Ein multikonfessioneller Gottesdienst

Fabrice Eboué folgt in „Coexister – Ein Lied in Gottes Ohr“ mit Imam, Pfarrer und Rabbi dem bewährten Muster der Culture-Clash-Komödie.

© Filmladen

Von Peter Angerer

Innsbruck –Nach der Übernahme seines Musikverlages durch einen internationalen Konzern muss Nicolas (Fabric­e Eboué) Erfolge liefern. Die Aktionäre interessiert nur der Profit. Doch die Branche ist unübersichtlich geworden, jeder Hype von gestern erweckt anderntags nur Abscheu. Eine schnelle Marktstudie im Internet bringt Nicolas und seiner Assistentin Sabrina (Audrey Lamy) eine sichere Erkenntnis: Religion generiert die meisten Klicks. Und drei Religionen zu einer frommen Boygroup gebündelt müsste mit einem multikonfessionellen Gottesdienst sogar das Pariser Olympia zum Brodeln bringen. Doch die auf YouTub­e gefeierten Künstler entpuppen sich als Blender, bei der Talente­suche in Kirchen, Moscheen oder Synagogen begegnet der Musikproduzent nur Misstrauen gegenüber dem Unterhaltungsgewerbe. Es ist dann die göttliche Intervention, die dem „Coexister“-Projekt das Personal zuführt.

Der Pfarrer Benoît (Guillaume de Tonquédec) möchte seine Stimme nur zum Ruhme Gottes einsetzen, doch kaum hat er seine Ablehnung formuliert, kracht das Dachgebälk in den Kirchenraum. Ein ähnliches Zeichen erfährt der Rabbi Samuel (Jonathan Coen), der seit einem blutigen Malheur bei einer Beschneidungszeremonie mit Gott hadert. Der Wechsel in das Showgeschäft könnte zumindest sein Selbstwertgefühl aufpolieren. Nur bei der Besetzung des Imams muss Nicolas improvisieren. Er setzt dem Sänger Moncef (Ramzy Bedia) eine passende Mütze auf, und schon weichen auf den Straßen die Passanten ehrfurchtsvoll zurück. Allerdings wird die erste Presse­konferenz zum Fiasko.

Während Rabbi und Priester ihren religiösen Hintergrund kompetent erläutern können, schlüpft der falsche Imam in die Rolle des Unternehmers und falschen Rabbis, den Loui­s de Funès in „Die Abenteuer des Rabbi Jacob“ gespielt hat. Moncef beherrscht jede Tanzbewegung, jede Geste aus seinem Lieblingsfilm, die rassistischen und antisemitischen Dialoge sind das Fundament seiner Welt geworden.

Der Verweis auf die legendäre Verwechslungskomödie von 1973 ist zuerst einmal eine grandiose Idee, die bereits Philippe de Chauveron 2014 zu seiner reaktionären Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ inspiriert hat. Seit dem Kinoerfolg von „Monsieur Claude“ (elf Millionen Zuschauer in Frankreich) ist die so genannte Culture-Clash-Komödie die sicherste Bank für französische Regisseure. Sagte der Notar in de Chauverons Film noch „Das wird man wohl noch sagen dürfen“, um Meinungsfreiheit einzufordern, wird in Fabrice Eboués „Coexister – Ein Lied in Gottes Ohr“ alles ausgesprochen. Jemand, meistens Nicolas, muss allerdings ein „Das darf man nicht sagen!“ nachschießen.

Fabrice Eboué thematisiert in seinem dritten Film als Regisseur das Dilemma der ökonomischen Zwänge, indem er den vom ihm gespielten Nicolas jede Demütigung hinnehmen lässt, um überleben zu können. Ab 1. August sind auch „Die Abenteuer des Rabb­i Jacob“ erstmals in der digitalisierten Fassung wieder im Kino zu sehen.


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