Was wird von den Tiroler Zweitligisten serviert?

Mit unterschiedlichen Vorzeichen starten die WSG Wattens als Titel-Mitfavorit und die Wacker-Fohlen als Außenseiter am Wochenende in die neue Zweitliga-Saison. Die TT fragte bei der sportlichen Führung nach.

Die sportliche WSG-Führung um Coach Thommy Silberberger und Manager Stefan Köck (linkes Bild) und Wacker II-Trainer Thomas Grumser wollen heuer erfolgreichen Zweitliga-Fußball auftischen.
© De Moor

Das WSG-Ziel heißt Top drei

Die WSG stellt laut transfermarkt.at mit einem Durchschnittsalter von gut 26 Jahren die routinierteste Elf der Liga. Erfahrung zählt?

Thomas Silberberger (Coach): „Mit Sicherheit ist das ein Wert, aber ich habe der Mannschaft schon gesagt, dass die große Gefahr darin lauert, in der Vergangenheit zu leben. Wenn ein Spieler wie beispielsweise Andreas Dober das abruft, was er im Länderspiel gegen England gezeigt hat, ist er eine absolute Verstärkung. Und wenn er nur in Erinnerungen schwelgt, ist es eine Gefahr. Wir wollten auf jeden Fall Routine, das ist uns gut gelungen.“

Stefan Köck (Manager): „Wir sind ja auch Eishockey-Fans. Wenn der HCI mit 13 oder 14 Legionären gewinnt, gibt’s Standing Ovations. Wenn sie dreimal nicht gewinnen, wird genau darüber und über fehlende Tiroler gesprochen. Also: Siegen, siegen, siegen.“

Wie lautet das Ziel?

Silberberger und Köck (im Gleichklang): „Top drei.

Silberberger: „13 von 15 Zweitliga-Trainern haben uns als Titelfavorit Nummer eins angeführt.“

Köck: „Dazu zähle ich uns mit diesem Kader auch. Im Fußball kann halt auch viel passieren. Wie gehen wir mit Druck um? Wie ist der Auftakt? Wie sieht es mit Verletzungen aus? Und man muss das Glück auch erzwingen.“

Aus einem potenziellen Jäger wurde ein Gejagter?

Silberberger: „Vom Papier haben wir den stärksten Kader, da brauchen wir nur beim Torhüterduo Oswald/Grünwald anzufangen. Die Wahrheit liegt halt am Platz. Es gilt ein Team zu formen, bei Laune zu halten und einen Spirit entstehen zu lassen, der für Großes steht. Die internen Gefahren mit Unzufriedenheit, Isolation oder der nötigen Integration sind die gefährlicheren, da haben wir ein paar scharfe Themen, an denen wir dranbleiben müssen. Ich verwehre mich aber nicht gegen die Favoritenrolle, weil sonst müsste ich auch mein Trainerdasein in Frage stellen.“

Wer sind die Mitfavoriten?

Silberberger und Köck: „Ried, Lustenau, ein Aufsteiger (Horn) oder Überraschungsgast. Eventuell auch noch Wiener Neustadt. Ganz vorne wird letztlich sein, wer gegen die Hinteren nicht umfällt.“

Wie sehen Sie das neue 16er-Format mit 30 Runden?

Silberberger: „Spannend, nur wird man sich nicht länger einen Hänger als über zwei bis drei Runden leisten dürfen.“

Spürt man die gestiegene Erwartungshaltung rund ums Gernot-Langes-Stadion?

Köck: „Auf jeden Fall, beim Cup in Anif waren die Präsidentin und ein Fanbus dabei. Alle freuen sich, dass es losgeht. Der Kartenverkauf läuft gut. Ich habe Riesenvertrauen in unser Trainerteam; noch sind wir aber nicht am Ziel.“

Der Kader kostet. Wenn’s mit dem Aufstieg nicht klappt, könnte sich die WSG das ein weiteres Jahr leisten?

Köck: „Diese Frage muss der Vorstand beantworten. Auf jeden Fall sind die Vertragsgestaltungen an Einsatzzeiten und an einen etwaigen Aufstieg/Nicht-Aufstieg gekoppelt. Aber lassen wir es jetzt einmal losgehen.“

Das Gespräch führte Alex Gruber

Wacker II will die Liga halten

Wie groß ist das Kribbeln wenige Tage vor Saisonstart?

Thomas Grumser: „Wir freuen uns, dass es losgeht. Es war eine turbulente und keine einfache Zeit. Die Jungs haben es aber gut gemacht und in der Vorbereitung war eine Entwicklung zu erkennen, die uns Mut macht.“

Viele sprechen von einer Wundertüte. Was erwarten Sie von der 2. Liga?

Grumser: „Das wird sich nach sieben, acht Runden zeigen. Vor allem von den Aufsteigern war kaum gutes Bildmaterial zu bekommen. Wir haben es aber geschafft, uns ein Bild von jedem Team zu machen.“

Als Favoriten gelten vor allem Ried und Wattens – für Sie auch?

Grumser: „Austria Lustenau würde ich noch dazunehmen, die haben sich gut verstärkt. Liefering wird natürlich auch vorne mitspielen. “

Wann war es für Wacker II eine erfolgreiche Saison?

Grumser: „Wir wollen natürlich die Liga halten. Wenn wir das schaffen, wäre es eine erfolgreiche Saison. Trotzdem ist es wichtig, dass wir unsere Idee nicht aus den Augen verlieren und jungen Spielern eine Plattform bieten. Die richtige Balance wird zu finden sein.“

Der älteste Akteur im Kader (Durchschnittsalter 19,7) ist Alex Gründler mit 24 Jahren. Ist er damit automatisch Ihr Anführer?

Grumser: „Wir definieren das nicht übers Alter, sondern über Persönlichkeit. Natürlich ist ein gewisser Erfahrungsschatz von Vorteil. Wir wissen, was wir mit den beiden Alex’ (neben Gründler noch Joppich/23 Jahre, Anm.) bekommen haben. Wir hoffen, dass sie die Jungen auch außerhalb des Trainings unterstützen, weil sie gewisse Dinge eben schon erlebt haben.“

Haben Sie so etwas wie einen verlängerten Arm am Spielfeld?

Grumser: „Wir versuchen nach Werten zu arbeiten. Einer davon ist Vertrauen. Für uns ist es nicht so, dass ein Spieler unser verlängerter Arm ist. Wir haben aber die Kapitäne (Satin, Pirkl, Hubmann) bestimmt.“

Apropos Vizekapitän Simon Pirkl: Welche Rolle soll er nach vielen Verletzungen einnehmen?

Grumser: „Simon ist eine starke Persönlichkeit, die genau weiß, was sie will. Für ihn ist wichtig, dass er die Sicherheit spürt. Das Wichtigste ist, dass er nach den vielen Verletzungen gesund bleibt.“

Die Neuzugänge sind eine bunte Mischung aus Rückkehrern und jungen Talenten. Wie schätzen Sie das Einkaufsprogramm ein?

Grumser: „Jeder Spieler hat vollstes Vertrauen, deshalb kann auch jeder in der Startelf stehen.“

In der Westliga stand Wacker II für gepflegten Kombinationsfußball. Muss man sich eine Klasse höher umstellen?

Grumser: „Wir wollen unsere Idee nicht verraten. Ob es sich ausgeht, wird man sehen. Wir sind zuversichtlich. Natürlich muss man das Verhalten gegen den Ball adaptieren. Aber die Grundidee, von der wir überzeugt sind, werden wir nicht über Bord werfen.“

Das Gespräch führte Tobias Waidhofer


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