Waldbrände in Griechenland - Zahl der Toten auf mehr als 60 gestiegen

Athen (APA/Reuters/sda) - Die Zahl der Toten durch die schlimmen Waldbrände in Griechenland ist auf mehr als 60 gestiegen. Das teilte der Bü...

Athen (APA/Reuters/sda) - Die Zahl der Toten durch die schlimmen Waldbrände in Griechenland ist auf mehr als 60 gestiegen. Das teilte der Bürgermeister von Rafina, Evangelos Bournous, am Dienstag dem Fernsehsender Skai TV mit. „Die Zahl der Toten steigt“, sagte er. Bisher war von 50 Todesopfern in der Urlaubsregion östlich von Athen die Rede gewesen.

Besonders betroffen von den am Montagnachmittag ausgebrochenen Bränden ist der in der Region liegende Badeort Mati, etwa 29 Kilometer von der griechischen Hauptstadt entfernt. Viele Menschen starben, als die außer Kontrolle geratenen Brände rasend schnell durch den kleinen Ort fegten. Den Flüchtenden versperrten hohe Flammen und dichte Rauchschwaden den Weg zum Meer.

Hunderte Menschen flohen dorthin, um von der Küstenwache und vorbeifahrenden Booten aufgenommen zu werden. Einer der Retter habe gesehen, wie sich 26 Menschen in einem Feld etwa 30 Meter vom Strand entfernt aneinanderklammerten, sagte der Leiter des Roten Kreuzes in Griechenland, Nikos Economopoulos, dem Sender Skai TV am Dienstag. „Sie hatten versucht, eine Fluchtgasse zu finden, aber leider haben es diese Menschen und ihre Kinder nicht mehr rechtzeitig geschafft“.

Mati liegt in der Region Rafina, die vor allem bei griechischen Urlaubern beliebt ist. Viele Kinder verbringen dort den Sommer in Ferienlagern. Am Dienstagfrüh bot sich den Rettungskräften ein Bild der Verwüstung: Zum Teil stieg immer noch weißer Rauch auf, ausgebrannte Fahrzeuge standen vor drei- bis vierstöckigen Wohnblocks, die Brandschäden aufwiesen. Die Feuerwehr warnte, dass die Flammen immer noch nicht ganz unter Kontrolle seien, auch wenn sie sich dank nachlassender Winde nur noch langsam ausbreiteten. „Mati existiert als Siedlung nicht mehr“, sagte ein Frau im Fernsehen. „Ich bin froh, am Leben zu sein.“

Die Behörden baten angesichts der Lage um Hilfe bei anderen Ländern der Europäischen Union. Zypern und Spanien boten ihre Unterstützung an. Das Feuer in Mati war das verheerendste seit der Brandkatastrophe auf der Halbinsel Peloponnes im August 2007, bei der Dutzende Menschen starben. Neben den Toten wurden in Mati 156 Menschen verletzt, wie die Behörden mitteilten. Auch darunter waren viele Kinder. Elf Menschen befanden sich auf Intensivstationen. Das jüngste Todesopfer war ein vermutlich sechs Monate altes Baby, das an einer Rauchvergiftung starb.

„Bewohner und Besucher in der Region konnten nicht rechtzeitig fliehen, obwohl sie nur ein paar Meter vom Meer entfernt in ihren Häusern waren“, sagte eine Feuerwehrsprecherin. Die Küstenwache rettete nach eigenen Angaben gemeinsam mit anderen Helfern 696 Menschen. Aber auch vier Leichen seien aus dem Wasser gezogen worden.

Die Ursache des Feuers war zunächst nicht bekannt. Auch in anderen Teilen des Landes wüten derzeit unkontrollierte Feuer. Hunderte Wohnhäuser und Autos wurden zerstört. Wichtige Straßenverbindungen wie am Montag die Autobahn Athen-Korinth, die auf die Halbinsel Peloponnes führt, wurden zwischenzeitlich gesperrt. Der Zugverkehr wurde teilweise eingestellt. Über Athen zogen Rauchschwaden hinweg. Die Brandgefahr ist nach dem relativ trockenen Winter derzeit besonders hoch. Allerdings haben mehrere Behördenvertreter erklärt, es sei seltsam, dass viele Großbrände gleichzeitig ausgebrochen seien. Sie wollen daher eine unbemannte Drohne aus den USA einsetzen, um verdächtige Vorkommnissen zu überwachen.


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