Tierarztmangel in Tirol: Kein Arzt für Hund und Kuh

In Tirol zeichnet sich ein Tierarztmangel ab. Das Konzept einer eigenen Ausbildung im Land steht im Regierungsprogramm und soll jetzt Form annehmen.

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Von Sabine Strobl

Innsbruck –In Tirol scheint es an allen Ecken und Enden an Arbeitskräften zu mangeln. Eine Gruppe von Tierärzten hat schon davor gewarnt, dass Tirol auf einen enormen Tierarztmangel zusteuert. Mittlerweile sei nicht nur die Versorgung von Groß- und Nutztieren betroffen, sondern auch die von Kleintieren. Engpässe zeichnen sich auch in der veterinären Verwaltung und in der Lebensmittelkontrolle ab.

Der Ausweg wird in der Errichtung einer veterinärmedizinischen Privat-universität in Tirol gesehen. Das Vorhaben ist „im Regierungsprogramm“ verankert, erklärt Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler, zuständig für das Veterinärwesen. „Wir sind dabei, die Grundlagen für eine praxisnahe universitäre Ausbildung mit Schwerpunkt Nutztiere in Tirol zu schaffen. Es liegt aber noch sehr viel Arbeit vor uns.“

Dazu zählt auch die Finanzierung, zu der noch keine konkreten Angaben gemacht werden. „Mein Ziel ist es, das Projekt in dieser Legislaturperiode in trockene Tücher zu bringen“, so Geisler. Am Konzept wird gearbeitet. Mit der Vetmed Tirol soll ein praxisnaher Studiengang für Veterinärmedizin etabliert werden. Der Fokus liegt auf Großtieren und Landwirtschaft sowie Kleintierversorgung. Mit einbezogen werden laut Regierungsplänen nicht nur bestehende wissenschaftliche Einrichtungen, sondern auch ansässige Tierarztpraxen.

20 bis 25 Studienplätze pro Jahrgang sind auf Basis des Universitäts-Akkredierungsgesetzes vorgesehen. Mit einer Privatuni gehen auch Studiengebühren einher, ein Stipendienmodell soll erarbeitet werden. Als Standort ist Kematen im Gespräch. Da die HBLFA (Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt Tirol für Landwirtschaft und Ernährung, Lebensmittel- und Biotechnologie) in zwei Jahren nach Rotholz übersiedelt, könnte ein Teil der Gebäude weiter Verwendung finden. Geisler möchte einen Schritt weiter gehen: „Wir wollen Gespräche mit Bundesländern und Nachbarländern hinsichtlich Kooperationen führen.“ Es gehe um die Absicherung der veterinärmedizinischen Versor- gung im alpinen Raum.

Derzeit besteht nur in Wien die Möglichkeit, ein Veterinärmedizinstudium zu absolvieren. Jährlich bewerben sich 1400 In­teressenten für 210 Ausbildungsplätze. Von den 2350 Studierenden kommen zwei Drittel aus Österreich, 80 Prozent der Anfänger sind weiblich. Es besteht die Sorge, dass Wien allein den benötigten Nachwuchs nicht ausbilden kann. Die Gründe für die befürchtete veterinärmedizinische Unterversorgung in Tirol ähneln denen in der Humanmedizin. Lebenskonzepte ändern sich. So wird der rund um die Uhr erreichbare Landtierarzt eine rare Spezies. Zudem steht eine Pensionierungswelle an. In den nächsten zehn Jahren gehen 40 bis 60 Tierärzte in Pension. Derzeit gibt es vier Tierkliniken, 21 Gemeinschaftspraxen und 91 Einzelpraxen in Tirol.

Der in Kramsach tätige Tierarzt Peter Schweiger, der als Instruktur in der Tierarztausbildung tätig ist, befürwortet eine international anerkannte, praxisnahe Ausbildung, die nach Vorbild von US-Universitäten in Trimester aufgeteilt sein könnte. Sechs Jahre sind veranschlagt. Die Studierenden sollen nach Abschluss des Studiums sofort in die Praxis einsteigen können.


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