Salzburger Festspiele: Castellucci inszeniert eine intime „Salome“

Salzburg (APA) - Die Arkaden der Felsenreitschule sind verschlossen, wenn „Salome“ in der Inszenierung von Romeo Castellucci auf einem Messi...

Salzburg (APA) - Die Arkaden der Felsenreitschule sind verschlossen, wenn „Salome“ in der Inszenierung von Romeo Castellucci auf einem Messingboden tanzt. Stein, Luft und Kälte sollen den Eindruck verstärken, dass die Titelfigur in der Oper von Richard Strauss, die am 28. Juli bei den Salzburger Festspielen Premiere hat, erdrückt wird. „Es ist ein intimes Stück“, sagte Castellucci am Freitag zu Journalisten.

Der oftmals als „Magier der Bilder“ bezeichnete italienische Regisseur gewährte am Freitag in Salzburg einen verbalen Einblick in das Stück, auch wenn er nicht alles verraten hat. Jeder könne sich in der Figur der Salome widerspiegeln und mit ihr „in den Abgrund des Begehrens stürzen“. Die erotische Komponente und politische Macht komme zwar vor, es liege ihm aber nicht daran, zu provozieren, Gesellschaftskritik zu üben oder einem politischen Klischee zu verfallen, erläuterte der Theatermacher. Durch das Verbergen und Nicht-Ausgesprochene beleuchtet er die mystische Seite dieser Rolle, das Verborgene wird auch ein Schlüsselelement in dieser Oper.

Der Tanz der Salome ist für Castellucci „ein wichtiger und grundlegender Moment“. Hier habe Salome die Gelegenheit, mehr Macht auszuüben als Herodes. Der Tanz könne aber auch zur Falle werden. Castellucci thematisiert eine „innere Aufruhr, einen inneren Sturm“, und einen gewissen Grad an Beleidigung und Verletzung, der im Körper der Salome passiert. „Je komplexer die Figur ist, desto mehr geht sie in die Geschichte der Ikonografie ein. Sie läuft dem Tod entgegen, das geht über das Lustprinzip hinaus.“

Salome werde zu einem Stein, zu einem „undurchdringlichen Edelstein“. Das Motto dazu stehe ja in Salzburg über dem altstadtseitigen Portal des Neutors am Mönchsberg: „Te saxa loquuntur - Von Dir sprechen die Steine“ verwies Castellucci auf die in Stein gemeißelte Schrift über der Tunnel-Einfahrt. Die auf ihre Ursprünglichkeit reduzierte Felsenreitschule am Fuße des Mönchsberg soll auch die Brutalität in dem Stück widerspiegeln. Es gehe um die Härte des Steines, des Minerals, verdeutlichte der Regisseur.

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Das Publikum könne sehr wohl sehen, wie der Kopf vom Körper des Jochanaan, des Johannes des Täufers, abgeschlagen wird. „Ich wollte Salome ohne Blut machen“, so Castellucci. „Das Blut wird am Anfang, vor der eigentlichen Handlung, weggewaschen. Ursache und Wirkung sind umgekehrt.“

Als „Magier der Bilder“ will er eigentlich nicht bezeichnet werden. „Für mich sind die Ideen und Gedanken wichtiger als die Bilder. Bilder sind für mich ein Mittel, um Ideen erreichen zu können.“ Die Idee entstehe durch genaues Zuhören, die Musik sei der Fluss, der alles transportiert. „Wichtig für mich ist obsessives Zuhören, das tief unter die Haut dringt, da entstehen Ideen und Gedanken.“

Die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Franz Welser-Möst laufe hervorragend. „Es ist eine tiefgründige Arbeit, die wir alle mit Engagement verrichten. Schon beim ersten Gespräch in einem Wiener Kaffeehaus waren wir uns in vielen Punkten einig.“ In Salzburg sei es für ihn möglich, sich forschend dem Ganzen zu nähern, sagte Castellucci. Dass er heuer sein Debüt bei den Salzburger Festspielen gibt, bedeute ihm sehr viel. „Es ist eines der weltweit wichtigsten Festivals, das versucht, im Opernbereich zeitgenössische Kunst zu machen.“ Mit Intendant Markus Hinterhäuser verbinde ihn seit einer Opern-Produktion bei den Wiener Festwochen, wo Hinterhäuser Intendant war, eine künstlerische Freundschaft.

(S E R V I C E - „Salome“ von Richard Strauss. Musikdrama in einem Aufzug (1905). Libretto vom Komponisten nach dem Schauspiel „Salome“ (1893) von Oscar Wilde in der deutschen Übersetzung von Hedwig Lachmann. Regie, Bühne, Kostüme und Licht: Romeo Castellucci. Musikalische Leistung: Franz Welser-Möst. Choreografie: Cindy Van Acker. Künstlerische Mitarbeit: Piersandra Di Matteo. Herodes: John Daszak. Herodias: Asmik Grigorian. Jochanaan: Gabor Bretz. Narraboth: Julian Pregardien. Premiere am 28. Juli um 20.00 Uhr in der Felsenreitschule. Weitere Vorstellungen am 1., 9., 12., 17., 21. und 27. August)


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