Afghanistan prüft Berichte über zivile Opfer bei Militäreinsatz

Kunduz (APA/AFP) - Afghanische Behörden prüfen Berichte, wonach bei einem Militäreinsatz in der Provinz Kunduz 14 Zivilisten getötet oder ve...

Kunduz (APA/AFP) - Afghanische Behörden prüfen Berichte, wonach bei einem Militäreinsatz in der Provinz Kunduz 14 Zivilisten getötet oder verwundet worden sein sollen. Das teilte das afghanische Verteidigungsministerium am Freitag mit. Nach Angaben mehrerer Behördenvertreter waren unter den Opfern Frauen und Kinder.

Verantwortlich für die Verluste sei ein Luftangriff am Donnerstag gewesen, sagte der Gouverneur des Distrikts Char Darreh, Salmai Farooki, der Nachrichtenagentur AFP.

Ein AFP-Reporter berichtete von zwölf Leichen, die er bei einem Besuch eines Dorfes gesehen habe. Der Leiter des Regionalkrankenhauses sagte, die Leichen von zwölf Frauen und Kindern seien in die medizinische Einrichtung gebracht worden. Farooki machte „fremde Kräfte“ für den Luftangriff verantwortlich.

Der NATO-Ausbildungs- und Unterstützungseinsatz „Resolute Support“ in Afghanistan erklärte in einer Mitteilung, US-Streitkräfte hätten „zur Unterstützung afghanischer Bodeneinsätze“ Luftangriffe geflogen. Eine Bewertung dieser Angriffe habe allerdings „keine Hinweise“ auf zivile Opfer ergeben.

Nach Angaben des afghanischen Verteidigungsministeriums wurde eine „hochrangige Militär- und Regierungsdelegation“ damit beauftragt, den Vorfall zu untersuchen. Ein Sprecher des Gouverneurs in Kunduz bestätigte die Ankunft eines Ermittlungsteams im Distrikt Char Darreh.

Der Vorfall ereignete sich nur wenige Tage nach der Veröffentlichung eines UNO-Berichts, nach dem die Zahl ziviler Todesopfer in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ein neues Rekordniveau erreicht haben. Mit 1.692 Todesfällen war die Zahl ein Prozent höher als im Vorjahreszeitraum und die höchste seit Beginn der Erhebung durch die UNO-Mission in Afghanistan (UNA).

Nach Angaben von Regierung und Militär galten die jüngsten Militäreinsätze einer Talibanstellung, von der aus ranghohe Mitglieder der Gruppe Angriffe planten. In Kunduz kommt es seit dem Abzug der NATO-Kampftruppen 2014 immer wieder zu heftigen Kämpfen zwischen den islamistischen Taliban und afghanischen Sicherheitskräften. Anfang des Monats waren 40 Militärangehörige bei einer Reihe von Talibanangriffen getötet worden.

(Alternative Schreibweisen: Char Darah, Char Dara)


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