Geflügelzüchter kämpfen mit billiger Konkurrenz aus dem Ausland

Wien (APA) - Die heimische Geflügelbranche kämpft mit billiger Konkurrenz aus dem Ausland. Zuletzt schloss Ende Mai der burgenländische Schl...

Wien (APA) - Die heimische Geflügelbranche kämpft mit billiger Konkurrenz aus dem Ausland. Zuletzt schloss Ende Mai der burgenländische Schlachtbetrieb Pöttelsdorfer Edelpute. „Schuld ist das katastrophale Preisdumping bei Putenfleisch“, sagte Karl Feichtinger, Geschäftsführer der Kärntner Wech-Gruppe, zu der der Betrieb seit 2008 gehörte, dem „Kurier“ (Samstagsausgabe).

Die Konkurrenz aus Deutschland, Polen, Ungarn und Italien biete um bis zu 40 Prozent billiger an als heimische Produzenten, so Feichtinger im Zeitungsbericht. „Die Preise entbehren oft jeglicher Grundlage.“ Italienische Verarbeiter würden ihre Überproduktionen zu Dumpingpreisen in den österreichischen Markt pressen, um sich das Preisgefüge am Heimmarkt nicht zu zerstören.

Im Schnitt sind die Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe in Deutschland, Italien oder Polen fünf bis zehn Mal so groß wie österreichische Mitbewerber. „Anders gesagt produziert ein einziger Betrieb so viel, wie alle österreichischen Betriebe zusammengenommen“, erklärte Feichtinger im „Kurier“.

In Österreich hat sich die Zahl der Schlachtbetriebe binnen 15 Jahren halbiert. Im Geflügelbereich sind aktuell nur noch vier Betriebe im Geschäft, neben Wech (Kärnten), noch Huber (Oberösterreich) sowie die steirischen Mitbewerber Titz, Tschiltsch. Damit müssen die Tiere auch länger zum nächsten Schlachthof transportiert werden. Mitunter bis zu vier Stunden, also oft doppelt so lange wie früher. Im internationalen Vergleich sei das noch immer moderat, findet Feichtinger. „In anderen EU-Ländern sind Fahrzeiten von sieben, acht Stunden ganz normal.“

Die Geflügelwirtschaft fordert nun Taten: In der Gastronomie und in der öffentlichen Beschaffung von Lebensmitteln, schreibt die Zeitung. Denn rund die Hälfte des Putenfleisches wird auswärts gegessen - in Kantinen oder in der Gastronomie. Woher das Fleisch kommt, frage dort niemand, ärgern sich Landwirtschaftsvertreter. „Der österreichische Gesetzgeber hat strenge Haltungsbedingungen definiert. Auf diese sollte er auch in der öffentlichen Beschaffung achten“, forderte Michael Wurzer von der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft.

Dass ausländische Ware billiger ist, hängt auch mit den hohen Tierschutzstandards in Österreich zusammen. Heimische Hendln haben laut Gesetz bis zu 40 Prozent mehr Platz im Stall als Hühner im europäischen Durchschnitt. Der sogenannte Besatz darf maximal 30 Kilogramm pro Quadratmeter Stall betragen. Bei Puten sind es 40 Kilogramm pro Quadratmeter. Im europäischen Vergleich haben sie sogar um 75 Prozent mehr Platz. Feichtinger: „In anderen Ländern gibt es keine gesetzlichen Vorschriften, da können die Betriebe so viele Truthähne pro Quadratmeter halten, wie sie wollen.“

Mit Hühnerfleisch kann sich Österreich nur mehr zu knapp 80 Prozent selbst versorgen. Bei Puten liegt die Quote mittlerweile bei nur noch 45 Prozent, Tendenz sinkend, heißt es im „Kurier“-Bericht.

„68 Prozent der befragten Österreicher erachten es als notwendig, dass es in Kantinen, Mensen und Gemeinschaftsküchen, aber auch in Restaurants und Gaststätten eine verpflichtende Kennzeichnung der Herkunft von Zutaten und Bestandteilen geben soll“, sagte Paul Unterhuber vom GfK-Austria Meinungsforschungsinstitut kürzlich bei einer Veranstaltung der Landwirtschaftskammer, die fordert, dass im öffentlichen Bereich eine Herkunftskennzeichnung für die Lebensmittel eingeführt wird. Es geht um Krankenhäuser, Schulen, Kantinen, Seniorenheimen, nicht aber Gastrobetriebe, die sich ein Konsument selbst aussuchen kann.


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