Serbiens Patriarch im Streit mit Behörden Montenegros

Podgorica (APA) - Der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej hat mit seinen Aussagen gegenüber der montenegrinischen Tageszeitung „Dan“ für ein...

Podgorica (APA) - Der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej hat mit seinen Aussagen gegenüber der montenegrinischen Tageszeitung „Dan“ für einen Streit mit den Behörden Montenegros gesorgt und auch eine Reaktion des Präsidenten Milo Djukanovic provoziert. Anlass für die harsche Kritik des Patriarchen an der Regierung in Podgorica dürfte ein Gesetz zur Religionsfreiheit sein, das derzeit in Vorbereitung ist.

Gegenüber dem proserbischen Blatt meinte der Patriarch am Montag, dass damit die Stellung der serbisch-orthodoxen Kirche in Montenegro schlimmer als zu Zeiten der osmanischen Okkupation wäre, ohne dabei konkrete Argumente zu nennen. Den Status von Serben in Montenegro verglich er gar mit jenem zu Zeiten des faschistischen „Unabhängigen Staates Kroatien“ (NDH) während des Zweiten Weltkrieges. Gleichzeitig fügte er hinzu, dass er eigentlich gar nicht gut über die Situation der serbischen Minderheit informiert sei. Diese macht rund ein Drittel der montenegrinischen Bevölkerung aus.

„Niemand, der normal ist, kann so was denken und noch weniger sagen“, erwiderte Präsident Djukanovic gegenüber dem lokalen Fernsehsender „Antena M“. Er erwarte ein Dementi des Patriarchen, teilte Montenegros Staatschef am Montagabend mit.

Der tatsächliche Inhalt des geplanten Gesetzes ist nicht bekannt. Angeblich soll es einen die Menschenrechte betreffenden Bereich verbessern und die geltenden Regelungen auf EU-Standard heben. Niemand werde Montenegro daran hindern, die Verhältnisse im Bereich der Religionsfreiheiten im Einklang mit der europäischen Praxis zu regeln, erklärte Djukanovic.

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Dem Interview des Patriarchen war indirekt die Befürchtung der serbischen Kirche zu entnehmen, dass sie ihr Vermögen in Montenegro, das von der montenegrinischen Metropolie (Erzbistum) der serbischen Kirche verwaltet wird, verlieren dürfte. Der Anspruch darauf wird nämlich auch von der von der Orthodoxie nicht anerkannten montenegrinischen Kirche erhoben.


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