Racheengel verleumdete Räuber-Duo

Nach dem brutalen Suchtgiftraub von Hall im November klärte eine 23-Jährige erst im Prozess auf, dass sie freiwillig als Lockvogel diente.

Die zwei Räuber zeigten sich zum Überfall geständig.
© Thomas Boehm / TT

Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Hall –An einem Novemberabend in Hall erhielt ein 24-Jähriger den Anruf seiner um ein Jahr jüngeren Bekannten. 50 Gramm Cannabis sollte er ihr verschaffen und an einem eher verlassenen Ort im Bereich des Weißenbachgrabens übergeben. Was der 24-Jährige nicht wusste: Die einstige Kurzzeitgeliebte hatte zuvor bereits mit zwei Bekannten aus Südtirol einen Raubplan ausgeheckt. Eigentlich hatten der Russe und der Pole erst nach einem Kontakt zu einem Drogenlieferanten gefragt. Dann erinnerte sich die Frau an den 24-Jährigen – und mit welchem Groll sie einst wieder auseinandergegangen waren. „Es sollte ihm eine Lehre sein – dass er lernt, dass man Menschen anständig behandelt!“, skizzierte die 23-Jährige gestern am Landesgericht den Raubüberfall als Instrument ihrer Rache. Bei der Tatausführung fackelten die Räuber dann nicht lange. Im Zuge der Abnahme von Cannabis, einer Suchtgiftmühle und eines Handys hatten sie dem Opfer massive Schläge versetzt. Dafür bekam der 24-Jährige gestern noch im Saal 1000 Euro ausbezahlt.

Kurz davor hatte die 23-Jährige indes gestanden, dass sie von dem Duo nicht – wie angezeigt – zum Tatbeitrag und der Geldübergabe genötigt und erpresst worden war. Bei 15 Jahren Strafandrohung ergingen fünfeinhalb Jahre Haft für den „Lockvogel“ und je fünf Jahre für das Duo.

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