Der Fall Dürr liegt erneut bei der ÖSV-Spitze

Der ehemals gesperrte Langläufer Johannes Dürr sorgte bei einem Vortrag in Wattens für Aufsehen und beim ÖSV für Erstaunen.

Nach Ablauf seiner Doping-Sperre trainiert Langläufer Johannes Dürr für sein Comeback – und lässt die Öffentlichkeit daran teilhaben.
© gepa

Von Susann Frank

Innsbruck – Derzeit ist es ruhig im Österreichischen Ski-Verband (ÖSV). Das Führungs-Duo mit Präsident Peter Schröcksnadel und Generalsekretär Klaus Leistner weilt im Urlaub, anstehende Entscheidungen wurden deswegen auf ihre Rückkehr Anfang September verschoben. Was zu bearbeiten ist? Die Aussagen von Langlauf-Doping-Sünder Johannes Dürr bei einer FuckUp Night in Wattens.

FuckUp ist eine 2012 in Mexiko entstandene globale Bewegung, die Geschichten über Scheitern, Fehlermachen und Wiederaufstehen auf die Bühne bringt. Am 5. Juli hielt der Wahl-Tiroler diesbezüglich einen Vortrag in der „Werkstätte“. Dabei beschrieb der 31-Jährige seinen Aufstieg als Langläufer und seinen tiefen Fall im Februar 2014, als er bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi (RUS) positiv auf das Sauerstoff-Aufnahme-Dopingmittel EPO getestet wurde und das Vergehen schließlich gestand. Seit Ablauf der Sperre trainiert der Niederösterreicher nun auf ein Comeback hin – mit dem Ziel, bei der Heim-WM 2019 in Seefeld an den Start zu gehen.

Nach dem Vortrag gab es Fragen aus dem Publikum, etwa zur Rolle des ÖSV. Dürrs Antwort: „Es ist keine aktive Unterstützung gewesen. Aber mit dieser absoluten totalitären Verneinung und Augenzuhalten empfinde ich es so: ,Bitte mach’s, lass dich aber nicht erwischen.‘ So ungefähr ist das gerannt. ,Ich will davon nichts wissen. Uns wär’s eh lieber, wenn du was machen würdest.‘“

Da die Veranstaltung auf Facebook nachzuhören ist, erfuhr auch der ÖSV von diesen Aussagen. Unter anderem Markus Gandler. Welche Stellung nimmt der Sportliche Leiter für Biathlon und Langlauf zu den Ausführungen Dürrs? „Die Aussage erstaunt, dass wir vom ÖSV plötzlich doch etwas von seinem Doping gewusst haben sollen“, sagte der Tiroler.

Nach der Razzia bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin (ITA), der Doping-Causa Dürr (2014) sowie der von Harald Wurm (2015) will sich der 51-Jährige jedoch nicht mehr selber mit diesem Thema beschäftigen. „Wir haben die Chefetage des ÖSV darüber informiert, jetzt schauen wir einmal, was sie dazu sagen“, erklärte Gandler, bevor er kürzlich mit seiner Familie in den Urlaub fuhr. Einen Urlaub, den er dringend benötige, wie Gand­ler betonte.

Und wie reagiert die ÖSV-Spitze? „Erst einmal gar nicht. Sie kehrt erst Anfang September aus dem Urlaub heim“, erklärte Josef Schmid. Der ÖSV-Pressechef meinte jedoch: Wenn Dürr „glaubt, dass der ÖSV davon gewusst hat, wird der Präsident keine Gaudi damit haben“. Ob weitere Schritte wie die Einberufung der Rechtskommission des Verbands oder mehr gesetzt werden, wird erst nach der Rückkehr besprochen. Bis dahin wird es um ein Thema, das schon viel Staub aufgewirbelt hat, ruhig bleiben.


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