89, aber für immer ein Jungbauer

Johann Plank aus Thaur gehört zu den „Urvätern“ der Jungbauernschaft in den Bezirken Innsbruck und Innsbruck-Land. Für ihn gilt auch heute noch: „Mit viel Fleiß kann man als Bauer ein gutes Leben führen.“

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Von Martina Schratzberger

Thaur –Die Stimmung war schlecht: Viele waren gefallen, einige in Kriegsgefangenschaft. „Die meisten hatten genug, wollten ihre Ruhe und die wenigsten konnten mit Gemeinschaftssinn etwas anfangen“, fasst der 89-jährige Johann Plank zusammen. Dennoch gelang es ihm, mit einigen Mitstreitern etwas Großes zu gründen: Die Jungbauernschaft in den Bezirken Innsbruck und Innsbruck-Land zählt nach 70 Jahren mehr als 5000 Mitglieder.

Gepflegt steht er da, der Altbauer des Bartlhofs in Thaur. Hemdsärmlig, gekampelt, in Hauspantoffeln. Fein säuberlich hat er eine geflickte Arbeitsschürze um die Hüfte gebunden. Etwas kopfschüttelnd, aber in sich hineinschmunzelnd, begrüßt er die jungen Leute, die in seine über hundert Jahre alten Stube treten – die aktuelle Führungsriege der Jungbauern im Bezirk Innsbruck Stadt/Land. „Bei uns kommt immer noch alles zusammen“, freut er sich. Daran hat sich nichts geändert.“Unter dem großen Kruzifix wird gebannt den Erzählungen gelauscht.

70 Jahre ist es her, dass er von einem gewissen Jakob Steixner, Jungbauernobmann aus Schönberg, gebeten, ja fast bekniet wurde, in Thaur eine Jungbauernschaft zu gründen. Anfangs waren nur Männer zugelassen. Später kamen auch „Weiberleut’“ dazu. Mittlerweile ziehen in Tirol Jungbauern und Landjugend an einem Strang. So kommt es, dass alleine die Ortsgruppe Thaur mehr als 200 Mitglieder zählt.

Während heutzutage solche Treffen per Whatsapp, Face­book und Co. ausgemacht werden, galt es vor Jahrzehnten nach dem Kirchgang am Sonntag ins Gasthaus zu gehen, um auf dem Laufenden zu bleiben und gemeinsame Aktivitäten auszuschnapsen. Wie etwa den ersten Ball der Thaurer Jungbauernschaft, der schon ein halbes Jahr nach der Gründung der Organisation veranstaltet wurde. „Das war dann Anfang 1949. Die Posch-Brüder, also der Vater und die beiden Onkel des berühmten Franz Posch, spielten auf. Der Eintritt kostete einen Schilling fünfzig.“

Johann Plank ist faktisch Gründungsmitglied der ersten Stunde. „Von uns sind heute nicht mehr viele übrig“, grübelt er wehmütig. Auch seine Frau fehlt, die vor fast 30 Jahren in der Diele einen Herztod erlitten hat. „Ich fand sie am Boden liegend, ich konnte nichts mehr tun.“ Mit funkelnden Augen erzählt er dafür von den Höhepunkten, etwa der Besichtigung des Kraftwerks Kaprun, oder von den ersten Werbeveranstaltungen für Kunstdünger, von der Zeit, als er den ersten 15er-Steyrer kaufte und als die Hydraulik in vielen Bereichen der Landwirtschaft Erleichterung versprach.

Der Entwicklung, dass die Landwirtschaften immer größer werden müssten, um bestehen zu können, blickt er eher skeptisch entgegen. Doch sind sich der Jungbauer der ersten Stunde und der aktuelle Jungbauernobmann des Bezirks Innsbruck-Stadt-Land, Martin Mayr, einig, wenn es um die Zukunft der Landwirte geht: Sowohl damals als auch heute hatte und habe man mit der Übernahme eines Hofes gute Chancen und Möglichkeiten.

„Mit viel Fleiß kann man als Bauer ein gutes Leben führen“, gibt Plank weiter. Er feierte kürzlich seinen 89. Geburtstag und geht immer noch täglich zweieinhalb bis drei Stunden in den Stall. Mit von der Partie sind selbstverständlich die Nachkommen des Mannes – natürlich hatten und haben sie Führungspositionen bei den Jungbauern inne. So ist Enkel Romed stellvertretender Bezirkschef.

Auf die Frage, wie die Jugend ihre Zukunft sehe und was sie eines Tages an ihre Kinder und Enkel weitergeben will, pocht Bezirksobmann Martin Mayr darauf, behutsam mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen: „Es darf nicht alles verbaut werden, wir müssen auf unsere Landschaft achtgeben.“ Nicht zuletzt gehe es um Werte, um Tradition und auch um einen ganz wesentlichen Punkt: autark über die Runden kommen zu können. Um zu verdeutlichen, wie sehr die Jugend mit ihrem Land verwurzelt ist, wurde die Aktion „Wir pflanzen Zukunft“ ins Leben gerufen. Flächendeckend haben alle 64 Ortsgruppen jeweils einen Baum gepflanzt. Mit fester Bodenhaftung könne auch die nächste Generation mit ihren Visionen in ungeahnte Höhen wachsen.

Indessen freut sich Johann Plank auf den 16. September: Denn da spielt sich nach 35 Jahren wieder ein Bezirkserntedankfest der Jungbauern in seiner Heimatgemeinde Thaur ab. Wenn jetzt schon die Fahnenschwinger dafür auf seinem Hof üben, schlägt sein betagtes Jungbauernherz höher.


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