Der Kampf gegen die Zwangsheirat

Jugendliche mit Migrationshintergrund, die nach den Sommerferien nicht mehr auftauchen, können Opfer von Verschleppung oder Zwangsheirat sein.

© Getty Images

Innsbruck –Es sind die Familienangehörigen, die davon überzeugt sind, dass das Kind in Österreich ein zu westliches Leben führt und daher in seine Heimat zurück muss, um zur Vernunft zu kommen. Und es sind Kinder oder Jugendliche mit Migrationshintergrund, die für vermeintliche Sommerferien oder für einen vermeintlichen Besuch eines Verwandten in ihre ursprüngliche Heimat gebracht werden, um dort zwangsverheiratet zu werden. Wie viele Mädchen und Buben in Österreich Opfer von Zwangsheirat oder Verschleppung sind, „dazu gibt es leider keine verlässlichen Zahlen, weil Studien fehlen. Wir haben nur unsere Beratungszahlen. Wir haben im vergangenen Jahr 112 Klienten aus verschiedenen Ursprungsländern betreut, von denen 69 von Zwangsheirat/Verschleppung bedroht waren, der Rest war davon betroffen“, sagt Meltem Weiland von der Beratungsstelle „Orient Express“ in Wien, seit 2017 bundesweite Koordinationsstelle bei Verschleppung und Zwangsheirat und seit 15 Jahren Anlaufstelle für Betroffene. 12 Klienten konnten 2017 durch das Engagement des „Orient Express“, der mit den Behörden im In- und Ausland zusammenarbeitet, nach Österreich zurückgeholt werden, heuer waren es acht Kinder bzw. Jugendliche. „Das Um und Auf ist, dass wir Kontakt zu den Betroffenen haben, um sie nach Österreich zurückzubringen“, so Weiland. Obwohl die kostenfreie und anonyme Beratung so wichtig ist, um präventiv tätig zu werden, „gibt es nur uns und in Graz eine Einrichtung der Caritas, die sich auf diese Problematik spezialisiert hat. Es gibt in Österreich keine flächendeckenden Beratung“, kritisiert Weiland. (wa)

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