist der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verboten. Auch in den heimischen Supermärkten finden sich keine als gentechnisch verändert gekennzeichneten Lebensmittel.

Im Sinne des Vorsorgeprinzips sollten die Resultate dieser „Neuen Gentechnik“ vor ihrer Zulassung für Anbau oder Verwendung einer fundierten Risikobewertung unterzogen werden, warnen die NGOs die EU-Kommission vor einer voreiligen Zulassung.

Unter der Mutagenese versteht man die Veränderung des Erbguts eines Lebewesens durch Mutation desselben, die durch neuere Verfahren wie Gen-Schere CRISPR-Cas9 auch mehr oder weniger ohne Fremd-DNA gezielt erfolgen kann. Zugleich gibt es aber auch Mutagenese-Verfahren wie etwa die EMS-Mutagenese mittels einer Chemikalie, die von Bio-Lobbyisten akzeptiert werden.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Der Generalanwalt sieht im aktuellen Fall ebenfalls „offenbar eher begrenzte Erkenntnisse zu konkreten Risiken für die Gesundheit oder die Umwelt“. Die Prüfung obliege den zuständigen EU-Organen.

Im in Österreich zuständigen Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus scheint man mit der Frage, ob Mutagenese Gentechnik ist oder nicht, ebenfalls überfragt zu sein. „Wir warten das EuGH-Ergebnis ab“, heißt es aus dem Ministerium auf TT-Anfrage. Es sei „schwer zu sagen“. Man müsse sehen, ob die Materie auf die EU- oder die nationale Ebene verwiesen werde. In Österreich sei die Materie im „Gentechnikgesetz klar geregelt“. (APA, ecke)


Kommentieren


Schlagworte