Strafzölle - IG-Metall sieht Jobs durch Autozölle bedroht

Frankfurt (APA/Reuters) - Der Chef der IG Metall im Autoland Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger, sorgt sich angesichts drohender hoher I...

Frankfurt (APA/Reuters) - Der Chef der IG Metall im Autoland Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger, sorgt sich angesichts drohender hoher Importzölle der USA auf Fahrzeuge aus Deutschland über Arbeitsplatzverluste. „Wenn der Handelskonflikt tatsächlich eskaliert, hätte das katastrophale Folgen“, sagte der Bezirksleiter der Gewerkschaft in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

„Wenn daraus ein Handelskrieg wird, und jeder schraubt seine Zölle hoch, dann würde das ganz eindeutig Handelsvolumen, Produktion und damit auch Beschäftigung schmälern.“ Im Heimatland der Autobauer Daimler und Porsche sowie vieler Zulieferer vom Weltmarktführer Bosch bis hin zum kleinen Mittelständler sind mehr als 440.000 Arbeitnehmer in dem Sektor beschäftigt.

Daimler und BMW, die SUV aus den USA nach China liefern, müssen bereits die schon eingeführten Autozölle zwischen den USA und China wegstecken. Handelsbarrieren zwischen Europa und den Vereinigten Staaten mit einem Einfuhrzoll von 20 Prozent träfe die deutsche Autoindustrie noch härter. Die Autobauer könnten diese auf Kosten des Gewinns abfangen oder mit der Verlagerung wichtiger Modelle in die USA reagieren - mit Konsequenzen für Jobs bei Herstellern und Zulieferern.

„Pläne und Überlegungen haben alle, davon muss man ausgehen“, sagte Zitzelsberger, der als Arbeitnehmervertreter auch im Aufsichtsrat von Daimler sitzt. Wie ein Autobauer reagiere, hänge von der Art seiner weltweiten Produktion ab. „Manche Hersteller sind sehr flexibel und können in einer Fabrik verschiedene Modelle bauen. Sie haben den Vorteil, sich leichter umstellen zu können“, erklärte der Gewerkschaftschef. Wer eine auf bestimmte Modelle spezialisierte Produktion habe, tue sich schwerer. Noch habe er jedoch die Hoffnung, dass die Europäische Union und die Vereinigten Staaten eine vernünftige Lösung fänden. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker trifft am Mittwochabend US-Präsident Donald Trump, beide erwarteten jedoch keinen Durchbruch. Bisher erhebt die EU auf Autos aus den USA 10 Prozent Importzoll, umgekehrt gelten nur 2,5 Prozent.

Im Fall einer Verlagerung wichtiger Modelle in die USA würde sich die Gewerkschaft querstellen, warnte Zitzelsberger. Produktionsverlagerungen seien für Gewerkschaft und Betriebsräte nichts Neues. Bisher schon werde meist dort produziert, wo verkauft werde. „Wir bekämpfen diese weltweite Produktionsordnung nicht“, sagte Zitzelsberger. „Aber wenn sich eine solche Frage konkret stellt, werden wir nicht Beifall klatschend danebenstehen, sondern immer versuchen, Beschäftigung und Modelle in Deutschland zu verteidigen.“


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