Ein Pozuziner in Silz

Drei Monate war Tomas Polinar Montesino bei Filmemacher Emanuel Bachnetzer zu Gast, mit dem er auf den Spuren der Oberländer Auswanderer seine Filmtechnik verfeinerte.

© Dorn

Von Agnes Dorn

Silz –Tomas Polinar Montesino ist Filmemacher in Pozuzo, der „Tiroler Kolonie“ im peruanischen Regenwald. Zwar ist er selbst nicht österreichischer, sondern indigener Abstammung, aber durch seine berufliche Tätigkeit sehr vertraut mit den Tiroler Sitten und Gebräuchen, die bekanntlich auch in Pozuzo immer noch praktiziert werden. Dort filmt er bei den diversen Veranstaltungen, bei Hochzeiten, Geburtstagen und anderen Feiern, beispielsweise der Tanzgruppe Pozuzo-Tirol.

Nun war er drei Monate in Silz auf Besuch bei seinem Kollegen, dem Silzer Filmemacher Emanuel Bachnetzer, um mit ihm gemeinsam auf den Spuren der Oberländer Auswanderer zu wandeln, die vor 150 Jahren Tirol verließen – mit der Hoffnung auf ein besseres Leben in Südamerika. Dass sie beide miteinander arbeiten können, bewiesen sie schon vor vier Jahren bei Bachnetzers Produktion „Bananenstrudel – Dirndl“. Eine Woche lang konnte Montesino zudem Redaktionsluft bei Tirol TV schnuppern und bei Heli-TV filmen.

Die unzähligen Stunden Filmmaterial, die er in den drei Monaten Aufenthalt in Tirol sammeln konnte, wird er indes erst daheim in Pozuzo auf 45 Minuten Länge schneiden. Die Fronleichnamsprozession, Feuerwehrproben, Interviews mit Einheimischen, Dokumentationen von Tanzgruppen, Feiern und Sehenswürdigkeiten, Besuche von mehreren Schulen und Teilnahme am Workshop für Kinder bei der AK-Ferienaktion in Innsbruck … – das Programm von Montesino war dicht gedrängt und erlaubte nur wenig freie Zeit. Wie gut, dass der Pozuziner nur drei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht benötigt – anders als sein Gastgeber Bachnetzer, der am Morgen Montesino oft schon beim Arbeiten im Atelier antraf.

Ganz nebenbei hat der Hochlandbewohner auch noch sein Deutsch verbessert, indem er zehn halbe Tage bei der Spanischlehrerin des Stamser Schigymnasiums, Sabine Kluibenschädl, Deutschunterricht genommen hat. Außerdem haben Bachnetzer und Montesino in diesem Vierteljahr ein Programm für die Jubiläumsreise im kommenden Jahr zusammengestellt, das im Herbst bei einem Informationsabend vorgestellt werden wird. Ein Plan mit den Sehenswürdigkeiten von Pozuzo, der auch im Tourismus Verwendung finden soll, ist bereits fertig.

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Der Südamerikaner hat in dieser Zeit überhaupt insgesamt viele Ideen gesammelt, die er nun in seine Heimat mitgenommen hat, um sie seinen Leuten daheim ans Herz zu legen. „Mehr Austausch zwischen Pozuzo und Tirol wäre erwünscht – mit Tomas als Multiplikator“, zeigt Bachnetzer den Wunsch nach weiterer Zusammenarbeit auf. Denn so wie bald in Südamerika der Film über den dreimonatigen Aufenthalt gezeigt werden wird, so sollen in Zukunft Videobeiträge von Montesino in Tirol zu sehen sein.


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