Fall Özil: Özil und Co.: Der Umgang mit Fremdenfeindlichkeit

Berlin/Paris/Brüssel (APA/dpa) - Die Rücktrittserklärung von Mesut Özil entfacht die Diskussionen um Rassismus und Integration wieder neu. I...

Berlin/Paris/Brüssel (APA/dpa) - Die Rücktrittserklärung von Mesut Özil entfacht die Diskussionen um Rassismus und Integration wieder neu. In der Rassismus-Debatte meldeten sich daraufhin auch zahlreiche multikulturelle Fußball-Profis aus anderen Nationen zu Wort, die die aktuellen Geschehnisse mit eigenen Erfahrungen in Verbindungen brachten.

Özils Anschuldigungen sind heftig, doch der Tenor der Vorwürfe im internationalen Fußball ist nicht neu. „In den Augen von (DFB-Präsident, Anm.) Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, und ein Immigrant, wenn wir verlieren...“, hatte Özil in seiner Rücktrittserklärung geschrieben. Der Verband wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück.

Frankreichs Karim Benzema, der algerische Wurzeln hat, kritisierte: „Treffe ich, bin ich Franzose. Treffe ich nicht, bin ich Araber.“ Und der belgische Nationalspieler und WM-Teilnehmer Romelu Lukaku schrieb in einem Gastbeitrag für das Sportportal „The Players‘ Tribune“: „Wenn es gut lief, las ich Zeitungsartikel und sie nannten mich Romelu Lukaku, den belgischen Stürmer. Wenn es nicht gut lief, nannten sie mich Romelu Lukaku, den belgischen Stürmer kongolesischer Herkunft.“

Bei der Weltmeisterschaft in Russland war Jimmy Durmaz, türkischstämmiger Mittelfeldspieler Schwedens, nach einem Fehler im Spiel gegen Deutschland in den sozialen Medien heftig fremdenfeindlich beleidigt worden und hatte Morddrohungen gegen sich und seine Kinder erhalten. Auch Özil berichtete in seiner Rücktrittserklärung von „Hassmails“ und Drohanrufen gegen ihn und seine Familie.

Die schwedische Mannschaft versammelte sich vor dem ersten Training nach der Niederlage gegen den Weltmeister von 2014 hinter Durmaz und rief geschlossen: „Fuck Racism!“ Teamstürmer Marcus Berg sagte zu dieser klaren Ansage ergänzend: „Wir alle sind verschieden, wir denken aber alle gleich über Werte. Wir stehen füreinander ein.“

Die schwedischen Spieler reagierten also mit Einheit und machten die Angriffe gegen Durmaz bewusst zum Thema. „Das ist mir passiert, doch es ist so viel mehr Leuten in Schweden passiert. Dass wir dieses hier zu etwas Positivem gedreht haben und es zum Thema gemacht haben, das ist groß“, betonte Durmaz.

Özils Teamkollegen um Kapitän Manuel Neuer und die Führungsspieler Mats Hummels, Thomas Müller sowie Toni Kroos hielten sich nach dem Rücktritt ihres langjährigen Teamkollegen zunächst bedeckt. Jerome Boateng, Julian Draxler und Antonio Rüdiger äußerten sich zwar über die sozialen Medien - allerdings nicht zum Thema Rassismus oder den massiven Vorwürfen Özils gegen Land, Leute, Kritiker und Sponsoren. Stattdessen dankten sie ihrem ehemaligen Mitspieler für dessen Leistungen und die gemeinsamen Jahre im DFB-Dress.


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