Die Schlüsselfiguren bei der Pakistan-Wahl

Islamabad (APA/dpa) - Pakistan mangelt es nicht an politischer Vielfalt. Knapp 30 Parteien kämpfen an diesem Mittwoch um 106 Millionen Wähle...

Islamabad (APA/dpa) - Pakistan mangelt es nicht an politischer Vielfalt. Knapp 30 Parteien kämpfen an diesem Mittwoch um 106 Millionen Wählerstimmen und den Einzug in das Parlament in Islamabad - von Gruppen, die von höchst umstrittenen religiösen Führern unterstützt werden bis hin zu Politikern der dritten Generation.

Der eigentliche Kampf wird jedoch unter drei Parteien ausgetragen. Und teils auch hinter Gittern - denn Nawaz Sharif von der Regierungspartei Pakistanische Muslim-Liga (PML-N) wurde eineinhalb Wochen vor der Wahl im Polit-Spektakel des Jahres mitsamt seiner politischen Erbin, Tochter Maryam, verhaftet und in ein Hochsicherheitsgefängnis gebracht.

Sharif, der als einer der mächtigsten Politiker Pakistans gilt, war bereits dreimal Ministerpräsident, konnte seine reguläre Amtszeit aber nie beenden. Die gesamte politische Karriere des 68-Jährigen war von Korruptionsvorwürfen begleitet. Es waren auch mangelhafte Erklärungen zum Kauf von Luxuswohnungen in London, die der Oberste Gerichtshof im Vorjahr zum Anlass nahm, ihn des Amtes zu entheben. Im April kassierte er ein lebenslanges Politikverbot. Drei Wochen vor der Wahl verurteilte ihn ein Gericht zu zehn Jahren Haft.

Es gibt Vermutungen, das mächtige Militär habe seine Finger im Spiel gehabt. Mit diesem verbindet Sharif eine wechselvolle Geschichte. Bereits zweimal drängten oder putschten ihn die Generäle von der Macht. Sharif sieht sich einem Komplott ausgesetzt, weil er sie öffentlich kritisierte und bessere Beziehungen zu Indien sucht.

Sharifs PML-N ist eine Volkspartei. Sein Polit-Klan hat seine Basis in der Provinz Punjab, der bevölkerungsreichsten und wirtschaftlich stärksten Region des Landes. Nawaz Sharifs jüngerer Bruder, Shahbaz Sharif, führte den Wahlkampf der PML-N und soll im Falle eines Wahlsiegs der nächste Premier werden. Er war zweimal Ministerpräsident der Provinz Punjab und steht der Armee versöhnlicher gegenüber.

Der engste Rivale der PML-N ist der ehemalige Kricket-Star Imran Khan, Führer der von ihm gegründeten Tehreek-e Insaf (PTI). In Pakistans Geschichte ging er als Kapitän der Kricket-Nationalmannschaft ein, die er 1992 zur Weltmeisterschaft führte. Viele Jahre hatte er das Image eines Playboys und Lebemannes.

1996 gründete Khan die PTI und ging in die Politik. Lange war er ein Fliegengewicht, konnte aber bei den Wahlen 2013 stark zulegen. Seine PTI wurde die zweitstärkste Kraft im Parlament. Sie ging auf nationaler Ebene in die Opposition. In der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa stellte sie die Regierung.

Khans Hauptthema ist der gnadenlose Kampf gegen die Korruption. Es war auch Khans PTI, die nach den Enthüllungen der „Panama-Papers“ den Obersten Gerichtshof dazu aufforderte, Untersuchungen gegen Nawaz Sharif aufzunehmen. Bei den „Panama Papers“ handelt es sich um vertrauliche Unterlagen einer Beratungsfirma. Sie beinhalteten Strategien zur Steuervermeidung, aber auch Hinweise auf Geldwäsche.

Den Wahlkampf führte Khan mit dem Slogan, er habe „den korruptesten Mann je an der Macht“ zu Fall gebracht. Dabei musste auch er sich in der Vergangenheit mit Korruptionsvorwürfen herumschlagen. Khan wird nachgesagt, er sei der Wunschkandidat des Militärs. Beide bestreiten dies.

Die Rolle des Königsmachers dürfte nach der Wahl der Pakistanischen Volkspartei (PPP) zufallen. Die Mitte-Links-Partei wird seit ihrer Gründung von der Bhutto-Dynastie geführt. Der 29-jährige Oxford-Absolvent Bilawal Bhutto Zardari ist Spitzenkandidat der Partei und tritt erstmals für einen Sitz im Parlament an. Seine Mutter Benazir Bhutto und sein Großvater, Zulfiqar Ali Bhutto, waren beide Ministerpräsidenten. Beide wurden getötet - Benazir wurde bei einem Wahlkampfauftritt 2007 ermordet, Zulfiqar Ali unter dem Militärdiktator Zia ul Haq hingerichtet.

Die Partei, für viele Jahre eine dominante Kraft in der Politik des Landes, fuhr bei den Wahlen 2013 eine herbe Niederlage ein und landete auf dem dritten Platz. Bilawal Bhutto Zardari versucht nun, diese wiederzubeleben. Die Partei geht davon aus, ihre Basis in der südlichen Provinz Sindh halten zu können. Wer eine Mehrheit im Parlament haben will, wird an ihr kaum vorbeikommen.


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