Mehr Spannung in der neuen Liga? „Wird ums Überleben gehen“

Die Fußball-Bundesliga löst sich nach 25 Jahren von ihrem Format. Versprochen wird mehr Spannung, das Fernziel von 10.000 Zuschauern im Schnitt soll keine Floskel bleiben. Und der ORF verliert sein Monopol.

Nach vier Jahren in der zweiten Liga kehrte der FC Wacker Innsbruck Ende Mai als Meister in die höchste Spielklasse zurück.
© Jakob Gruber

Von Florian Madl

Innsbruck — Der 9. September 2016 sollte einen lange Zeit zuvor ausgelösten Prozess beschließen: An diesem Tag wurde die Reform der österreichischen Fußball-Bundesliga besiegelt, am Freitag (20.45 Uhr/TT.com-Ticker) tritt mit dem Eröffnungsspiel das neue Format in Kraft. Zwölf Teams in der tipico-Bundesliga, 16 in der zweiten Liga (vormals Sky Go Erste Liga): Die Entscheidungsfindung war von Kritik begleitet, ausgerechnet im Wacker-Aufstiegsjahr sollen sich positive Effekte einstellen.

1.) Was bewog die Bundesliga zur Reform? Anhaltende Meldungen über nicht zu finanzierende 20 Profivereine, dazu sportliche Alleingänge wie jene von Red Bull Salzburg und bescheidene Zuschauerresonanz führten zum Umdenken. Noch drehe man laut Wacker-Präsident Gerhard Stocker an so mancher Schraube: „Wir arbeiten daran, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Es gibt keine Organisation, die keinen Handlungsbedarf hat."

2.) Was trug zur Entscheidungsfindung bei? Gemeinsam mit der niederländischen Consulting-Firma Hypercube, die auch beim Europäischen Fußballverband UEFA im Einsatz war, wurden Fans, Spieler, Trainer, Klubvertreter und Journalisten sowie die Verbände eingebunden.

3.) Was ist von der Medialisierung zu erwarten? Der Pay-TV-Sender Sky sicherte sich Exklusivität, 35 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre kommen auch den Vereinen zugute. Der Österreichische Rundfunk rückt deshalb nicht in den Hintergrund, mit der abendlichen Highlight-Sendung bleibt auch der Gebührenzahler im Bild: „Ich finde die Lösung sensationell. Jetzt haben wir den Fußball kompakt", befindet Stocker, Aufsichtsratsmitglied der Bundesliga.

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4.) Was ist von der neuen 2. Liga zu erwarten? 16 Vereine, viele davon ohne klingende Namen — das trägt nicht zur Vermarktung bei. Diese Halbprofiliga stecke noch „in den Kinderschuhen", bestätigt Bundesliga-Vorstand Reinhard Herovits. Das Format müsse sich entwickeln.

Wattens-Sportchef Stefan Köck will die Liga „nicht schon vorher krankjammern", ihn erwarten künftig Derbys mit der zweiten Wacker-Kampfmannschaft. BL-Vorstand Herovits meint, angesprochen auf möglicherweise weniger attraktiv­e Gegner: „Es geht uns in dieser Liga nicht um die Zuschauerzahl, sondern um die sportliche Entwicklung." Und Wacker-Präsident Stocker meinte, man solle „dem Ganzen eine Chance geben": „Lassen wir sie erst einmal spielen und analysieren wir dann."

5.) Steigt die Spannung in der höchsten Liga wirklich? WAC-Trainer Christian Ilzer glaubt, es werde für die kleinen Klubs sportlich „ums Überleben gehen". Ist Spannung damit garantiert? Bei vergleichbaren Ligaformaten im Ausland (Belgien) soll das jedenfalls der Fall gewesen sein, zumal Alleingänge und zweistellige Punkteabstände gegen Meisterschaftsende angesichts der Punktehalbierung nach 22 Runden (Grunddurchgang) kaum mehr vorstellbar sind.

6.) Welche Rolle nehmen die Großen ein? Durch den Bundesliga-Aufstieg des FC Wacker ist wieder jedes Bundesland in der höchsten Spielklasse vertreten, die Traditionsklubs sind vereint. Und die Chance auf einen Europacup-Platz (oder zumindest die Qualifikation) lebt künftig für die Kleinen auch nach der Liga-Teilung im Winter weiter.

7.) Steigt die Konkurrenzfähigkeit durchs neue Ligenformat? Die Einsatzzeiten österreichischer Spieler wurden schon bisher finanziell honoriert, die größere Vereinsanzahl verringert die Sorge um den Klassenerhalt. Möglicherweise trägt das dazu bei, künftig verstärkt auf Talente statt auf zweitklassige Legionäre zu setzen.


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