Ohne Matura zur Uni-Reife in Reutte

Ab Herbst 2019 ist Reutte Standort der Fachhochschule für Gesundheits- und Krankenpflege. Wer keine Matura hat, kann auch die Berechtigungsprüfung für eine Hochschulausbildung künftig in Reutte machen.

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Von Simone Tschol

Reutte, Ehenbichl –Mitten im Umstellungsprozess der Pflegeausbildung befindet sich derzeit auch die Pflegeschule Reutte. Die altbekannten Berufe laufen aufgrund einer Gesetzesnovelle aus. Wie die TT bereits berichtete, wird im Herbst der letzte Diplompflegekurs starten. Danach wird es drei neue Ausbildungszweige geben: Pflegeassistenz, Pflegefachassistenz sowie den Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege, welcher ab Herbst 2019 erstmals von der Fachhochschule für Gesundheit Tirol (FHG) in Reutte angeboten wird und mit dem Bachelor of Science in Health Studies (BSc) abschließt.

Damit ist Reutte nicht nur erstmals Studienstandort. Wer keine Matura vorweisen kann, der hat ab September auch die Möglichkeit, die für das Hochschulstudium notwendige Studienberechtigungsprüfung (bzw. Zusatzprüfungen) in Reutte abzulegen. Diese berechtigt auch zu anderen Hochschulstudien, wie einem Medizinstudium oder etwa zum Besuch der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Stams.

Möglich wird dies durch eine Kooperation mit dem bfi, dem Berufsförderungsinstitut Tirol. Marlene Walcher, die das bfi in Reutte leitet, ist begeistert: „Wir freuen uns sehr, dass wir die Studienberechtigungsprüfungen erstmals in Reutte durchführen können. Der Infoabend ist für 11. September geplant und am 26. September von 18 bis 20.30 Uhr wird der erste Unterricht im Fach Deutsch starten.“ Da die Unterrichtseinheiten jeweils abends stattfinden, könne der Vorbereitungslehrgang zur Studienberechtigungsprüfung auch parallel zum Beruf gemacht werden.

Aurel Schmidhofer, Obmann des Gemeindeverbandes Bezirkskrankenhaus Reutte, weiß um die brisante Situation: „Wir sind ein kleiner Bezirk und deshalb besonders bemüht, am Ball zu bleiben. Es gibt nicht nur zu wenig Pflegeplätze, es gibt auch zu wenig Pflegepersonal. Das ist eine Sorge, die alle Bürgermeister im Bezirk teilen. Wir wissen, wie wir das Problem lösen können. Das heißt aber noch lange nicht, dass es funktioniert. Umso größer sind die Hoffnungen, durch die neuen Ausbildungen und das Studium im Bezirk zusätzliche Leute für die Gesundheits- und Pflegeberufe zu begeistern.“ Der Gemeindeverband übernehme daher auch – als besonderes Zuckerl – für all jene, die anschließend die FHG besuchen, die Kosten für die Studienberechtigungsprüfung.

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Peter Mittermayr, Direktor der Pflegeschule Reutte und ab 2019 auch Standortleiter der FHG in Reutte, spricht von einer „spannenden Zeit“. Er und das Lehrpersonal an der Pflegeschule, wo auch die FHG angesiedelt sein wird, sind für die universitären Herausforderungen gerüstet: „Um den Pflegebedarf im Bezirk zu decken, kämpfen wir mit allen Kräften. Und wir werden noch mehr Werbung machen. Hier ist speziell das Allgäu ein Hoffnungsgebiet.“

Infos über die Ausbildungsmöglichkeiten, das Studium an der FHG sowie Fördermöglichkeiten gibt es bei Susanne Schiftner im Studien-Service-Center unter 05672/65033.


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