Konjunkturdynamik im Einzelhandel hat sich im Halbjahr abgeschwächt

Wien (APA) - Nach einem Aufschwung im vergangenen Jahr hat die Wachstumsdynamik im stationären Einzelhandel im ersten Halbjahr 2018 etwas an...

Wien (APA) - Nach einem Aufschwung im vergangenen Jahr hat die Wachstumsdynamik im stationären Einzelhandel im ersten Halbjahr 2018 etwas an Schwung verloren. „Die Erwartungen sind nicht ganz eingetreten“, sagte Handelsobmann Peter Buchmüller am Donnerstag. Der Handel steigerte die Umsätze im Halbjahr nominell um 1,3 Prozent auf 34,6 Mrd. Euro. Preisbereinigt war das allerdings ein Minus von 0,6 Prozent.

40 Prozent der Einzelhandelsgeschäfte weisen für das erste Halbjahr 2018 ein nominelles Umsatzwachstum auf. 18 Prozent konnten das Vorjahresniveau wieder erreichen. Rund 42 Prozent der Betriebe waren mit Umsatzrückgängen konfrontiert.

Es sei ein „turbulentes“ Halbjahr 2018 gewesen, in dem sich alle Monate unterschiedlich entwickelten, sagte Buchmüller bei der Halbjahres-Pressekonferenz in Wien. Nach einem sehr guten Start im Jänner wies der stationäre Einzelhandel ein Umsatzminus im Februar auf. Das frühe Ostergeschäft bescherte der Branche in Österreich hohe Umsatzzuwächse im März, aber nur ein knappes Plus im April. Der Mai entwickelte sich wetterbedingt schwächer und hatte zwei Einkaufstage weniger als im Vorjahr. Das Umsatzminus konnte aber im Juni mit einem hohen Plus wieder gut gemacht werden. Die Verkaufspreise entsprachen im Halbjahr der allgemeinen Inflationsrate.

Die Umsätze im ersten Halbjahr 2018 sind im Einzelhandel mit Bau- und Heimwerkerbedarf mit nominell +4,5 Prozent am stärksten gestiegen, gefolgt von Sportartikelgeschäften (+2,7 Prozent) und Lebensmittelhändlern (+2,5 Prozent). Aufgrund der „kalten Witterung“ im ersten Quartal hat die Kleidungsbranche mit einem Minus (-0,8 Prozent) abgeschlossen. Der Spielwarenbranche (-2,2 Prozent) sowie den Elektrohändlern (-2,0 Prozent) machte das Online-Geschäft zu schaffen.

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Für das Gesamtjahr 2018 erwartet Handelsobmann Buchmüller eine gleichbleibende Entwicklung, jedenfalls aber ein nominelles Plus von über 1 Prozent. Die Unternehmen selbst schätzen ihre Zukunft besser ein: Nur 3 Prozent erwarten künftig Umsatzrückgänge, 79 Prozent rechnen mit einem stabilen Geschäftsverlauf. 18 Prozent gehen von einer Verbesserung aus.

In der derzeitigen Hochkonjunkturphase hat sich auch die Situation am Arbeitsmarkt weiter verbessert. Nach Beschäftigungszuwächsen von unter einem Prozent pro Jahr in den Jahren 2015 bis 2017 stieg die Zahl der Einzelhandelsbeschäftigten im ersten Halbjahr 2018 stärker an. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2017 verzeichnete der Einzelhandel ein Beschäftigungsplus in Höhe von 1,2 Prozent bzw. von rund 4.000 Mitarbeitern. Der Zuwachs sei nicht nur auf geringfügig Beschäftigte zurückzuführen gewesen, diese waren sogar rückläufig, sondern auf Vollzeit- und Teilzeitstellen, sagte Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Sparte Handel der WKÖ. Insgesamt beschäftigt der Einzelhandel 333.500 Personen.

Im europäischen Vergleich entwickelten sich die Umsätze im österreichischen Einzelhandel von Jänner bis Mai parallel zur Eurozone, wobei die Wachstumsraten in Österreich geringer ausfielen. Hohe Zuwächse verzeichneten nach wie vor die osteuropäischen Länder. Auch Frankreich ein „überdurchschnittliches“ Wachstum im Einzelhandel erreicht, kommentierte Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria. In Deutschland betrug das Wachstum im Durchschnitt 1,4 Prozent.

Der Herbstlohnrunde sieht Buchmüller gelassen entgegen, wenngleich er einräumte, dass es wohl etwas turbulenter als sonst zugehen könnte. Der 12-Stunden-Tag spiele im Handel aber nur in gewissen Branchen eine Rolle, etwa im Außendienst oder im Großhandel. „Wir werden die Kollektivvertragsverhandlungen sachlich beginnen und zu einem vernünftigen Ergebnis kommen“, sagte Buchmüller. Nachsatz: „Erpressen lassen wir uns aber nicht.“ Die Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft sei zuletzt sehr gut gewesen, da müsste es schon zu einer Trendumkehr der Gewerkschaft kommen, um die gute Sozialpartnerschaft zu gefährden, so Buchmüller.

( 0792-18, Format 88 x 156 mm)

~ WEB https://news.wko.at/presse ~ APA319 2018-07-26/13:53


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