Fußball: Özil verteidigte umstrittenen Bilder mit Erdogan

Berlin (APA/dpa) - Der deutsche Fußball-Nationalspieler Mesut Özil hat am Sonntag erstmals in der Öffentlichkeit Stellung zu seinem umstritt...

Berlin (APA/dpa) - Der deutsche Fußball-Nationalspieler Mesut Özil hat am Sonntag erstmals in der Öffentlichkeit Stellung zu seinem umstrittenes Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan genommen. Er würde das Foto wieder machen, schrieb Özil am Sonntag in einem auf Twitter veröffentlichten Statement auf Englisch. Demnach entstand es „aus Respekt vor dem höchsten Amt des Landes meiner Familie.“

Die umstrittenen Bilder zeigten Özil und seinen DFB-Teamkollegen Ilkay Gündogan und Erdogan bei einem Treffen in London wenige Wochen vor der WM. Özil verwies in seiner Erklärung auf seine türkischen Wurzeln. Sich nicht mit Erdogan zu treffen, hätte bedeutet, diese Wurzeln nicht zu respektieren - unabhängig davon, wer Präsident sei. Im Gespräch mit Erdogan sei es um Fußball gegangen, nicht um Politik.

Die Affäre um die Fotos hatte seit ihrer Entstehung zu Unruhe geführt. Die Debatte ging weit über den Fußball hinaus. Die Diskussion um die Integration der Nachkommen von Migranten und um Fremdenhass wurde immer schärfer. Gündogan und Özil waren in der Angelegenheit sogar zu einem Gespräch bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Gast.

Nach dem erstmaligen Scheitern in der Gruppenphase hatten Teammanager Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Reinhard Grindel die Debatte weiter befeuert. Bierhoff stellte sogar die Frage in den Raum, ob es womöglich besser gewesen wäre, auf Özil zu verzichten. Später ruderte der 50-Jährige zurück und entschuldigte sich für seine „missverständlichen Aussagen“.

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Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel befasste sich mit dem Thema. Sie hatte bei einem Besuch im Trainingslager von Joachim Löws Auswahl im Mai in Südtirol mit Özil und Gündogan gesprochen. „Ich glaube, die beiden Spieler haben nicht bedacht, was das Foto auslöst“, sagte Merkel am 10. Juni in der ARD. Gündogan hatte sich wenige Tage zuvor öffentlich geäußert. Seine Aussagen ähneln denen, die Özil nun von sich gab. Er hatte auf ihre „türkischen Wurzeln“ verwiesen und betont, dass es nie ein Thema gewesen sei, „ein politisches Statement zu setzen“.

Özil betonte in seiner Erklärung, dass es für ihn „nicht von Bedeutung gewesen ist, wer Präsident war, es war von Bedeutung, dass es der Präsident war.“ Er habe Erdogan, dem von Gegnern eine zunehmend autokratische Staatsführung vorgeworfen wird, erstmals 2010 getroffen und ihn seither „viele Male rund um den Globus“ getroffen und mit ihm dabei stets nur über Fußball gesprochen.

In einem zweiten Statement kritisierte der Arsenal-Profi die Medien scharf. Er warf „bestimmten deutschen Zeitungen“ rechte Propaganda vor, „um ihre politischen Interessen voranzutreiben“. Er sei enttäuscht über die „Doppelmoral“ in der Berichterstattung.


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