Salzburger Festspiele: „Zauberflöte“ als Steiers Spezial-Hamburger

Salzburg (APA) - Vor zwei Tagen haben ihr die Wiener Philharmoniker in der Orchesterhauptprobe noch ein „Happy Birthday“ gespielt zum 40. Ge...

Salzburg (APA) - Vor zwei Tagen haben ihr die Wiener Philharmoniker in der Orchesterhauptprobe noch ein „Happy Birthday“ gespielt zum 40. Geburtstag. Heute Abend feiert ihre „Zauberflöte“ Premiere als erste Operninszenierung der Salzburger Festspiele 2018: Stressige Zeiten also für Regisseurin Lydia Steier. Trotz allen Drucks zeigte sich die in Berlin lebende US-Amerikanerin am Vorabend voller Vorfreude.

Dabei sind die Erwartungshaltungen riesig. „‘Die Zauberflöte‘ ist ein Schinken, bei dem jeder mitsingen kann“, ist sich Steier bewusst. Das Mozart-Stück sei wie ein Hamburger - also ein altbekanntes Gericht, an das man mit neuen Ideen herangehen müsse, um es wieder zu etwas Besonderem zu machen. „Nicht jeder wird das Ding mögen. Aber man muss doch versuchen, etwas Neues zu schaffen“, zeigte sie sich vor Journalisten gelassen - was auch daran liegen mag, dass sie derzeit vor dem Einschlafen viel schlechten Techno aus den 90ern als Gegenprogramm hört.

Steier, die schon an zahlreichen renommierten Häusern inszenierte, hat für ihre „Zauberflöte“ eine Rahmenhandlung entworfen, in der die drei Knaben einer bourgeoisen Familie der Gründerzeit die Handlung von ihrem Großvater erzählt bekommen. Die Welt der „Zauberflöte“ entsteht also aus deren Fantasie. „Die Kinder sind wir. Die Kinder sind das Kindliche in uns“, hob Steier ihren Ansatz für Erwachsene heraus, spiele der Graubereiche doch eine große Rolle in ihrem Konzept. Weder sei die Königin der Nacht bei ihr absolut böse, noch Sarastro absolut gut.

Für die Sprechrolle des Alten musste inmitten der Proben Klaus Maria Brandauer für den erkrankten Bruno Ganz einspringen, um dem Stück die zusätzliche narrative Ebene zu verleihen. Und diese Entscheidung zur Rahmenhandlung sei enorm wichtig. „Ich glaube wirklich, dass wir das Stück dadurch verständlicher machen - bizarrerweise“, ist Steier von ihrem Konzept überzeugt.

„Die Balance ist eine Herausforderung“, betrachtet sie die Arbeit am Stück aber durchaus selbstkritisch. So müsse in Zeiten, in denen ein Ensemble aus aller Herren Ländern stamme, ein Teil der Sprechtexte schlicht daran glauben: „Man möchte ja an der Geschichte arbeiten und nicht jeden Tag Sprachcoaching machen, damit alle sich ein Wiener Schikaneder-Deutsch aneignen.“

Aber Steier liebt einfach die Herausforderung - die bei Mozart für sie besonders gegeben war. „Ich bin normalerweise viel stärker bei Stücken, die ich nicht mag. Ich habe eigentlich gar keinen Bezug zu Puccini - aber ich kann ihn wahnsinnig gut inszenieren.“

Bei Wolfgang Amadeus sei das anders: „Mein Problem bei Mozart ist, dass ich ihn sehr liebe. Gott sei Dank ist die Geschichte der ‚Zauberflöte‘ etwas problematisch“, freute sich die Regisseurin über zumindest eine Herausforderung, an der sie sich abarbeiten könne: „Ich habe noch kaum eine ‚Zauberflöte‘ gesehen, die mich wirklich überzeugt hat.“

Das vielfarbige und vielgestaltige Konzept Steiers stellt TV-Regisseur Michael Beyer durchaus vor eigene Anforderungen, muss der Fernsehfachmann doch die Salzburger Inszenierung für ORF 2 aufbereiten, welches das Stück am 4. August ab 20.15 Uhr überträgt. „Eine Herausforderung ist, alle Bälle in der Luft zu halten“, umriss der Deutsche die Situation. Man wolle schließlich für die Zuschauer keinen Geschichtenstrang verlieren. Dennoch zeigte sich auch Beyer optimistisch: „Es ist schwierig, aber das Schwierige ist auch das Dankbare.“ Und schließlich hat der TV-Regisseur neun Kameras für die Inszenierung und eine für ORF-III-Doyenne Barbara Rett zur Verfügung, um den Abend im Fernsehen zu einem besonderen Opernerlebnis zu machen.


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