Am Stimmersee fliegen die Pfeile

Zwei Tiroler haben am Stimmersee einen kleinen Bogenschießplatz errichtet. Ihrer Leidenschaft für den Outdoor-Sport frönen Christoph Fuchs und Sebastian Beer auch beim Bau der Jagd- und Sportgeräte.

Sebastian Beer (l.) und Christoph Fuchs haben sich mit dem Schießplatz am Stimmersee ein kleines Testcenter für ihre selbst gebauten Bögen geschaffen, das sie für eine kleine Gebühr mit der Öffentlichkeit teilen.
© Hrdina

Von Jasmine Hrdina

Langkampfen –Der Atem flach, das Ziel im Visier. Mit einer leichten Bewegung zieht Christoph Fuchs die Sehne seines Bogens zurück, das Pfeilende ruhig zwischen zwei Fingern gebettet. Sanft schmiegt sich Hand an Wange, als wolle sie davon ablenken, mit welcher Wucht sich die Pfeilspitze im nächsten Moment tief in die Brust eines Bären bohrt, als wäre dieser aus Butter. Der Schütze lächelt, das Tier regt sich nicht mehr – hat es aber auch nie, schließlich handelt es sich um eine der Attrappen des neuen Bogenschießplatzes am Stimmersee.

Gemeinsam mit Cousin Sebastian Beer errichtete Fuchs kürzlich die kleine Anlage neben dem Strandbad, um Bogensportbegeisterten in der Region einen neuen Tummelplatz zu bieten. „In der Umgebung gibt es sonst keine Möglichkeiten, wo man schießen kann, ohne einem Verein angehören zu müssen“, erläutert Fuchs die Beweggründe. Für ein keines Fest im vergangenen Winter hatten die Hobbysportler einen provisorischen Schießstand am See errichtet und erstmals mit dem Gedanken einer dauerhaften Einrichtung gespielt. Nachdem der Grundstücksbesitzer das Vorhaben bis auf Weiteres genehmigte, stand die Finanzierung des Projekts im Raum. „Allein die Kunststoff-Tiere kosten zwischen 50 Euro für einen keinen Hasen und 1500 Euro für ein Bison“, berichtet Beer. Dementsprechend groß sei die Freude gewesen, als ihnen ein Bekannter als Starthilfe einige gebrauchte Exemplare anbot. Lange werden es die „Veteranen“ aber nicht mehr tun, auch die Zielscheiben aus Kunststofffasern müssen regelmäßig ausgetauscht werden. Die beiden Tiroler entschieden sich also dafür, eine kleine Benützungsgebühr von vier bis acht Euro für die Anlage einzurichten. Für wenige Euro Aufpreis können sich die Gäste beim Kiosk im Strandbad sogar Pfeil, Bogen und Armschutz ausleihen.

Für den Bau eines Bogens brauchen die beiden Tiroler im Schnitt 50 Stunden.
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Die Faszination für den naturnahen Sport, die Kraft, innere Ruhe und Konzentration teilen viele Tiroler. Der 33-jährige Langkampfener Beer und der 30-jährige Wörgler Fuchs leben diese Leidenschaft aber auch in ihrer Werkstatt aus. Dort bauen der Volksschullehrer und der vielseitige Handwerker eigene Bögen aus edlen Hölzern. Bevorzugt wird jedoch Rattan, sagt Beer, „eine Lianenart, die sich leichter formen lässt“. Sägen, raspeln, feilen, schleifen – „man entfernt einfach alles, was nicht nach Bogen ausschaut“, scherzt der Langkampfener über die 50 Stunden Aufwand hinter einer solchen Jagd- und Sport­ausrüstung. Auf Anfrage stellen die beiden Cousins ihre Bögen auch für Kunden her. „Wir wollen davon aber nicht leben, es soll nur unsere Leidenschaft finanzieren“, sagt der Wörgler Fuchs.

Als Nächstes stehe eine Vereinsgründung an, auch an einen 3D-Parcours denken die Enthusiasten, „aber dazu müssen wir noch das passende Grundstück finden“, hofft Beer auf Angebote.


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