Serbiens Vize-Parlamentspräsidentin spottete über Tod von Mehmedovic

Belgrad/Sarajevo (APA) - Serbiens ultranationalistische stellvertretende Parlamentspräsidentin Vjerica Radeta hat am Dienstag auf äußerst be...

Belgrad/Sarajevo (APA) - Serbiens ultranationalistische stellvertretende Parlamentspräsidentin Vjerica Radeta hat am Dienstag auf äußerst beleidigende Weise den Tod von Hatidza Mehmedovic, der Präsidentin der Opferorganisation „Mütter von Srebrenica“, kommentiert. Mit dem respektlosen Kommentar auf Twitter löste die Parteifreundin von Vojislav Seselj sowohl in Serbien als auch in Bosnien Empörung aus.

„Ich lese, dass Hatidza Mehmedovic vom Verband der Srebrenica-Geschäftsfrauen gestorben ist. Wer wird das Begräbnis organisieren, ihr Mann oder die Söhne?!“ schrieb Radeta am Dienstag.

Mehmedovic hatte beim Srebrenica-Völkermord im Jahr 1995 ihren Mann und zwei Söhne sowie weitere Verwandte verloren und machte sich als Vorkämpferin für die Anerkennung der Opfer sowie in zahlreichen Gerichtsprozessen international einen Namen. Mehmedovic verstarb am Sonntagabend nach langer Krankheit in Sarajevo und soll am Mittwoch in Srebrenica beigesetzt werden.

Man sei daran gewöhnt, von Funktionären der Serbischen Radikalen Partei (SRS) die schlimmsten Worte auf Kosten ihrer politischen Gegner zu hören, sie hätte aber nie geglaubt, dass sie dermaßen schamlos die Toten beleidigen könnten, sagte Vizeministerpräsidentin Zorana Mihajlovic am Mittwoch gegenüber Belgrader Medien. Ihrer Meinung nach wäre der Kommentar von Radeta eine Schande auch für jene Bürger, die mit ihrer Stimme die Radikalen ins Parlament gebracht hätten.

Als „unerhört“ bezeichnete auch die serbische Gleichberechtigungsbeauftragte Brankica Jankovic den Kommentar der ultranationalistischen Funktionärin gegenüber dem Sender „Free Europe“.

Radeta war vor etwa drei Jahren vom UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien wegen Missachtung des Gerichtes angeklagt worden. Ihr und zwei weiteren Ultranationalisten wurde angelastet, im Verfahren gegen ihren Parteichef Vojislav Seselj vor dem Haager Gericht Belastungszeugen erpresst und eingeschüchtert zu haben.

Seselj war im März 2016 in erster Instanz von den Kriegsverbrechenvorwürfen freigesprochen worden. Das Urteil wurde in zweiter Instanz abgeändert und Seselj wurde im April rechtskräftig zu zehn Jahren Haft verurteilt. Auch wenn das betreffende Gesetz ausdrücklich vorsieht, dass ein Abgeordneter sein Mandat verliert, wenn er zu mindestens sechs Monaten Haft verurteilt wird, unternahm das serbische Parlament bisher keine Schritte, um das Abgeordnetenmandat Seseljs zu beenden. Serbiens Parlamentspräsidentin Maja Gojkovic ist eine frühere Parteifreundin Seseljs und Radetas.

Predrag Kojovic, Vorsitzender der kleinen bosnischen Partei Nasa stranka (Unsere Partei), appellierte am Mittwoch in einem von Medien in Sarajevo verbreiteten offenen Brief an die Botschaft Serbiens in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, sich vom Kommentar Radetas zu distanzieren. Ihr Kommentar habe nicht nur Bosniaken (Muslime), sondern alle Bürger Bosnien-Herzegowinas beleidigt, stellte er fest.

Wegen des von bosnisch-serbischen Truppen begangenen Völkermordes wurden bisher 45 Personen verurteilt, 14 von ihnen vom früheren UNO-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien (ICTY). Drei erhielten lebenslang, die übrigen wurden mit insgesamt 699 Jahren Haft bestraft. Zu lebenslanger Haft war im November in erster Instanz auch der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, verurteilt worden.

Radeta soll wegen Missachtung des UNO-Tribunals vor ein Belgrader Gericht kommen. Bisher wurden allerdings keine Schritte in diese Richtung unternommen.


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