Mikrobrauereien boomen in der Steiermark und Slowenien

Graz/Bad Radkersburg/Maribor (APA) - Innerhalb weniger Jahre hat sich in der Steiermark ebenso wie in der slowenischen Stajerska, der ehemal...

Graz/Bad Radkersburg/Maribor (APA) - Innerhalb weniger Jahre hat sich in der Steiermark ebenso wie in der slowenischen Stajerska, der ehemaligen Untersteiermark, eine bunte Craftbeer-Szene herausgebildet. Vor allem in Slowenien ging die Entwicklung fast schon explosionsartig vor sich. Der Funke für den Trend kam aus dem steirisch-slowenischen Grenzgebiet bei Bad Radkersburg.

Im Jahr 2013 beschloss der Slowene Vasja Golar nach einer Belgienreise, seinen Leisten als IT-Fachmann an den Nagel zu hängen, um sich als Bierbrauer zu versuchen. Als es daran ging, eine Firma zu gründen, fand er bald heraus, dass die österreichische Bürokratie leichter zu bewältigen war als die slowenische. Er errichtete seine Produktion in unmittelbarer Grenznähe, im Gewerbegebiet von Laafeld bei Bad Radkersburg.

Golars Strategie ging auf. Das „Bevog“-Bier mit Modesorten wie I.P.A. (India Pale Ale), Kölsch oder Porter, gepaart mit schrägen Fantasy-Sujets auf dem Etikett, schlug in Slowenien ein wie eine Bombe. Bis dahin hatten die traditionellen Marken Union und Lasko in trauter Zweisamkeit, von Konkurrenz ungestört, den Markt regiert.

Heute gibt es in Slowenien über 50 Mikrobrauereien, nicht wenige davon liegen im untersteirischen Teil des Landes. Manche kopieren ganz offen den Stil von Bevog. Vasja Golar freut sich darüber: „Ich sehe das positiv. Sicher, der Wettbewerb ist da, aber der Markt hat noch viel Potenzial. Je mehr hochqualitative Biere getrunken werden, desto besser.“

Auf der österreichischen Seite der Mur hatte der Erfolg des 34-jährigen Slowenen - Österreich ist nach Slowenien heute sein zweitwichtigster Markt - ebenfalls Auswirkungen. Auch das Aufkommen moderner Biershops in Graz und die wachsende Beliebtheit der neuen Geschmacksvielfalt dürften hier eine Rolle gespielt haben.

Zwar hatte es bereits davor hierzulande einige Kleinbrauereien nach US-amerikanischem Vorbild gegeben. Ihre Bekanntheit reichte damals jedoch kaum über die jeweilige Gemeinde hinaus.

Heute gibt es in der Steiermark über 40 Brauereien. Auch die alten Platzhirsche Gösser, Murauer, Puntigamer und Reininghaus bieten mittlerweile Spezialitäten im Craftbeer-Stil an. Noch heuer will Red-Bull-Zampano Dietrich Mateschitz ein eigenes Bier auf den Markt bringen. Der Probebetrieb im obersteirischen Pöls läuft dem Vernehmen nach bereits, auch wenn die Pläne für eine Schaubrauerei vorerst in der Schublade gelandet sind.

Derzeit richten die Mikrobrauer und -brauerinnen diesseits und jenseits der steirischen Grenze mit Ausnahme von Bevog ihre Absatzstrategie vorwiegend auf das eigene Land aus. Es gibt aber Anzeichen, dass sich das in Zukunft ändern und sich eine grenzübergreifende Szene entwickeln könnte.

Unter diesem Aspekt veranstaltete im Juni das Außenwirtschaftscenter der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in Ljubljana eine eigene Wirtschaftsmission zum Thema Craftbeer. Der dortige Handelsdelegierte, Peter Hasslacher brachte sieben österreichische und 20 slowenische Firmen zusammen. Es sei bei hohem beiderseitigem Interesse zu einem regen Kreativaustausch gekommen, so Hasslacher.

Zusammengearbeitet wird jetzt schon in Bereichen wie Brauerei-Technologie und beim gegenseitigen Bezug von Zutaten. So decken österreichische Kleinbrauereien einen Teil oder gar ihren gesamten Hopfenbedarf im Nachbarland. Das ist nicht weiter verwunderlich, ist doch Slowenien der viertgrößte Hopfenproduzent der Welt. Der medial ausgeschlachtete Konflikt um die Bezeichnung „Steirischer Hopfen“ (Stajerski hmelj) aus dem Vorjahr ist heute weitgehend vergessen. Markenrechtlich darf nämlich nur Hopfen aus der Stajerska diese Bezeichnung führen. Der in eher bescheidenem Umfang in der Gegend von Leutschach angebaute Hopfen heißt dagegen offiziell „Hopfen aus der Steiermark“.

Umgekehrt kaufen die meisten Braumeister in Slowenien ihre Hefe in Österreich. Großteils kommt diese aus der Brauerei Puntigamer in Graz. Als Puntigamer den Verkauf wegen zu hohen Aufwands im vorigen Jahr einstellen wollte, übernahm die Marktgemeinschaft Steiermarkbier den Vertrieb. Der Steiermarkbier gehört derzeit rund ein Dutzend steirischer Handwerksbrauereien an.

Die Frage, ob so etwas wie ein traditioneller, gemeinsamer Biergeschmack der Steirer und Stajerci existiere, verneint Craftbeer-Pionier Golar. „Ich glaube nicht“, sagt er. Die nächste Frage, über seine ganz persönliche Vorliebe angesichts der vielen Modesorten, beantwortet er freudestrahlend mit: „Ich mag hopfige Lagerbiere“ - und liefert damit schon fast den Gegenbeweis.


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