Schwarzbau in Gnadenwald wird nachträglich saniert

Aus Schwarz wird Weiß: Mit einer Bodenaushubdeponie werden 10.000 Kubikmeter zu viel Schotter und missachtete Schutzmaßnahmen planiert.

© Hehenwarter

Von Peter Nindler

Gnadenwald –Es ist eine Geschichte, bei der sich die Bürger nur noch kopfschüttelnd anschauen können. Andererseits: Dass jetzt ein „wasserrechtlicher Schwarzbau“ mit einer nachträglichen Genehmigung für eine Bodenaushubdeponie in Gnadenwald saniert wird, ohne dass es zu weiteren Belastungen durch den Abtransport von 10.000 Kubikmeter Schotter kommt, ist nachvollziehbar. Denn seit Jahren kämpfen betroffene Anrainer gegen die unsachgemäße „Kultivierung der Speckhöfe“ in Gnadenwald.

Drei Hektar Wald wurden gerodet, schließlich errichteten Ex-Bürgermeister Günter Strasser und der Unternehmer Eduard Fröschl, dem ein kleiner Teil der Fläche gehört, 2014 eine Futterwiese. Die Projektwerber hatten behördlich vorgeschriebene Maßnahmen für den Hochwasserschutz jedoch missachtet und 10.000 Kubikmeter Schotter zu viel aufgetragen. Angrenzende Häuser kämpfen seither mit dem Eindringen von Oberflächenwasser.

Nach einer Ministerweisung im Mai 2018 (!) mussten die Behörden rasch handeln. Schließlich wurde umgehende die bescheidmäßige Wiederherstellung gefordert. Um zusätzliche Beeinträchtigungen zu vermeiden, wurde jedoch gleichzeitig der im Vorjahr eingebrachte Antrag eines Schotterunternehmers zur Sanierung mit einer Bodenaushubdeponie vorangetrieben. Am 12. Juli 2018 genehmigte schlussendlich die Umweltabteilung im Land Tirol die Aushubdeponie. De facto darf kein neuer Schotter aufgetragen, sondern die vorgeschriebenen Auflagen (Wasserschutz) müssen endlich realisiert werden.

Für den Gnadenwalder Gemeinderat Robert Hehenwarter ist die Sache rechtlich noch nicht ausgestanden: „Wie ist eine nachträgliche Rodungsbewilligung für die Aushubdeponie möglich?“ In einem Schreiben wandte er sich u. a. an Umweltministerin Elisabeth Köstinger (VP) sowie an die Volksanwaltschaft. Gleichzeitig wirft Hehenwarter die Frage auf, ob nicht die „Kultivierung“ des Waldes zu einer Mähwiese nicht von Anfang an eine wasserrechtliche Genehmigung benötigt hätte. Er setzt seine Hoffnungen jetzt in die Volksanwaltschaft und in die Verwaltungsgerichte.

Darüber hinaus sollen die Gnadenwalder noch mit einer zweiten Bodenaushubdeponie auf einer landwirtschaftlichen Fläche im Ausmaß von 55.000 Kubikmetern „beglückt“ werden. Derzeit prüft die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck ein von der Gemeinde gefordertes 12-Tonnen-Limit, zwischenzeitlich ruht das abfallwirtschaftliche Verfahren. Robert Hehenwarter: „Die Verkehrssituation auf der letzten Strecke zur geplanten Deponie ist katastrophal und die viel zu schmale bzw. völlig kaputte Straße keinesfalls für 10.000 Lkw-Fuhren geeignet.“


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