Juncker/Trump-Deal - Deutsche Ökonomen vorsichtig optimistisch

Berlin/Washington (APA/Reuters) - Im transatlantischen Handelsstreit haben US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude...

Berlin/Washington (APA/Reuters) - Im transatlantischen Handelsstreit haben US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach eigenen Worten eine Einigung erzielt. Demnach sind die angedrohten Zölle auf EU-Autos vorerst vom Tisch. Es sollen konkrete Gespräche über einen Abbau von Handelsbarrieren aufgenommen werden. Die Europäer sollen sich außerdem verpflichten, mehr Soja und Flüssiggas zu importieren.

Ökonomen sagten dazu am Donnerstag in ersten Reaktionen:

GABRIEL FELBERMAYR, IFO-INSTITUT:

„Der Ausgang des Gipfels weckt Hoffnungen, dass die beiden größten Volkswirtschaften der Welt in konstruktive Verhandlungen zum Abbau von Handelsbarrieren einsteigen, anstatt sich gegenseitig mit Zöllen und Gegenzöllen zu bedrohen. Da die bedrohlichen Autozölle zunächst abgewendet scheinen, schwächen sich die Konjunktursorgen etwas ab.“

PETER BOFINGER, WIRTSCHAFTSWEISER:

„Das Ergebnis ist sehr erfreulich. Es geht genau in die Richtung, die wir uns ja auch vorgestellt haben. Das man jetzt nicht gegenseitig mit Zöllen versucht, sich das Leben schwer zu machen, sondern dass man den Ochsen an den Hörnern packt und sagt: ‚Okay Trump, wenn Du ein Problem mit Zöllen hast, dann schaffen wir die halt wechselseitig ab.‘ Und wir gehen eben dahin, was ja eigentlich schon TTIP vorgesehen hatte, dass wir alle Zölle zwischen den USA und der EU abschaffen. Denn das ist eine Situation, von der fast alle nur gewinnen können.“

HOLGER SCHMIEDING, CHEFVOLKSWIRT BERENBERG BANK:

„Es ist noch kein richtiger Deal. Aber es ist ein Schritt weg vom Abgrund. Mit ein bisschen Glück könnte es sich sogar die Lage grundlegend verändern. Das Abkommen, das EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump gestern spät geschlossen haben, verringert das Risiko eines Handelskrieges zwischen den beiden Wirtschaftsriesen der Welt vorerst.

Jedes mögliche Abkommen zwischen den USA und der EU wird wahrscheinlich weit hinter dem fast fertigen TTIP-Abkommen zwischen den beiden Seiten zurückbleiben, das Trump bei seinem Amtsantritt aufgegeben hatte. Dennoch würde ein Abkommen zwischen den USA und der EU angesichts der großen Unsicherheit, die in letzter Zeit herrschte, einen bedeutenden Fortschritt darstellen.“

VOLKSWIRTE DER LANDESBANK LBBW:

„Der transatlantische Handelsstreit ist damit zwar noch nicht beendet, eine weitere Eskalation konnte jedoch zunächst vermieden werden. Zudem ist es ein ermutigendes Zeichen, dass endlich wieder miteinander und nicht nur übereinander geredet wird. Jetzt kommt es darauf an, dass die Differenzen zwischen den USA und Europa über Verhandlungen ausgeräumt werden. Sollten hier jedoch keine Fortschritte in den nächsten Wochen und Monaten erzielt werden, dürfte der Waffenstillstand seitens der USA wieder aufgekündigt werden.“

THOMAS GITZEL, CHEFÖKONOM DER VP BANK LIECHTENSTEIN:

„Erstaunlich, wer hätte das gedacht? Jean-Claude Juncker und Donald Trump zeigen sich vor der versammelten Presse im Rosengarten des Weißen Hauses unerwartet einig. Über die Gründe, warum sich Donald Trump relativ sanftmütig gegenüber der EU zeigte, kann nur spekuliert werden. Zeigen etwa die europäischen Strafzölle gegenüber einer Reihe von US-amerikanischen Waren schon Wirkung? Wir wissen es nicht. Vielleicht ist es ja aber auch so, dass die Transatlantiker nicht vollständig ihren Einfluss verloren haben. Fakt ist, gestern ging eine Tür auf. Die Europäer haben mehr Zölle und höhere Zollsätze in der Vergangenheit installiert als die USA. Die Vorwürfe Donald Trumps sind jedenfalls nicht völlig unberechtigt. Es liegt nun deshalb auch an der EU, die Chance zu ergreifen und Handelshemmnisse abzubauen.“


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