Salzburger Festspiele - Für „Biber von Bibern“ braucht es drei Geigen

Salzburg (APA) - 1690 wurde er in den Adelsstand erhoben und durfte sich fortan „Biber von Bibern“ nennen: Unter den Salzburger Lokalmatador...

Salzburg (APA) - 1690 wurde er in den Adelsstand erhoben und durfte sich fortan „Biber von Bibern“ nennen: Unter den Salzburger Lokalmatadoren unter den Komponisten zählt neben dem Namensgeber der Mozartstadt auch Heinrich Ignaz Franz Biber, der insbesondere für die Violine Wegweisendes leistete. Gestern, Samstag, spielte die deutsche Geigerin Isabelle Faust bei den Festspielen seine „Rosenkranzsonaten“.

Drei Geigen lagen dafür bereit, aufgebahrt auf einem Holztisch wie auf einem Altar, der aus dem Großen Saal des Mozarteums einen Kirchenraum zu machen schien. Für diesen intensiven Ausflug in die barocke Geigenkunst wäre ein Sakralraum auch durchaus geeignet - fügte sich der Abend, an dem die Geigerin von Kristian Bezuidenhout am Cembalo bzw. Basso Continuo sowie von Kristin von der Goltz am Cello begleitet wurde, doch nahtlos in die „Passion“ betitelte Ouverture Spirituelle der heurigen Salzburger Festspiele.

Die Sonaten und anschließende Passacaglia zu den 15 Geheimnissen des Rosenkranz-Gebets komponierte der aus Böhmen stammende Biber noch vor seinem Aufstieg zum Salzburger Hofkapellmeister, in den 1670er Jahren - und damit rund 50 Jahre, bevor Bach mit seinen Streichersonaten einige der bis heute bedeutendsten Werke der Violinliteratur schuf. Dass Bach auf Bibers innovativen Kompositionstechniken aufbaute, ist insbesondere im Einsatz der Polyphonie mit Akkordgriffen deutlich.

Isabelle Faust und ihre Kollegen spielten vier Bach-Sonaten für Geige und Cembalo bzw. Basso continuo, und fünf aus dem Rosenkranz-Zyklus. Biber erweiterte das Spektrum des geigerisch Möglichen nicht nur durch vormals unbekannte Virtuosität, sondern auch durch die Stimmung des Instruments, die für einzelne Sonatengruppen unterschiedlich zu erfolgen hatte - daher die drei Geigen.

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Faust gab sich von diesen logistischen Herausforderungen freilich unbeeindruckt. Die 46-jährige Violinistin pflegt ein vornehmes Spiel von stupender intonatorischer Reinheit, aber so uneitel, dass man es fast zahm nennen könnte. Die Phrasierungen stets maß- und planvoll, die Tonführung originalklangaffin und vibratofrei, leuchtet sie die Sonaten sorgsam aus, erreicht gerade im Dialog von Bach und Biber eine Transparenz der musikalischen Textur, die beeindruckt - und doch wenig suggestiv ist. Das Festspielmotto von Leidenschaft und Ekstase sucht man hier vergebens, das Konzert stand eher im Zeichen der andächtigen Historienkunde, als der emotionalen persönlichen Betroffenheit. Großer Applaus für einen überaus delikaten Kammermusikabend.

(S E R V I C E - www.salzburgerfestspiele.at)

(A V I S O - APA-Live-Blog zu den Festspielen bis 30. August online unter http://go.apa.at/lI8v2KKn)


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