Verlegung der Reschenstraße: Grundeigentümerin enteignet

Das Land will die Reschenstraße bei Prutz unter die Erde verlegen. Eine Grundeigentümerin stimmte nicht zu – sie wurde inzwischen enteignet.

© Reichle

Von Matthias Reichle

Prutz –Es ging nicht um viel – hat dafür aber umso länger gedauert. Die Rede ist von einem Grundablöseverfahren in Prutz, das kürzlich abgeschlossen wurde und inzwischen auch rechtskräftig ist.

Im Zuge des geplanten Baus einer Unterführung an der Reschenstraße konnte sich das Land mit einer der betroffenen Grundeigentümerinnen nicht einigen. Die Frau besaß ein Drittel eines 87 Quadratmeter großen Grundstücks – in Summe also 29 Quadratmeter, wie Robert Zach von der Abteilung Straßenbau des Landes vorrechnet. „Wir haben mehrmals versucht, eine Übereinkunft zu finden, ich war oft vor Ort“, so Zach – die Betroffene sei aber nicht bereit gewesen einzuwilligen. Das Grundablöseverfahren war aus seiner Sicht ein „Formalismus“. Sie sei dabei finanziell wie „jeder andere ausgestiegen, es sind alle gleich behandelt worden“, betont er.

Der Enteignungsbescheid wurde am 7. Juni ausgestellt. Nachdem die Betroffene dagegen keine Berufung eingelegt hatte, ist er in der Zwischenzeit auch rechtskräftig. Zwei Drittel des Grundstücks, an dem die Frau Mitbesitzerin war, gehörten bereits dem Land. „Mit den anderen hatten wir uns geeinigt“, so Zach. „Sie hätte mit dem Grundstück ohne unsere Zustimmung nichts mehr machen können. Es war eine ideelle Eigentumssache.“

Insgesamt hatte das Land für das Projekt mit 36 Grundeigentümern verhandelt. Geplant ist, bei Prutz die Reschenstraße unter die Erde zu verlegen. So will man die derzeit noch bestehende Kreuzungsproblematik bei der Innbrücke beseitigen. Oberirdisch soll ein Kreisverkehr entstehen.

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Die Grundverhandlungen erwiesen sich als schwierig – mit den drei Wichtigsten konnte man sich im vergangenen Dezember einigen, so Zach. Unter anderem war das der Tankstellenpächter Alfred Lorenz, der durch den Bau sein Geschäft verlieren wird. Mit dem Grundablösebescheid der letzten Partei ist dieser Prozess nun abgeschlossen. „Verzögerungen hatten wir dadurch keine“, so Zach. Es sei geplant, erst im Winter 2019/20 mit dem Bau zu beginnen. Bis zum Herbst sollen alle erforderlichen Unterlagen für das wasserrechtliche Verfahren eingereicht werden. Es wird gemeinsam mit dem naturschutzrechtlichen Verfahren abgewickelt, sei aber aufgrund der direkten Nähe zum Inn das kompliziertere, betont der Projektverantwortliche. Er erwartet, dass der Bau der Unterführung drei Jahre dauern wird.

Für die Tiroler Tageszeitung war es nicht möglich, die betroffene Grundeigentümerin zu erreichen.

Mit Rodungsarbeiten begonnen

„Die Straßenmeisterei wurde mit den Rodungsarbeiten beauftragt“, betont Robert Zach. Sie sind nötig, um das Gelände zu vermessen.“ Wie berichtet plant die Landesstraßenverwaltung derzeit ein neues Sicherheitsprojekt für die Reschenstraße zwischen Landeck und Fließ. Nach mehreren Steinschlag-Ereignissen wurde die Strecke evaluiert. „Laut Gutachter ist an dieser Stelle Handlungsbedarf“, so Zach. Die Vermessungsarbeiten seien bereits vergeben worden, erklärt er. Auf einem 500 Meter langen Abschnitt wird geprüft, was Sinn macht: ein Tunnel, eine Galerie oder eine Kombination aus beidem. Bis zum Jahresende will man das abgeschlossen haben, so Zach. Dann sei auch die Finanzierung zu klären. „Es wird ein teures Projekt.“


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